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Sonntag, 24. März 2019

Rossi, Lauro - Cleopatra

Am Nil mit Lauro Rossi


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die interessante Ausgrabung der 'Cleopatra'-Vertonung von Lauro Rossi macht Lust auf eine stark besetzte Produktion an einem anderen Haus.

Da ist dem Sferisterio Opera Festival in Macerata im Juli 2008 eine wahre Ausgrabung gelungen: die vieraktige Oper 'Cleopatra' von Lauro Rossi, einem Zeitgenossen Giuseppe Verdis. Der aus Macerata stammende Lauro Rossi ist heutzutage vollständig unbekannt, keine seiner zahlreichen Opern, die zu seinen Lebzeiten anscheinend nicht unpopulär waren, hat im internationalen Opernrepertoire überlebt, noch nicht einmal eine einzelne Arie hat ihren Weg in die Opernrecitals großer Sängerinnen und Sänger gefunden. Lauro Rossi gehört schlicht zu jenen vergessenen Komponisten, die im Schatten ihrer berühmteren Kollegen untergegangen sind, und für deren Wiederentdeckung sich noch niemand gebührend eingesetzt hat. Nun hat aber das Festival in Macerata eben jenes getan: Rossis 'Cleopatra' wurde mit viel Aufwand wiederbelebt und für die Nachwelt gleich auf DVD und auf CD festgehalten – beides beim preisgünstigen Label Naxos.

Und man muss zugeben: Rossis 'Cleopatra' ist nicht zu verachten, die Schönheiten der Partitur liegen deutlich vor einem und man kommt nicht umhin zu konstatieren, dass weitaus zweifelhaftere Opern dieser Ära überlebt haben, nur weil der jeweilige Komponist einmal einen Glückstreffer landen konnte. Lauro Rossis Komposition hat Hand und Fuß, überrascht zwar nicht wirklich, ist aber einem Zeitgeschmack geschuldet, der Operngängern aus Opern von Giuseppe Verdi, Amilcare Ponchielli, Saverio Mercadante oder Arrigo Boito vertraut ist. Effektvolle Arien, großangelegte Duette und kunstvolle Ensembles reichen sich die Hand. Die Handlung der Oper basiert auf der unglücklichen Liebe zwischen der ägyptischen Königin Cleopatra und dem Römer Marco Antonio, die mit dem Tod der beiden endet. Die Hauptschauplätze Alexandria und Rom bieten dem Komponisten viel Raum für exotisches Lokalkolorit und handfeste Massenszenen. Besonders hervorzuheben sind die letzte Arie des Marco Antonio im vierten Akt, die Szene der Cleopatra im zweiten und das ergreifende kontemplative Ensemble im dritten Akt, wenn Cleopatra in Rom ihren Geliebten bloßstellt.

Der auf zwei CDs erschienene Mitschnitt ist leider akustisch nicht durchweg ein Genuss. Zu unausgewogen erscheint das Klangbild, das vermutlich einfach die Tonspur der Videoaufzeichnung darstellt. Auch das Orchestra Filarmonica Marchigiana müht sich redlich mit Rossis Partitur, kommt aber über ein anständiges Mittelmaß nicht hinaus, Glanzlichter kann der Dirigent David Crescenzi nicht setzen. Vielleicht ist das bei einer solchen Ausgrabung auch zu viel verlangt, vielleicht haben alle beteiligten Künstler mit der Wiederbelebung genug zu tun, als dass man sich noch auf Feinheiten und Details konzentrieren könnte.

Solide – mehr aber auch nicht

Die Sängerriege bewältigt die Anforderungen solide, aber auch hier ohne Bravour oder besonders authentischen Zugang. In der Titelpartie der Cleopatra stellt die in Italien vielbeschäftigte Dimitra Theodossiou ihre vokalen Fertigkeiten unter Beweis. Ihr Sopran hat eine warme Grundfärbung und neigt in der Höhe zu einer unangenehmen Schärfe, die man oftmals im Hinblick auf die dramatische Situation entschuldigen kann. Agilität ist nicht gerade ihre Stärke, aber sie formt mit ihrer Artikulation, einer pastosen Mittellage und glühender Intensität einen eindringlichen Charakter, der auch bei der fehlenden Optik einer CD überzeugt.

Leider fallen ihren Kollegen um Einiges hinter ihre Leistung zurück, was dem Mitschnitt nicht erheblich schadet, ihn aber auch nicht spannender macht. Alessandro Liberatore bewältigt seine letzte Arie als Marco Antonio akkurat mit zarten Schluchzern und langem Atem, bleibt ansonsten aber eher blass. Als Gegenspieler Diomede bedient Sebastian Catana die Standards eines italienischen Bariton-Bösewichts, verfügt aber nicht über jenen Schmelz oder Metall, um zu einer bleibenden Charakterstudie zu finden. Der Bassist Paolo Pecchioli bleibt als Ottavio Cesare eher unauffällig, während Tiziana Carraro als Ottavia weit über ihren stimmlichen Zenit hinaus ist. Eine Konkurrentin für die Cleopatra von Dimitra Theodossiou ist sie nicht im Geringsten. Bleibt zu hoffen, dass sich noch andere Opernhäuser dieser interessanten und süffigen ‚Cleopatra‘-Vertonung annehmen und dem Werk durch die Größe der Interpreten zu neuer Akzeptanz verhelfen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rossi, Lauro: Cleopatra

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
2
28.03.2011
EAN:

730099029179


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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