> > > Klughardt, August: Sinfonie Nr.3 in D-Dur, op.37
Montag, 22. Oktober 2018

Klughardt, August - Sinfonie Nr.3 in D-Dur, op.37

Aus der guten alten Zeit


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


August Klughardts sinfonische Nebenwege, wie sie etwa in der Dritten Sinfonie begangen werden, sind in einer trefflichen Einspielung bei CPO erschienen.

August Klughardt ist kein Komponist, den man heute gemeinhin kennt. 1847 geboren und damit unmittelbarer Zeitgenosse von Ignaz Brüll, Johan Andreas Hallén, Alexander Campbell Mackenzie und Robert Fuchs, hört man bei ihm vergleichsweise wenige Brahms-Anklänge. Klughardt gehört von der harmonischen Sprache her eher einer früheren Generation an – man spürt bei ihm noch das in jener Zeit verbreitete akademische Prinzip, alles ‚Hässliche‘ (harmonische Härten und Schärfen) zu meiden. Noch nach Klughardts Tod 1902 war die Diskussion um den richtigen Weg des musikalischen Fortschritts keineswegs zu Ende, und so überrascht es nicht, dass Klughardt selbst im Violinkonzert D-Dur op. 68 von 1895 nur selten wirklich Außerordentliches bietet, etwa zur Einleitung des zweiten Themenbereiches im ersten Satz. Formal aber ist er durchaus experimentierfreudig – etwa durch den dramaturgisch überaus überzeugenden Übergang zwischen erstem und zweitem Satz. Immer wieder vermeint man Schatten der Vergangenheit (Beethoven, Schubert, Brahms, Schumann) in Klughardts Musik zu hören, doch wären Reminiszenzenjäger auf dem falschen Weg, handelt es sich doch nicht etwa um bewusste Anleihen, sondern die bewusste Verbundenheit zu einem musikalischen Stil, der schon wenig später durch den frischen Wind neuer Generationen gewissermaßen veraltet war. In gewisser Weise zu Unrecht, handelt es sich doch um sorgsam ausgearbeitete, formal und harmonisch durchaus sorgfältig strukturierte Kompositionen, die neben den ‚Großmeistern‘ essenziell notwendig sind zum Verständnis der musikhistorischen Entwicklung.

Auch in der eher robusteren Dritten Sinfonie D-Dur op. 37 von 1879 weiß Klughardt wundervolle melodische Bögen zu gestalten, sorgsam Steigerungen aufzubauen, denen aber letztendlich, bedingt durch den bewussten Verzicht auf die angesprochenen harmonischen Schärfen, heute das letzte Quäntchen Genialität zu fehlen scheint. Im Vergleich zu den Sinfonien Joachim Raffs haben wir hier einen genuin elegischer empfindenden Komponisten, eher dem späten Schumann als dem frühen Brahms verbunden. Ein unaufgeregtes Werk, in dem man, wenn man sich ihm intensiver hingibt, durchaus eigene Töne, eigene Tendenzen hören kann, sinfonische Nebenwege sozusagen. Wir haben hier eine eigene musikalische Stimme, ähnlich etwa Hans Huber, und auch wenn die Anklänge an die Vergangenheit nicht zu überhören sind, so ist es doch nicht Selbstzweck, sondern ein klar hörbare ‚Überzeugungstat‘.

Die 1976 in Zürich geborene Geigerin Mirjam Tschopp erfüllt den Solopart des Violinkonzerts mit einem ganzen Kosmos an Klangfarben und Stimmungen – sie wertet die gute Komposition mit ihrem Beitrag zu etwas durchaus Außergewöhnlichen auf, mit vielen Valeurs besonders im Bereich bis zum Mezzoforte, ganz besonders im Piano und Mezzopiano. Mit der kompetent aufspielenden Anhaltischen Philharmonie Dessau unter Golo Berg gelingt ihr ein beeindruckendes Plädoyer für einen Komponisten, dem man nicht einfach unbeteiligt zuhören darf. Ein exemplarisches Booklet und ebenso exemplarische Tontechnik (es handelt sich um eine Koproduktion mit Deutschlandradio Kultur) lassen keine Wünsche offen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Klughardt, August: Sinfonie Nr.3 in D-Dur, op.37

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.12.2010
EAN:

761203746521


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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