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Sonntag, 16. Mai 2021

Il Canto delle Dame - Musik von Komponistinnen

Interessantes Repertoire


Label/Verlag: Ambronay Editions
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Musik komponierender Frauen des 17. Jahrhunderts: Werke von Strozzi, Caccini, Assandra und Leonarda in einer sehr niveauvollen Interpretation mit María Cristina Kiehr und Jean-Marc Aymes' Concerto Soave.

Jean-Marc Aymes notiert in seinen programmatischen Anmerkungen zur vorliegenden Platte, dass es ihm und seinen Mitstreiterinnen nicht darum gegangen sei, komponierende Frauen des 17. Jahrhunderts in den Blickpunkt zu stellen, sondern einen wichtigen, allzu wenig beachteten Ausschnitt des kompositorischen Wirkens jener Zeit abzubilden. Dieser geschlechtsneutrale Zugang zu einem durchaus heiklen Feld der Musikgeschichte ehrt ihn, die Sopranistin María Cristina Kiehr und die Damen des Concerto Soave durchaus. Doch wirft der Blick auf Barbara Strozzi (1619-nach 1664), Francesca Caccini (1587-1640), Isabella Leonarda (1620-1704) und Caterina Assandra (Lebensdaten unbekannt) durchaus die – an dieser Stelle nicht zu beantwortende – Frage auf, welche Umstände Frauen das Komponieren ermöglichten und welche es verhinderten, schöpferische Talente auf dem Gebiet der Musik auszuleben. Bei den vier Genannten fällt eine Zweiteilung auf: Leonarda und Assandra traten in Klöster ein und widmeten sich in deren Schutz ihren musikalischen Leidenschaften. Und Strozzi und Caccini wuchsen als Töchter bedeutender Künstler in weltoffenen, kunstsinnigen Haushaltungen ohne gravierende wirtschaftliche Zwänge auf, was ihnen zum Stolz der Väter Möglichkeiten zur Entfaltung ihrer kompositorischen Begabungen eröffnete.

Doch abseits sozialgeschichtlicher Betrachtungen hier nun ein knapper Blick auf die Musik: Isabella Leonarda zeigt sich als sehr eigenständige Melodikerin und profiliert die instrumentale Sphäre in idiomatischer Unabhängigkeit vom Vokalen. Ihr leichter, durchbrochener Satz hat eine intime Note, glänzt in den instrumentalen Anteilen aber auch mit einer gewissen Virtuosität. Auch Caterina Assandra ist eine affektsichere Tonsetzerin, Violinen und Vokalstimme interagieren intensiv, die Musik ist insgesamt von expressiver Leichtigkeit und klangsinnlichen Momenten geprägt.

Bei Francesca Caccini dominieren ebenfalls eine dosierte Expressivität und sparsame harmonische Fortschreitungen in einer kontemplativen Grunddisposition. Ihre vokalen Linien sind freilich von bemerkenswertem Einfallsreichtum geprägt, dabei feine Verzierungen der Interpretin herausfordernd. Die unbestritten profilierteste und eigenständigste unter den vier vertretenen Komponistinnen ist Barbara Strozzi. Obwohl nur mit 'Hor ch’Apollo' vertreten, zeigen sich schon hier ihr formaler Variantenreichtum, ihre unbändige, kraftvolle Invention, ihre intime Vertrautheit mit den Idealen der dramatischen Monodie.

Kundig & souverän

Diesen interessanten Raum durchmessen María Cristina Kiehr und Jean-Marc Aymes mit seinem Concerto Soave kundig und souverän: Kiehr mit klarer, leicht geführter Stimme, die dennoch nicht schmal klingt, sondern mit einer bemerkenswerten Vielschichtigkeit begabt ist. Kiehr geht sensibel auf die expressiven Differenzen der Kompositionen ein, technisch steht ihr Vortrag ohnehin auf hohem Niveau – was sich in erheblicher Beweglichkeit und elegant gesetzten Verzierungen manifestiert. Intonatorisch makellos kontrolliert Kiehr das musikalische Geschehen.

Das Concerto Soave agiert in einer sehr schmalen Besetzung: Amandine Beyer und Alba Roca spielen Violine, Sylvie Moquet musiziert an der Viola da Gamba, Mara Galassi an der Harfe und Jean-Marc Aymes an Cembalo und Orgel vervollständigen den Basso continuo. Alle Instrumentalisten spielen sehr durchsichtig, elegant und in einem leichten Grundklang. Der Basso continuo stützt das Geschehen, ohne zu dominieren, die Violinen zeigen sich sehr agil und von einem erfreulichen Esprit beseelt.

Die Tempi fließen ohne Druck, sind aber auch nicht einförmig. Das Klangbild zeigt sich klar, aufgeräumt, wunderbar strukturiert, mit einem fein dosierten Raumanteil und hinterlässt einen für die delikate Musik angemessen schwebenden Gesamteindruck. Artikulatorisch interagieren María Cristina Kiehr und die Instrumentalisten detailliert, ohne musikalische Grundintentionen und den expressiven Bogen zu zergliedern. Besonders hervorzuheben ist das – wie bei Editions Ambronay fast immer – überragend gestaltete Booklet: Inhaltlich, gestalterisch, fotografisch eine vorbildliche Präsentation und ein würdiger Rahmen für die sehr überzeugende Platte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Il Canto delle Dame: Musik von Komponistinnen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ambronay Editions
1
12.11.2010
Medium:
EAN:

CD
3760135100255


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Ambronay Editions

Autour du Festival de musique ancienne créé en 1980, activité emblématique du CCR, Ambronay développe un ambitieux programme d'insertion professionnelle de jeunes artistes et créateurs, accorde une place importante à la pratique amateur et à l'action culturelle, propose une offre patrimoniale riche et variée et engage une réflexion approfondie sur les rapports entre culture, tourisme et économie avec la mise en place d'un centre de séminaires et d'un club d'entreprises. L'ensemble de ces activités bénéficie d'une diffusion internationale via le label de disques Ambronay Éditions.


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