> > > Couperin & Colin de Blamont: Concert Chez La Reine
Sonntag, 16. Mai 2021

Couperin & Colin de Blamont - Concert Chez La Reine

Spannendes Gesamtkonzept


Label/Verlag: Ambronay Editions
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Gesamtkonzept dieser Aufnahme zeigt in der Zusammenstellung des spannenden Programms, dem ansprechenden Booklet und den stimmigen Interpretationen eine beachtliche Leistung auf dem Gebiet der Historischen Aufführungspraxis.

Wenngleich sich das Cover der Einspielung barocker, französischer Kammermusik recht unübersichtlich gestaltet, so handelt es sich bei der Zusammenstellung der vorliegenden Werke der Komponisten François Couperin und François Colin de Blamont um ein stimmiges und überraschend vielseitiges Programm, das erstaunlich viele Facetten barocker Kammermusik auf gut 60 Minuten konzentriert.

Die Aufnahme des jungen Barockensembles Les Ombres wurde durch das Projekt ‚Collection Jeunes Ensembles‘ initiiert – eine Institution zur Ausbildung und Positionierung professioneller Ensembles, die bei ihrem Übergang von der Ausbildung in den Berufseinstieg unterstützt werden. Der musikalische Titel dieser Einspielung lautet aber ‚Concert chez la Reine‘, da es sich bei den aufgenommenen Werken um eine Zusammenstellung französischer Barockmusik handelt, die unter anderem bei den Konzerten der Königin Maria Leszczynska, der Frau Ludwig XV., am Hof von Versailles erklang.

Als erste höfische Komposition stellt das Ensemble Les Ombres unter der künstlerischen Leitung von Margaux Blanchard, Gambistin, und Slyvain Sartre, Traversflötist, Couperins bekanntes 'Concert instrumental sous le titre d’Apothéose composé à la mémoire immortelle de l’inconparable Monsieur de Lully' (1725) vor. Das 16-sätzige Werk, das sich in eine vorangestellte Suite und die nachfolgende 'Sonade en trio' gliedert, gilt als ein wichtiges Bindeglied zwischen Tradition und Zukunft im musikalischen Barock. Der Versuch einer Vereinigung des spielerischen italienischen Geschmacks und der eher ernsten, konventionellen Charakters der französischen Barockmusik kann als kompositorische Lebensaufgabe Couperins bezeichnet werden. 'L’Apothéose' ist ein Paradestück der Kombination verschiedener Stilrichtungen. Mit nüchternem Ernst werden die langen Satzbezeichnungen wie beispielsweise 'Lully aux Champs Elysée, concertant avec les Ombres lyriques' vom Erzähler Manuel Weber vorgetragen. Mit viel Witz, schnellen Ausdruckswechseln und einer temperamentvollen Spielweise interpretieren die Mitglieder des Ensembles die kurzen, aber prägnanten Sätze von Couperin. Im Vordergrund konzertieren zumeist die beiden Violinen in den Melodiestimme; durch das Hinzutreten und die Melodiedoppelung der Traversflöten erhalten besonders die Tanzsätze zwar eine andere Klangfarbe; die Flöten sind aber kaum individuell wahrnehmbar. Leider gestaltet sich das Zusammenspiel der vier Melodieinstrumente nicht immer optimal. Auffällig sind an einigen Stellen die unterschiedlichen Verzierungstempi, obwohl die Verzierungen auf gleiche Weise ausgeführt werden. Mit erstaunlicher Präzision werden die teils nicht einmal eine Minute andauernden Sätze interpretiert. Besonders lobenswert ist die musikalische Leistung der Continuo-Gruppe aus Fagott, Gambe, Theorbe und Cembalo, die durchweg durch eine kräftige und erstaunlich expressive, aber dem Charakter stets angemessene Begleitung in Erscheinung tritt.

Ein mindestens ebenso spannendes Hörerlebnis bietet Blamonts bisher in einigen Teilen unveröffentlichte Kantate 'Circé' (1712) nach einem Text von Jean-Baptiste Rameau. Neben den Rezitativen erscheinen einige musikalische Teile außerordentlich lautmalerisch und bisweilen lässt das Werk in Vergessenheit geraten, aus welcher musikalischen Epoche es stammt. Die Komposition unterliegt scheinbar kaum einer musikalischen Regelhaftigkeit. Dieser Eindruck entsteht durch die auf kleinsten Raum konzentrierten Ausdrucks- und Affektwechsel und durch die schwer fassbare Gesamteinheit des Werkes. Zugleich rufen die überzeugenden Wechsel zwischen höchster Dramatik und musikalischer Unschuld eine verblüffende Faszination für diese unbekannte Komposition des französischen Hochbarock hervor.

Das abschließende Werk 'Les Festes Grecques et Romaines' (1723) von Blamont kann dagegen nicht mehr auf gleichem Niveau für unerwartete musikalische Effekte sorgen wie die vorausgehenden Kompositionen. Bei der Ouvertüre und den fünf Tanzsätzen handelt es sich um stilsichere Interpretationen des Ensembles, wobei gerade die Flöten auch an dieser Stelle wieder ein wenig unterrepräsentiert erklingen. Das Bemühen und das Wohlgefallen an der Musik des französischen Barock sind bei allen Ensemblemitgliedern durchaus spürbar. Manchmal wirkt die Spielweise jedoch allzu gelehrt, und die Nuancierung des musikalischen Zugriffs scheint noch weiter ausbaufähig. In jedem Fall demonstriert das Gesamtkonzept dieser Aufnahme mit der Zusammenstellung des spannenden Programms, dem ansprechenden Booklet und den stimmigen Interpretationen eine beachtliche Leistung auf dem Gebiet der Historischen Aufführungspraxis.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Marion  Beyer Kritik von Marion Beyer,


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    Couperin & Colin de Blamont: Concert Chez La Reine

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ambronay Editions
1
12.11.2010
Medium:
EAN:

CD
3760135103010


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Ambronay Editions

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