> > > Klami, Uuno: Northern Lights / Cheremissian Fantasy / Kalevala-Suite
Dienstag, 22. September 2020

Klami, Uuno - Northern Lights / Cheremissian Fantasy / Kalevala-Suite

Nordlichter aus Finnland


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


John Storgårds und das Helsinki Philharmonic Orchestra präsentieren drei Orchesterwerke des Finnen Uuno Klami (1900–61).

Auf die Frage ‚Kennen Sie einen finnischen Komponisten?' würden die meisten Musikfreunde wohl ohne Zögern mit ‚Jean Sibelius' antworten. Fragt man allerdings nach weiteren Tondichtern aus dem Land der tausend Seen, wird es schon schwieriger. Gewiss, die letzten 50 bis 60 Jahre haben der Musikwelt höchst beachtliche finnische Komponisten beschert, darunter Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg und Kalevi Aho. Doch das frühe 20. Jahrhundert ist – jenseits von Sibelius, der bekanntlich nach 1929 verstummte – immer noch terra incognita.

Licht in dieses Dunkel möchte das Label Ondine mit Veröffentlichungen von Werken des 1900 geborenen, 1961 verstorbenen Uuno Klami bringen. Vorliegende CD ist die vierte Silberscheibe mit Klamis Orchestermusik und umfasst drei Werke aus den Jahren 1931 bis 46. Hier und da erinnern die Stücke durchaus an Sibelius, doch ihre Farbigkeit und vielfältig schillernde Instrumentation verweist eher auf andere Einflüsse. Die Orchesterfantasie 'Nordlichter' op. 38 bewegt sich in der Nähe Ravels, die 'Kalvela-Suite' op. 23 klingt bisweilen nach Mahler. Ergänzt werden die beiden Kompositionen durch die 'Cheremissian Fantasy' op. 19 für Violoncello und Orchester. Samuli Peltonen spielt hier den Solpart, in allen drei Werken leitet John Storgårds das Helsinki Philharmonic Orchestra.

In den knapp 19 Minuten der 'Nordlichter' spannt Klami einen weiten orchestralen Bogen, alle Instrumente leisten einen Beitrag zum dunkel schimmernden Klangbild der Fantasie. Die Musiker des finnischen Orchesters hinterlassen dabei einen exzellenten Gesamteindruck: Vom zarten Beginn mit Harfe und Flöte über die spektakulären Holzbläser-Partien des Mittelabschnittes bis hin zur finalen Blech-Steigerung wird sicher und ausdrucksstark gespielt, Storgårds ist dabei stets Herr des Geschehens. Zu loben ist auch das sehr gute Klangbild, das Nachhören aller feinen Verästelungen der Partitur ist jederzeit möglich.

Klamis 'Nordlichter' entpuppen sich dank dieser Interpretation als höchst inspiriertes Orchestergemälde, das wohl nur aus einem Grund in Vergessenheit geraten konnte: 1946 war der spätromantische Tonfall des Komponisten nicht gefragt. Heute, da auch die Werke vergleichbarer Tondichter wie Joseph Marx oder Ernst von Dohnanyi entdeckt und gespielt werden, hat auch Klamis Musik eine Chance verdient.

Die 'Nordlichter' übertreffen dabei für meinen Geschmack die 'Cheremissian Fantasy', in deren Verlauf vor allem das sehr noble Cellospiel von Peltonen auffällt. Die beiden Abschnitte des Werkes (ein verträumtes 'Lento, molto tranquillo' und ein virtuoses 'Presto con bravura') stehen in extremem Kontrast zueinander, der Eindruck innerer Geschlossenheit wie bei den 'Nordlichtern' entsteht nicht. Als Abwechslung im recht schmalen Standard-Repertoire für Violoncello und Orchester hat die 'Cheremissian Fantasy' aber allemal ihre Berechtigung.

Bei der 'Kalvela-Suite' drängt sich der Vergleich zu Sibelius‘ 'Lemminkäinen-Suite' geradezu auf, doch allzu viele Parallelen zwischen den Werken beider Komponisten wird man nicht finden. Klamis Suite wirkt herber und strenger als seine beiden anderen Werke, doch bisweilen auch etwas überladen und im fünften Abschnitt mit seinen übermäßig oft wiederholten Schlusswendungen sogar etwas trivial. Nette instrumentale Einfälle (beispielsweise ein Dialog zwischen Englischhorn und Tuba) können die Schwächen zumindest teilweise kaschieren, zumal Storgårds mit recht flotten Tempi verhindert, dass das Werk zu sehr ausufert. Bester Satz der Suite ist die 'Erschaffung der Welt' (Track 4), wo der Schöpfungsakt aus dem scheinbaren 'instrumentalen Chaos' (das natürlich in der Partitur exakt notiert ist) musikalisch raffiniert gestaltet wird. Der Klang des Orchesters ist hier ebenfalls einwandfrei und insgesamt ein Höhepunkt der CD. Die Werke selbst hinterlassen einen unterschiedlichen Eindruck, nach meinem Geschmack sind die 'Nordlichter' klar das überzeugendste Stück. Der Beiheft-Text von Helena Tyrväinen, Präsidentin der Uuno-Klami-Gesellschaft, ist leider nur auf Englisch und Finnisch abgedruckt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Klami, Uuno: Northern Lights / Cheremissian Fantasy / Kalevala-Suite

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Ondine
1
29.03.2010
65:25
2009
Medium:
EAN:

CD
761195114322


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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