> > > Stucky, Steven: Konzert für Orchester Nr. 2
Freitag, 22. September 2017

Stucky, Steven - Konzert für Orchester Nr. 2

Geisterwesen, mexikanische Bilder und ein Pulitzer-Preis


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Drei Orchesterwerke des amerikanischen Komponisten Steven Stucky. Ein Schlagzeugkonzert, eine Suite nach Bildern von Rufino Tamayo sowie ein Orchesterkonzert, das den Pulitzer-Preis gewann; hervorragend gespielt und in Szene gesetzt.

Das Oeuvre des 1949 geborenen amerikanischen Komponisten Steven Stucky ist umfangreich und umfasst verschiedenste Besetzungen und Gattungen. Dass auch zahlreiche Orchesterwerke vertreten sind, liegt auf der Hand, bedenkt man, dass Stucky allein mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra seit über 20 Jahren eng verbunden ist – anfangs als ‚Composer in Residence’, dann als ‚Beratender Komponist für Neue Musik’. Drei seiner Orchesterwerke kann man auf der vorliegenden CD des schwedischen Labels BIS hörend kennen lernen. 'Spirit Voices' (2002/03) für Schlagzeuger (‚percussionist’) und Orchester ist ein Schlagzeugkonzert, allerdings keines im herkömmlichen Sinn; man könnte eher von einer Suite mit solistischem Schlagzeug sprechen, denn es gibt lange Passagen, in denen das Schlagzeug in den Orchesterklang integriert wird oder gar schweigt. Stucky ließ sich in diesem Werk von Gottheiten und Geisterwesen fremder Kulturen inspirieren und versuchte, deren Charakter in jeweils einem Satz herauszuarbeiten. Schottische 'Bean nighe' kommen ebenso vor wie japanische 'Tengus', ‚Coyote’ der amerikanischen Navajo oder der 'lange Hai' der Maori – der nichts anderes als die Milchstraße repräsentiert; insgesamt sieben Sätze umfasst das Werk.

Bilder einer Ausstellung

In 'Pinturas di Tamayo' von 1995 waren fünf Gemälde des mexikanischen Malers Rufino Tamayo die Inspirationsquelle. Da Stucky auch hier in einer Suite jedem Bild eine Komposition verschiedenen Charakters widmet und sich zudem auf genau einen Maler beschränkt, kann man mit gewissem Recht von seinen ‚Bildern einer Ausstellung’ sprechen. Das zweite Konzert für Orchester ('Second Concerto for Orchestra') schließlich ist ein Auftragswerk des Los Angeles Philharmonic Orchestra. 2005 gewann Stucky mit dem dreisätzigen, 2003 komponierten Werk den Pulitzer-Preis in ‚seiner’ Kategorie; dem preisgekrönten Werk, dessen Verzicht aus Akademismus zugunsten einer direkt mit dem Hörer in Kontakt tretenden Sprache besonders hervorgehoben wurde, kommt sicher eine hervorragende Stellung im Oeuvre zu. Im Kopfsatz, der 'Ouverture (with friends)' überschrieben ist, wird einigen Persönlichkeiten des Musiklebens – in klassischer Weise verschlüsselt in Tonbuchstaben – Reverenz erwiesen; am wichtigsten darunter sicher Esa-Pekka Salonen, der Musikdirektor des auftraggebenden Orchesters.

Raffiniert instrumentiert

Man hört der Musik an, dass sie von jemandem geschrieben wurde, der auf eine langjährige enge Zusammenarbeit mit bedeutenden Klangkörpern zurückblicken kann. Die Instrumentierung ist außerordentlich farbig und fantasievoll, darüber hinaus stets wohldosiert und nie zu dick aufgetragen oder unausgewogen. Generell schreibt Stucky eine vergleichsweise ‚unaufgeregte’ Musik, in der weder vordergründige Effekthascherei noch große emotionale Ausbrüche zu finden sind. Die Klangsprache ist so intim, wie die Instrumentierung duftig und transparent ist; man könnte von musikalischen Aquarellen sprechen. 'Spirit Voices’ und 'Pinturas di Tamayo’ verklingen beide auf berückende Weise im Nichts. Das Konzert gibt sich da etwas pfeffriger, weist aber ebenfalls mit einem ausgedehnten Variationensatz im Zentrum einen großen Ruhepol auf.

Orchester der Weltspitze

Vielleicht fragt man sich, warum diese Musik eines in der amerikanischen Orchesterszene präsenten Komponisten 2006 von einem asiatischen Orchester eingespielt wurde. Das Singapore Symphony Orchestra beweist mit der vorliegenden Produktion seine Zugehörigkeit zur Weltspitze allerdings eindrucksvoll. Die technisch einwandfreien Musiker bringen die Orchesterfarben bestens zur Geltung; Dirigent Lan Shui bewahrt den Blick für die Balance der Klangfarben und vermittelt den Drive dieser Stücke ebenso wie die weitgespannten Klangflächen der Versenkung und Ruhe. Da der Komponist bei den Aufnahmen zugegen war, darf man den Einspielungen wohl auch das Attribut ‚große Werktreue’ zusprechen. Noch größere Authentizität wird die Aufnahme von 'Spirit Voices' beanspruchen dürfen, wurde das Stück doch eigens für die Musiker und Musikerinnen des Singapore Symphony Orchestra und die auch hier zu hörende Vorzeige-Schlagzeugerin Evelyn Glennie komponiert.

Schöne Abrundung

Klangtechnisch weiß die Produktion, wie eigentlich von BIS auch nicht anders zu erwarten war, vollauf zu überzeugen. Sämtliche Details der Instrumentierung werden hörbar, und auch während der bis an die Grenze des noch Wahrnehmbaren vorstoßenden Passagen sind keinerlei Rauschen, Brummen oder sonstige Störgeräusche wahrnehmbar. Das Booklet enthält eine gleichermaßen fundierte wie gut verständliche Einführung in die Werke. Erfreulich ist, dass zumindest zwei der Bilder des Rufino Tamayo in Farbe reproduziert wurden – eines als Cover, eines auf der Rückseite des Booklets. Noch schöner wäre es natürlich, alle Bilder beim Hören betrachten zu können; so aber ist es zumindest möglich, sich einen Eindruck vom generellen Malstil des hierzulande wohl eher unbekannten Künstlers zu verschaffen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Stucky, Steven: Konzert für Orchester Nr. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
17.03.2010
EAN:

7318590016220


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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