> > > Lazzari, Sylvio: Violinsonate E-Dur op. 24
Freitag, 3. Juli 2020

Lazzari, Sylvio - Violinsonate E-Dur op. 24

Momente geglückten Musizierens


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Duo Ilona Then-Bergh (Violine) und Michael Schäfer (Klavier) überzeugt mit einer fesselnden Wiedergabe der Violin-Klavier-Kompositionen von Sylvio Lazzari und Volkmar Andreae.

Die unermüdliche Suche nach Raritäten war einmal mehr erfolgreich: Die Geigerin Ilona Then-Bergh und der Pianist Michael Schäfer, die in den vergangenen Jahren mit ihrer engagierten Gesamteinspielung der Duo-Kompositionen und -Bearbeitungen Ottorino Respighis (2006 bis 2009) Furore machten, sind erneut fündig geworden und zeigen anhand von Werken des Italieners Sylvio Lazzari (1857-1944) und des Schweizers Volkmar Andreae (1879-1962) ein weiteres Mal in der bei Genuin veröffentlichten CD-Reihe 'Un!erhört', dass sich das Kammermusik-Repertoire für die Duobesetzung Violine und Klavier mit ungewöhnlichen und sehr selten gespielten Kompositionen bereichern lässt. Beide Musiker haben schon in der Vergangenheit eine glückliche Hand bei ihren Einspielungen bewiesen; und wie im Falle der dreiteiligen Respighi-Einspielung überzeugen sie auch diesmal vor allem durch ihr exzellentes Gespür für die Besonderheiten kammermusikalischen Musizierens.

Das Zusammenspiel ist exzellent und fesselt von den ersten Klängen an. Selbst wenn man Lazzaris ausufernder, fast dreiviertelstündiger Sonate E-Dur (bzw. e-Moll) op. 24 (1894) mit ihrer stilistischen Orientierung an César Francks Violinsonate A-Dur ein gewisses Moment 'fin de siècle'-Überladenheit nicht absprechen kann, wird dies unter dem Eindruck des agogisch lebendigen, in vielfacher Hinsicht äußerst 'sprechenden', die unterschiedlichen Stimmungen tief auslotenden Vortrags zur Nebensache: Das Dialogisieren, mal in geschmeidigem, eng verflochtenem Miteinander, mal in dramatisch sich aufschaukelnder Widerborstigkeit, bestimmt in vielfältiger Form den musikalischen Verlauf der Komposition. Then-Berghs gleich zu Beginn auffallendes Vermögen, die mitunter sehr emphatischen Gesangsphrasen abzuschattieren, ihnen den Nimbus des Geheimnisvollen zu verleihen, was Schäfer mit differenzierten Abstufung der Artikulation beantwortet, kommt der Musik entgegen und nimmt vor allem dem ausgedehnten den Eindruck, eine allzu hypertrophe Übersteigerung spätromantischen Kammermusikschaffens zu sein.

Geradezu atemlos verfolgt man die musikalische 'tour de force', der sich das Duo im ausgedehnten Kopfsatz aussetzt, fasziniert nimmt man im langsamen Mittelsatz die Wandlungen des musikalischen Agierens wahr, das die abrupte Umschwünge ebenso beherrscht wie die Kunst des allmählichen, zwischen unterschiedlichen Farben changierenden Übergangs. Und im Finale entfaltet Schäfer, die Ausbrüche der Violine unterstützend, an vielen Stelle eine beinahe schon orchestral zu nennende Klangintensität, die den zielgerichteten Bogen der Umsetzung unterstützt. Neben Lazzaris kurzem Scherzo gis-Moll (1931) enthält die CD mit Andreaes Sonate D-Dur op. 4 (1904) dann ein weiteres Schwergewicht: Beachtlich ist, wie Then-Bergh und Schäfer mit dieser in ihren Anklängen an die Spätromantiker Wagner und Brahms gelegentlich allzu unbekümmerten Musik umgehen: Sie nehmen die großen Gesten – etwa im Thema des Kopfsatzes – als Ausdruck der Entstehungszeit ernst und arbeiten vor allem den Kontrast zwischen deren Pathos und den mitunter sehr feinen klanglichen und – wie im Finale - rhythmischen Raffinessen heraus. Hier ist eine in jeder Hinsicht sehr lohnenswerte Produktion voller Momente geglückten Musizierens entstanden, die wieder einmal verdeutlicht, dass es nicht die Namen großer Stars braucht, um exzellente Einspielungen zu machen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lazzari, Sylvio: Violinsonate E-Dur op. 24

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
19.02.2010
Medium:
EAN:

CD
4260036251678


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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