> > > Isang Yun: Kammermusik mit Akkordeon
Montag, 26. Februar 2018

Isang Yun - Kammermusik mit Akkordeon

?Ich habe Antennen?


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Isang Yun versteht es wie wenige, Wichtiges leise zu sagen.

'Concertino für Akkordeon und Streichquartett’, 'Duo für Viola und Akkordeon’, 'Intermezzo für Violoncello und Akkordeon’, 'Pezzo fantasioso per due strumenti con basso ad libitum’. Solche Titel geben zu erkennen, dass es Isang Yun weder um serielle Exerzitien (nach Boulez’ oder Stockhausens Art) noch emotionale Abenteuerreisen (Turnage, Adès) oder religiös überhöhenden ‚Monumentalismus’ (Messiaen, Peter Michael Hamel) zu tun ist. Wenn weit hergeholte Vergleiche erlaubt sind, ist allenfalls an die klanglich und emotional Konzentrierten, die Stillen unter den Zeitgenossen, Klaus Huber beispielsweise, zu denken.

Nun gehört Isang Yun zu den bekannteren zeitgenössischen Komponisten. Fünfzehn Jahre nach seinem Tod wird er wie selbstverständlich zu den Klassikern der Moderne gerechnet – mit offener Flanke zum ‚postmodernen’ Stilpluralismus und (wenn auch intellektuell nobilitierter) ‚Weltmusik’. Trotzdem herrscht kein Überfluss an Plattenaufnahmen, und die Vergleichsmöglichkeiten sind beschränkt. (Das 'Intermezzo’ erscheint zum ersten Mal auf Platte.) In der Behauptung, diese Aufnahmen böten ein musikalisches Nonplusultra, liegt dennoch kein haltloser Überschwang: Das Minguet-Quartett, Stefan Hussong (Akkordeon) und Julius Berger (Cello) sind überaus fähige Interpreten und werden ihrem Ruf auch dieses Mal gerecht. Dass Transparenz regiert und allerlei abseitig schillernde, ins Atmosphärische sich verflüchtigende Klangmischungen zu Gehör gebracht werden, ist angesichts der Besetzung wenig verwunderlich. Die feinen Abstufungen im Leisen – Anton von Webern kommt in den Sinn –, artikulatorische und rhythmische Nuancen, Sattelfestigkeit auch im mikrotonalen Bereich, besonders die Fähigkeit, Kontemplatives mit Konzertantem zu verbinden, verinnerlichten ‚Ausdruck’ mit Freude am Spiel, sind jenes Surplus, dass ihren Darstellungen ein Gepräge des Außerordentlichen verleiht. Im bienenstockartigen Flimmern und Schwirren nicht weniger Klänge verschmelzen Lustigkeit und Lust mit unheimlichen, unerhörten Intervallen in durchaus verstörender Weise.

Wergo und Deutschlandfunk gewährleisten die seriöse Machart dieser Produktion. Robert Nemecek hat einen knappen, klugen Booklettext verfasst. Auch wird ein Interview (1987) mit Isang Yun geboten. Es ist den großen Fragen gewidmet: „Meine Musik hat weder Anfang noch Ende. Man kann Elemente von einem Stück sehr gut in ein anderes übernehmen. […] Musik schwingt im Kosmos und ich habe Antennen, die es mir ermöglichen, ein Stück aus diesem Klangstrom herauszuschneiden. […] Das ist der Grund dafür, dass meine Musik ein Kontinuum bildet – wie die Wolken, die immer die gleichen sind, aber niemals dieselbe Form behalten.“ Auf Esoterik freilich lässt sich Isang Yun nicht reduzieren, und europäische Klischees von Asien mag er nicht bedienen: „Im Kosmos gibt es weder Ost noch West!“

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Isang Yun: Kammermusik mit Akkordeon

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
WERGO
1
01.02.2010
EAN:

4010228671629


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WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


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