> > > Munich brass connection spielt: Werke von Plog, Bernstein, Barber u.a
Dienstag, 30. November 2021

Munich brass connection spielt - Werke von Plog, Bernstein, Barber u.a

American Style


Label/Verlag: Animato
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Munich Brass Connection legt ein grandioses CD-Debüt vor. Bleibt zu wünschen, dass bald eine Nachfolge-Platte erscheint.

In kulinarischer Hinsicht ist der American Style auf dem Rückzug, zumindest was die Pizza betrifft. Da besinnt man sich wieder der italienischen Ursprünge und auf das ‚Weniger ist mehr‘. Musikalisch aber scheint der American Style klar auf dem Vormarsch. Zu diesem Eindruck kommt man, wenn man die Debüt-CD des jungen Münchner Blechbläserquintetts namens Munich Brass Connection hört, eine Einspielung, die ausschließlich Musik amerikanischer Komponisten versammelt. Erschienen bei dem kleinen Label Animato liefern die fünf Musiker mit der Platte einen Einstand, den man sich lebhafter, schwungvoller, spannender und brillanter nicht hätte vorstellen können.

Es ist ein Album, das gerade nicht auf die altbekannten Schlachtrösser der Blechbläserliteratur samt ihrer zahlreichen Arrangements setzt, sondern eine individuelle – und restlos überzeugende – Zusammenstellung bietet. Dass zudem sowohl die äußere Gestaltung der CD sehr geschmackvoll und individuell daherkommt, das Booklet (auf deutsch und englisch) hinreichende Informationen liefert und vor allem die klangliche Präsentation exzellent gelungen ist, lässt den Einstand der Munich Brass Connection unter den zahlreichen Blechbläser-Einspielungen umso heller erstrahlen.

Hervorgegangen ist das Quintett aus dem Blechbläserensemble Brassecco, das sich vor drei Jahren in Munich Brass Connection umbenannte und preisgekrönt mittlerweile internationale Konzerttourneen absolvierte. Ein Jahr später machten sich die fünf Musiker Gedanken über eine Debüt-CD, an jenem Tag, als Barack Obama Präsident der Vereinigten Staaten wurde – wohl auch deshalb die amerikanische Ausrichtung des Repertoires. Die Munich Brass Connection stellt eine durchaus vielschichtige Werkauswahl vor, von Aaron Coplands ‘Fanfare for the Common Man’ bis hin zu Leonard Bernsteins ‘West Side Story’ und George David Weiss‘ ‘What a wonderful world’ reichend. Das Quintett deckt damit nicht nur ein breites stilistisches Spektrum ab, sondern ebenso viele Stimmungen und musikalische Charaktere – die von der Munich Brass Connection musikalisch feinfühlig eingefangen und technisch erstklassig zum Klingen gebracht werden.

Den Einstieg macht Coplands ‘Fanfare’, das von den Münchner Bläsern mit Unterstützung des Schlagzeug-Duos MuniCussion betont klar und gravitätisch, aber gleichzeitig wohltuend unpathetisch gestaltet wird. Es schließen sich Anthony Plogs ‘Four Sketches’ (1989) an, zweifelsohne eine der spannendsten Nummern der Aufnahme. Jede der vier Skizzen bietet eigene technische Herausforderungen, die von den Musikern mit differenzierter Artikulation, feinnerviger Dynamik, technischer Expertise und musikalischem Schwung gemeistert werden. Wunderschön auch das motorische Dialogisieren in den ‘Four Sketches’, das von den Bauer Studios hervorragend als Klangpanorama umgesetzt wird, so dass die musikalische Aktion ständig die Seiten wechselt. Nach einem Arrangement von Samuel Barbers ‘Adagio for Strings’, dessen dichter musikalischer Satz fein ausgehört wurde und mit machtvollen Steigerungen aufwartet, erklingt Kerry Turners farbiges, quirliges ‘The Casbah of Tetouan’, ehe Ingo Luis‘ Arrangement aus Bernsteins ‘West Side Story’ südamerikanischen Drive entfacht. Auch hier erweist sich die Munich Brass Connection als hervorragend aufeinander abgestimmtes Ensemble, das rhythmische Klarheit mit musikalisch feiner Gestaltung im Dynamischen und vor allem Artikulatorischen verbindet. Auch Duke Ellingtons ‘East St. Louis Toodle-Oo’ gelingt wunderbar kernig, ehe Fred Ebbs ‘Theme from New York, New York’ für etwas sentimentale Grandezza sorgt. Den Abschluss machen ‘There is a Quiet Place’ von Ralph Carmichael und George David Weiss‘ ‘What a Wonderful World’, bei dem der Tubist sich mit Reibeisenstimme als Louis-Armstrong-Imitator hervortut.

Dass die Musiker bei den letzten Nummern ebenso auf subtile musikalische Gestaltung achten und ungeachtet stilistischer Differenzen ein hohes spieltechnisches und musikalisches Niveau wahren, spricht für die Professionalität des jungen Ensembles. Und dass sie so wendige Gestalter sind, um mit klar angepeilten Steigerungen spannungsvoll zu musizieren, zeigen sie in jedem Moment. – Ein Einstand, dem bald hoffentlich Neues folgen wird!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Munich brass connection spielt: Werke von Plog, Bernstein, Barber u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Animato
1
11.10.2013
Medium:
EAN:

CD
4012116611335


Cover vergössern

Animato

Es geht nicht nur um den Ton, sondern auch die Visionen.
Mit unserem Klassiklabel Animato haben wir uns auf außergewöhnliche Debuts junger Künstler und Ersteinspielungen spezialisiert sowie auf sinfonische Bläsermusik.
Animato verspricht einzigartigen Hörgenuss für Klassikfans mit dem besonderen Geschmack!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Animato:

  • Zur Kritik... Nur wer die Sehnsucht kennt: Lieder für Viola, Klavier und Gesang von Bridge, Strauss u.a. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Komponierte Inspiration: Fünf Jahre hat Morten Kargaard experimentiert. Ihm schwebte vor, Brücken zwischen Jazz und Klassik zu schlagen. Herausgekommen sind süffige Klanggemälde, rhythmisch pointiert und hochmelodisch. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Dvorak und Prokofjew werden zum Ohrenschmaus: In der mitreißend intensiven Einspielung das Landesjugendorchesters Baden-Württemberg unter Christoph Wynekens werden die beiden Sinofnien ausdrucksstark musiziert. Weiter...
    (Dirk Weber, )
blättern

Alle Kritiken von Animato...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Tobias Pfleger:

  • Zur Kritik... Tiefe persönliche Betroffenheit: Das Atos Trio nimmt mit einer glühend intensiven Aufnahme zweier tschechischer Klaviertrio-Meisterwerke für sich ein. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, )
  • Zur Kritik... Durchdringung: Das Wiener Klaviertrio eröffnete mit gewohnter Klasse eine neue Reihe der Brahms-Klaviertrios. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, )
  • Zur Kritik... Geist der Vergangenheit: Masaaki Suzuki nähert sich Strawinskys Neoklassizismus im Geist der Alten Musik. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Tobias Pfleger...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Giosquino, der Italiener: Ein weitere hochklassige Würdigung Josquins in seinem 500. Todesjahr: Diese Platte von Odhecaton und Gesualdo Six setzt willkommene Impulse, um das erfreulich reich überlieferte kompositorische Erbe Josquins vor Ohren geführt zu bekommen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Der jüngere Krieger in Vollendung: Tatjana Volobjova spielt 'Sechs Musicalische Partien' und freie Stücke eines unterschätzten Komponisten in vollendeter Interpretation. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Ohne Ergänzungen: Schubert-Sinfonien vollständig und unvollendet – und (fast) ohne Fremdeingriffe. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich