> > > Ullmann, Viktor: Sinfonien Nr. 1 & 2
Mittwoch, 17. Oktober 2018

Ullmann, Viktor - Sinfonien Nr. 1 & 2

Posthume Symphonik


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Veröffentlichung vermag mit sehr durchwachsenen Darstellungen von Viktor Ullmans Sinfonien Nr. 1 und 2 keine Lanze für den Komponisten zu brechen.

Viktor Ullmann ist ein Komponist, der seit langem einer ganz bestimmten Nische zugeordnet ist. 1898 geboren, war er Schüler von Schönberg und Hába, außerdem Assistent von Alexander Zemlinsky in Prag. Eine regelrechte Karriere verfolgte er nur als Komponist, ansonsten war er ohne besondere Ambitionen, war eine Zeit lang als Dirigent tätig, betrieb eine anthroposophische Buchhandlung in Stuttgart und war ab 1933 als Musiklehrer und Journalist in Prag tätig. Heute ist Ullmann vor allem bekannt, weil er Opfer des brutalsten Nationalsozialismus wurde. Ab 1939 verfolgt, wurde er 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er sein Möglichstes tat, um das kulturelle Leben unter den barbarischen Umständen lebendig zu erhalten. 1944 wurde er in Auschwitz umgebracht.

Ullmanns Theresienstädter Werke haben Kultstatus erreicht. Sein 'Konzert für Orchester' op. 4 (vormals op. 11) von 1928 trägt auch die Titel 'Symphonietta' und Erste Symphonie, und seine Komposition ‘Huttens letzte Tage’ op. 12 nach Conrad Ferdinand Meyer von 1936/7 trägt den Titel 'Lyrische Symphonie’. Beide Werke gelten wie viele weitere seiner Kompositionen als verschollen. Insgesamt sind heute nur wenige Orchesterkompositionen Ullmanns bekannt – 'Variationen, Phantasie und Doppelfuge über ein Thema von Schönberg' op. 3, eine 'Slawische Rhapsodie' op. 24 für Orchester mit obligatem Saxophon, ein Klavierkonzert op. 25, die unvollständige Ouvertüre ‘Don Quixote tanzt Fandango’ und das ebenfalls unvollständige Melodram ‘Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke’. Auch eine 'Symphonische Messe' op. 153 sowie insgesamt drei Opern – 'Der Sturz des Antichrist’ op. 9, ‘Der zerbrochene Krug’ op. 36 und ‘Der Kaiser von Atlantis’ op. 49b – sind erhalten. Merkwürdigerweise ist nur rund die Hälfte dieser Werke auf CD vorgelegt worden – dafür aber Werke, die nur in sehr beschränktem Maße originalen Ullmann bieten. Die Ouvertüre zu ‘Der zerbrochene Krug’ wurde bereits auf Orfeo im Rahmen der Gesamtaufnahme unter der Leitung Gerd Albrechts vorgelegt – jenes Dirigenten, der auch auf dieser CD musiziert. Ein direkter Vergleich der beiden Orchester ist ernüchternd, gleich zu Beginn der CD. Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin (Orfeo) ist um diverse Klassen besser, der Klang ist rund, die Musik fließt natürlicher.

Was also bietet die CD sonst Besonderes? Über die Ouvertüre ‘Don Quixote tanzt Fandango’ erfährt der Leser des Booklets nichts als Irreführendes – es handelt sich um eine dramatische, expressiv-drängende Komposition aus dem Jahre 1944 mit starken Mahler-Einschlägen. Um es gleich zu sagen: Die Instrumentierung ist brillant, stammt aber nicht von Ullmann. Dies erfährt man auf dieser CD nicht, wohl aber auf der Capriccio-CD von 2003 unter der Leitung von James Conlon, die nicht nur die Ouvertüre, sondern auch die beiden hier als Sinfonien bezeichneten Werke bietet. Doch auch diese Sinfonien sind nicht original, sondern bei ihnen wie bei der Ouvertüre handelt es sich um Orchestrierungen von Bernhard Wulff (*1948). Die Sinfonien sind faktisch Orchestrierungen der fünften bzw. siebten Klaviersonate von 1943 bzw. 1944. Ob Ullmann je diese Sonaten als Particelle von Orchesterwerken intendiert hat, erfährt man in dem miserabel strukturierten und kaum Sachinformationen enthaltenden Booklet nicht.

Als posthume Orchestrierungen scheinen sie dem Rezensenten nur sehr bedingt relevant – sehr viel interessanter wären etwa das Klavierkonzert oder auch die 'Schönberg-Variationen' (beides eingespielt von den Brünner Staatsphilharmonikern unter Israel Yinon für Bayer Records). Leider kommen diese Orchestrierungen mit dem Klangkörper der Brüsseler Philharmoniker (1935 als Flämisches Rundfunkorchester gegründet) nur mit Einschränkungen zur Geltung (die Problematik wurde oben schon angesprochen) – da hilft auch SACD-Sound nicht, im Gegenteil, er lässt jeden kleinsten orchestralen Makel, mangelhafte Rundung im Orchesterklang nur umso klarer hervortreten und erweist sich in der Stereo-Version sogar als selbst wiederum problematisch.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ullmann, Viktor: Sinfonien Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Glossa
1
01.01.2010
EAN:

8424562222083


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Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


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