> > > Hindemith, Paul: Das Marienleben (Neue Version 1948)
Freitag, 23. August 2019

Hindemith, Paul - Das Marienleben (Neue Version 1948)

Unverzichtbar!


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zwar widmeten sich in der Vergangenheit große Sängerinnen wie Gundula Janowitz und Erna Berger Hindemiths 'Marienleben?, erst Soile Isokoski liefert jedoch mit dieser CD die Referenzeinspielung.

In seinem Zyklus 'Das Marienleben’ ging Rainer Maria Rilke weit über die biblische Heilsgeschichte hinaus und griff auch auf apokryphe Quellen zurück, die seit jeher vor allem die bildende Kunst inspiriert haben. In 15 Gedichten betrachtet Rilke das Leben der Gottesmutter als Fallstudie existenzieller weiblicher Erfahrungen wie Liebe, Mutterschaft, Freude, Schmerz, Geburt und Tod. Für Paul Hindemith wurde Rilkes Dichtung zu einer Lebensaufgabe: 1923 feierte seine Vertonung des Marienlebens Premiere. Schon bald erwachte in dem Komponisten jedoch der Wunsch, sein Werk zu vervollkommnen. Schon 1924 bearbeitete er einzelne Takte. Mitte der Dreißigerjahre begann er schließlich damit, alle Lieder einer grundlegenden Revision zu unterziehen. In jenen Jahren arbeitete Hindemith auch an seinem Lehrwerk ‚Unterweisung im Tonsatz’. Die dort dargelegten Prinzipien fanden Niederschlag in seiner Revision und wurden ihrerseits durch die konstante Arbeit am Marienleben beeinflusst.

Regelrechte Sisyphosarbeit

1941 machte Hindemith sich daran, alle kompositorischen Mittel des Zyklus auf die Ausdeutung der Gedichte hin auszurichten und verwob ein dichtes Netz von Bezügen und Chiffren in die Struktur der Lieder. Da er gleichzeitig das musikalische Material der Ursprungsfassung weiterverwenden wollte, wurde dieser Anspruch zu einer regelrechten Sisyphosarbeit, die Hindemiths künstlerische Auffassungen und seine Hinwendung zu den Idealen der Neuen Sachlichkeit dokumentiert. Nicht nur deshalb hielt Glenn Gould das Marienleben für einen der großartigsten Liederzyklen aller Zeiten. Carl Orff sprach sogar in einem Nachruf auf Hindemith bewundernd vom ‚Meister des Marienlebens’.

Gegen ‚Neue Musik’ polemisiert

Dass die Vertreter der Avantgarde sich an dem Werk stießen, lag vor allem am Vorwort zur abschließenden Fassung von 1948, in dem Hindemith gegen die ‚Neue Kunst’ polemisierte. Zwar widmeten sich in der Vergangenheit große Sängerinnen wie Gundula Janowitz und Erna Berger den Liedern, erst Soile Isokoski liefert jedoch mit dieser CD die Referenzeinspielung: Wie jene Lichtstrahlen, die in der mittelalterlichen Malerei die Jungfräulichkeit Mariens symbolisieren, flutet ihr herrlicher Sopran durch kristallene Klavierakkorde. Die Finnin singt mit größter Textverständlichkeit, jugendlichem Stimmklang und höchster Differenzierungskunst. Zusammen mit Marita Viitasalo, ihrer langjährigen Partnerin am Klavier, durchmisst sie die reiche Harmonik, steuert zielsicher Dissonanzen an und kommentiert klug die vielen motivischen Bezüge und außermusikalischen Chiffren der Lieder. Darüber hinaus nehmen beide Künstlerinnen sowohl den dichterischen Anspruch als auch den religiösen Urgrund des Marienlebens ernst. Unverzichtbar!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hindemith, Paul: Das Marienleben (Neue Version 1948)

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Ondine
1
29.03.2010
71:45
2009
Medium:
EAN:

CD
761195114827


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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