> > > Wes10brass spielen: Werke von Byrd, Premru, Langford u.a
Samstag, 24. Februar 2018

Wes10brass spielen - Werke von Byrd, Premru, Langford u.a

Erstklassige Zusammenstellung


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Blechbläsersensemble wes10brass tritt mit einer SACD zum Einstand hervor, die überzeugender nicht hätte ausfallen können.

Es ist schon eigenartig. Seit einigen Jahren bilden sich aus den Beständen der sogenannten Kulturorchester Formationen, die, vorwiegend mit Bearbeitungen, jenes Publikum erreichen (möchten), das den Sinfoniekonzerten fernbleibt. Wer es in eine Schublade stecken möchte, nennt das Ganze Crossover. Ob nun die zehn Cellisten der Berliner Philharmoniker oder die 26 Oboisten des Schrammelvereins Hinterbreitentiefenweiler – stets verbirgt sich dahinter die Idee, mit ausgefallenen Arrangements zusätzliche Hörerschichten zu erreichen. Von den Verteidigern hehrer Kunst, die die Zauberflöten-Ouvertüre nicht auf 9 Kämmen geblasen hören möchten, wurde in der jüngeren Vergangenheit eine Debatte über die Crossover-Manie der Gegenwart angestoßen (angesichts der mitunter fragwürdigen künstlerischen Resultate durchaus zu recht). Man fragt sich, wieso erst jetzt. Schließlich ist es bei Blechbläser-Ensembles seit Jahrzehnten Usus, mit mal schmissig-kunstvollen, mal virtuosen, Erstaunen heischenden Arrangements das Publikum lustvoll aufzumischen. Aber diese Praxis fand wohl unterhalb der Wahrnehmungsgrenze der Werkreinheitsgebots-Wächter statt.

Neben den international bekannten Blechbläser-Formationen wie Canadian Brass oder German Brass haben sich dutzende Ensembles quer über die Lande gebildet, als Hornquartett, Posaunenquintett oder in gemischter instrumentaler Zusammensetzung, stark variierend in der Ensemblegröße. Als Zusammenschluss von Blechbläsern verschiedener nordrheinwestfälischer Orchester hat sich das Ensemble wes10brass (sprich: westenbrass) gegründet. Anspielend auf seine lokale Identität und einen Grönemeyer-Text schreibt das Ensemble auf seiner Homepage: „Da, wo die Sonne verstaubt, machen 10 hochkarätige Blechbläser ernst, denn sie haben beschlossen Spaß zu haben.“ Man merkt, bierernst geht es nicht zu bei wes10brass, und das zeigt auch deren erste Einspielung (als SACD) mit dem Titel ‚very british’, erschienen bei dem Label Ars Produktion Schumacher – ein toller Einstand, den man sich schwungvoller, launiger, differenzierter – kurz: musikalisch überzeugender nicht hätte wünschen können.

Denn es vermag hier nicht nur die instrumentale Expertise für sich einzunehmen. Vor allem die Programmzusammenstellung ist erstklassig, gerade wegen der Erschließung vieler bisher kaum ausgetretener Pfade. Unter ‚very british’ hätte man viele Bearbeitungen (Byrd, Purcell, ein bisschen Romantik, Traditionelles, etc.) packen können. Wes10brass aber stellen Musik des 20. Jahrhunderts in den Mittelpunkt, eingerahmt von William Byrds 'The Earl of Oxford’s March’, arrangiert von Elgar Howarth und Edward Elgars wunderschön von Roger Harvey für Blechbläser gesetztes 'Nimrod’ aus den 'Enigma-Variationen’. Dazwischen gibt es fünf Sätze aus dem ursprünglich neunsätzigen 'Divertimento’ von Raymond Eugene Premru, die 'London Miniatures’ von Gordon Langford und nach dem (von einem der Posaunisten, Harry Ries) glänzend arrangierten 'Londonderry Air’ die zwei Sätze von 'A Londoner in New York (Part 2)’ von Jim Parker. Was aber dieser Einspielung die Krone aufsetzt und allein schon ein Grund ist, die exzellente Aufnahme zu erwerben, ist ein ebenso hinreißendes, musikalisch substanzreiches und gleichzeitig abgefahrenes Arrangement des Rocksongs 'Stairway to Heaven’ von Led Zeppelin. Man mag von derlei Übertragungen (aus dem Rock in die Bläsermusik) halten, was man will – diese Fassung von Bruce Collings steckt voller Feuer, Abwechslung, Drive und wunderschön gesetzten Harmonien, die von wes10brass blitzsauber intoniert werden.

Die mehrsätzigen Werke von Premru und Langford erkunden fein ausgehörte Harmonien, stets gewürzt mit jener Dosis Überraschung durch dissonante Farben, die sich selbst nach mehrmaligem Hören nicht abwetzt. Man merkt deutlich, dass die Arrangements bzw. Kompositionen mit hohem Verstand und Klangsinn für Blechbläser geschrieben sind. Es findet sich nicht nur strahlender Trompetenglanz, sondern auch kräftige Läufe in der Tuba, von den augenzwinkernden Posaunen-Glissandi ganz zu schweigen. Zweifellos sind diese Werke keine Effektmusik, die ihr Ziel allein darin erreichte, sich möglichst wirkungsvoll mit Knallern in Szene zu setzen. Natürlich gibt es von denen auch einige, etwa in den zwei Sätzen von Jim Parkers 'A Londoner in New York’. (Und wes10brass hat genügend musikalischen Feinsinn, die Musik schmunzeln zu lassen.) Aber vor allem die Stücke von Premru und Langford unterfüttern die mal launige, mal melancholisch-dunkel getönte Oberfläche mit musikalischer Substanz; von Led Zeppelins Meisterwerk 'Stairway to Heaven' ganz zu schweigen, das sowohl durch zündende Dramaturgie und reizvolle Harmonik besticht.

Für dieses Programm gilt wes10brass hohe Anerkennung. Mindestens ebenso sehr aber für die musikalische Umsetzung dieser kurzweiligen Zusammenstellung. Vor allem die Balance zwischen den Stimmen ist durchgehend hervorragend gestaltet, auch die klangfarbliche Abstimmung, changierend zwischen homogener Rundung und kontrastierender Abgrenzung, um den instrumentalen Satz trennscharf hörbar werden zu lassen. Dass diese höchst unterhaltsame Musik mit viel Schwung, Witz, kantablem Legato, Nonchalance und dynamischer Feinabstimmung gespielt wird, braucht nach dem Gesagten nicht hervorgehoben zu werden.

Auch die klangliche Umsetzung lässt keine Wünsche offen. Die natürliche Raumakustik verhilft dem Sound zur nötigen Klangentfaltung, ohne hallig zu werden. Mit dieser Einstands-Aufnahme gelingt wes10brass ein Start, der vollauf überzeugt – und hohe Erwartungen an die Nachfolge-CD schürt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wes10brass spielen: Werke von Byrd, Premru, Langford u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
01.09.2009
EAN:

4260052380666


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Byrd, William
 - The Earl of Oxforfd´s March -
Elgar, Edward
 - Enigma Variation Nr. 9 ´Nimrod´ -
Langford, Gordon
 - London Miniatures - London calls
 - London Miniatures - Soho
 - London Miniatures - Green Park
 - London Miniatures - Trafalgar Square
 - London Miniatures - The Cenotaph
 - London Miniatures - Horse Guards Parade
Led Zeppelin,
 - Stairway to Heaven -
Parker, Jim
 - A Londoner in New York (Part 2) - Central Park
 - A Londoner in New York (Part 2) - Radio City
Premru, Raymond Eugene
 - Five Movements from Divertimento - Of Knights and Castles
 - Five Movements from Divertimento - A Tale from long ago
 - Five Movements from Divertimento - Petite March
 - Five Movements from Divertimento - Le bateau sur léman
 - Five Movements from Divertimento - Blues March
Traditionell,
 - Londonery Air -


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ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
Annette und Manfred Schumacher sind ?Überzeugungstäter?. Zwei Individualisten, die Kunst, Kommerz und Können geschickt vereinbaren.
?Die SACD - Super Audio CD kombiniert die Präzision der digitalen Reproduktion mit der Wärme des analogen Klanges. Das hat uns überzeugt.?


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