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Donnerstag, 24. Mai 2018

Bruch, Max - Arminius op. 43

Die Musik zum Event


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein beeindruckend exemplarisch vorgetragenes Werk, wenn man solche Musik mag, doch sicher nicht fürs Standardrepertoire geeignet.

2000 Jahre Varusschlacht – dazu gibt es Ausstellungen, viele, viele Veranstaltungen, eine Briefmarke und nun auch die ‚Musik zum Event’. In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten wurden immer wieder Oratorien von Max Bruch ausgegraben, nach dem 'Lied von der Glocke’ (Thorofon 1995 und cpo 2005), 'Odysseus’ (Koch/Schwann 1999) und 'Moses’ (Orfeo 1999) nun also 'Arminius’. Das 1875-77 entstandene eineinhalbstündige weltliche Oratorium op. 43 für drei Soli, Chor, Orgel und Orchester baut ganz offensichtlich unter anderem auf Schumann auf. Ganz wie die zeitgleich entstandenen Historiengemälde etwa Pilotis oder anderer ist es ein Zeugnis des musikalischen Historismus, lange verpönt und als ‚akademisch’, im Grunde uninspiriert abgetan, doch nun langsam endlich wiederentdeckt. Das vierteilige Werk ist traditionell aus Chören, Rezitativen, Arien, Ensembles und Szenen aufgebaut, wie man dies auch noch Jahrzehnte später bei anderen Komponisten erleben sollte, mit kraftvoller Musiksprache auf ein Libretto von Joseph Cüppers. Seine Uraufführung erlebte das Werk nach verschiedenen Umarbeitungen 1877 in Zürich, ein Jahr nach der Uraufführung von Wagners 'Götterdämmerung’, doch wäre es unangemessen, einen derartigen Vergleich mit einer genuin anderen Werkgattung weiter zu führen. So wie Wagner nach früheren nur bedingt erfolgreichen Versuchen Chorkantaten hinter sich ließ, so war das weltliche Oratorium für Bruch und viele seiner Zeitgenossen durchaus adäquates Ausdrucksmittel. Dass dies sowohl formal als auch kompositionstechnisch nicht von ähnlicher Radikalität wie Wagners Musikdramen war, ergibt sich schon aus dem Textvorwurf, der nicht auf Charakterausdeutung, sondern Faktengestaltung ausgelegt war.

Im besonderen Fall ist das Hauptthema des Oratoriums Unterdrückung und Befreiung – überhöht durch die musikalische ‚Entpersönlichung’ Varus’, der nicht selbst auftritt, sondern nur einer von vielen ‚Mars’ gewalt’gen Söhnen’ ist. Hans Christoph Begemann als Arminius nutzt all seine Möglichkeiten seines ausdrucksfähigen Charakterbaritons, der vielleicht etwas zu leichtgewichtige Tenor Michael Smallwood stattet den Helden Siegmund mit luxuriösen lyrischen Klängen aus, besonders in seiner Arie 'In meinem Busen brennt ein Schmerz’. Von beeindruckender Stärke auch die Szenen der Priesterin – auch man sich von Ursula Eittinger etwas mehr dramatische Kraft gewünscht hätte. Dafür aber ist die Einspielung in anderer Hinsicht mehr als exemplarisch – die Textverständlichkeit ist bei allen Mitwirkenden so, wie man es von Hermann Max und seiner Rheinischen Kantorei kennt und schätzt. Auch das Göttinger Symphonie Orchester (mit Ryoko Morooka, Orgel), bekannt für sein Interesse an unbekanntem Repertoire und seine orchestralen Qualitäten, ist wunderbar durchhörbar und bringt Bruchs kompositorische Tugenden bestens zur Geltung. Manch einem mag die Gattung des weltlichen Oratoriums und/oder das hier behandelte Sujet suspekt scheinen, doch ist Hermann Max Garant dafür, dass ‚Chorvereingebrüll’ unterbleibt und der Chorsatz als genuin ‚postmendelssohnsch’ erkannt werden kann. Ein beeindruckend exemplarisch vorgetragenes Werk, wenn man solche Musik mag, doch sicher nicht fürs Standardrepertoire geeignet. Umso verdienstvoller der Einsatz aller Beteiligten, um einen Komponisten des 19. Jahrhunderts besser verstehen zu lernen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruch, Max: Arminius op. 43

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
2
20.06.2009
EAN:

761203745326


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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