> > > Obrecht, Jacob: Missa ´Rose Playsante´ & Missa ´Fortuna Desperata´
Montag, 10. Dezember 2018

Obrecht, Jacob - Missa ´Rose Playsante´ & Missa ´Fortuna Desperata´

Ein besonderes Klangempfinden


Label/Verlag: ORF
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble ?The Sound and the Fury? interpretiert zwei Messvertonungen des Renaissance-Komponisten Jacob Obrecht.

Unter anderem mit der Interpretation von Werken der Renaissance-Komponisten Nicolas Gombert, Johannes Ockeghem und Guillaume Faugues hat das Ensemble The Sound and the Fury in jüngster Zeit von sich reden gemacht. Die 2000 ins Leben gerufene, um die Stammbesetzung John Potter (Tenor), Richard Wistreich (Bass) und Thomas E. Bauer zentrierte Gruppe von Vokalisten (hier mit David Erler, Countertenor, und Klaus Wenk, Tenor) hat in kurzer Zeit – wie es in diversen Presseberichten heißt – ‚ein mustergültiges Klangkonzept und strukturelle Raffinesse’ entwickelt und sich auf dieser Grundlage dem bislang wenig erschlossenen Musikrepertoire aus der Renaissance gewidmet. Aktuelles Beispiel hierfür ist die Produktion zweier um 1490 entstandenen Messen – die Missa 'Rose playsante' und die Missa 'Fortuna desperata' – von Jacob Obrecht (1457/58-1505).

Präsentiert wird die Einspielung von der ‚ORF Edition Alte Musik’ in Anlehnung an den Titel von John Miltons Dichtung 'Paradise regained’ im Rahmen der gleichnamigen CD-Reihe, deren Konzeption größten Respekt verdient, da sie – dem Label einer großen europäischen Rundfunkanstalt anvertraut – abseits jeglicher Anbiederung an den Publikumsgeschmack angesiedelt ist. Die Aufnahme, eine Live-Aufzeichnung aus der Kirche St. Magdalena im Moos in Niederdorf (Südtirol) zeugt von der enormen interpretatorischen Qualität des Vokalensembles: Selten lassen sich leichte Einbußen, Schwankungen der Intonation oder Rauigkeiten der Stimmen vernehmen. Was die Wahrnehmung vor allem bestimmt, ist der Gedanke der Transparenz, der die architektonischen Momente der Musik betont und in großen Bögen deren Proportionen zur Geltung bringt.

Dass die Vokalisten dabei aber nie das besondere Klangempfinden von Obrecht aus den Augen verlieren, ist vielleicht der am deutlichsten hervorstechende Aspekt dieser Aufnahme: So unterstreichen die Interpreten mit ihrer Wiedergabe, welch außerordentliches Maß an harmonischen Klangvorstellungen in Obrechts Kontrapunktik stecken, indem sie die miteinander verwobenen Vokalparts mit sensibel konturiertem, weichem und doch zugleich auch schlichtem Stimmklang angehen. Optimal aneinander angepasst wirken die einzelnen Komponenten des Gesamtklangs, durch behutsam gesetzte Atemzäsuren gegliedert und in den Kirchenraum hinein verlängert, so dass die Musik den Eindruck eines organischen Wachsens und Voranschreitens vermittelt. Die dezidierte Auszeichnung dieser Doppel-CD als ‚Jacob Obrecht 1’ deutet erfreulicherweise auf weitere Folgen hin, und in der Tat zeigt das Ergebnis, dass es an der Zeit ist, diese wunderbare Musik diskografisch besser zu erschließen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Obrecht, Jacob: Missa ´Rose Playsante´ & Missa ´Fortuna Desperata´

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ORF
2
23.12.2008
EAN:

9004629314211


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ORF

Wer hätte gedacht, dass sich die "ORF Edition Alte Musik" in wenigen Jahren zu einem international renommierten Label entwickelt. Mit vielen Plattenpreisen ausgezeichnet, umfasst die Edition nun hundert Titel. Künstler der Edition feiern mit Freunden und Gästen im Palmenhaus.

"Alte Musik - neu interpretiert"
Die ORF Edition Alte Musik feiert ihren 100. Titel
Zum Jubiläum der «ORF Edition Alte Musik» zu schreiben, heisst zuerst einmal, all denen zu danken, die mitgeholfen haben, die über 100 CD aus der Taufe zu heben, vor allem den Musikern, die ihre ganze künstlerische Kraft gaben und schließlich auch jenen, die die fertigen Produkte gekauft haben. Und das sind viele: so könnte im Schnitt jedes Ö1-Club-Mitglied zwei Titel der Edition besitzen. Ich bedanke mich herzlich!

Ziel dieser Edition ist es, musikalisches Neuland zugänglich zu machen (ich denke hier in erster Linie an die Unica-Reihe, in der bisher ungehobene Schätze veröffentlicht, werden oder die Serie "paradise regained - polyphonie der renaissance") und neben bereits renommierten Künstlern auch Newcomers der Szene zu präsentieren. Die Akzeptanz der Aufnahmen beim Publikum und der Presse ist hoch. Mit vielen internationalen Preisen - wie etwa dem begehrten "diapason d'or" in Frankreich oder den "5 stars" des Goldberg Magazine - ausgezeichnet, ist die Edition heute eines der weltweit führenden Labels für Alte Musik.
Glücklicherweise wurde das Projekt von Anfang an von leidenschaftlichen Menschen, Kollegen, Künstlern und Publikum mitgetragen und gefördert: Gerhard Weis, der als Generalintendant und Händel-Fan die Edition erst ermöglichte, Freunde und Stars wie Nikolaus Harnoncourt, Jordi Savall, William Christie, Marc Minkowski, Christophe Rousset, Ton Koopman, Philippe Herreweghe, Gustav Leonhardt, René Jacobs oder Giovanni Antonini, die das Einverständnis zur Veröffentlichung ihrer Aufnahmen in der Edition gaben und schließlich von den Aufnahmeleitern Wolfgang Sturm, Erich Hofmann und Wolfgang Racher. Ohne den Einsatz, das Interesse an neuen Formaten und unorthodoxen Aufnahmeverfahren und ohne eine große Portion Idealismus von Technikern wie Robert Pavlecka, Josef Schütz und Klaus Wachschütz hätte vieles nicht stattfinden können. So wurden in der Edition die ersten 5.1-surround Aufnahmen und die ersten SACD des ORF veröffentlicht.

Für mich ist freilich dieses Jubiläum ein Anlass, auch über die Zukunft der Edition, ja die Zukunft der sogenannten "Alten Musik" generell nachzudenken. Die medialen Entwicklungen der jüngsten Zeit lassen Böses erahnen. Praktisch jedem wird Werkzeug in die Hand gegeben, um sich mittels Video oder Audio z. B. per Podcast zu verwirklichen. Eine Informations- und Datenflut bricht auf uns herein. Eine gigantische Welle, die wohl zum Großteil zu entsorgenden Müll mit sich schwemmt.
Informationen, die auf allgemeines Desinteresse stoßen, niemanden - außer wenigen - interessieren. Freiheit und Möglichkeit für alle, sich zu produzieren. "Man muss ja nicht hinschauen oder -hören!" - Doch dazu muss der Mensch erst motiviert werden. Wenn ich darüber nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass gerade die Alte Musik mit ihren oft klaren Strukturen, Harmonien und Melodien den Menschen das gibt, was viele suchen: emotionelle Identifikation. Gerade diese Möglichkeit der Identifikation wird in Zukunft an Wert gewinnen, wenn auch Musikkultur immer mehr zur Eventkultur, wenn ganz individuell erkannte und gewonnene Inhalte durch global geprüftes, vorgekautes "Gourmet-Menü" in Frage gestellt werden. "Fast food" oder "Mainstream" wird Alte Musik nie sein! Dass sie weiterhin an Publikum gewinnt, zeigt sich auch an der Akzeptanz der ORF Edition Alte Musik.

Bernhard Trebuch
Herausgeber der ORF Edition Alte Musik


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