> > > Rautavaara, Einojuhani: Sinfonien Nr. 1-8
Samstag, 19. Januar 2019

Rautavaara, Einojuhani - Sinfonien Nr. 1-8

Sinfonische Klanglandschaften aus Finnland


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Einojuhani Rautavaaras Sinfonien werden von Ondine in einer 4-CD-Box zugänglich gemacht. Diese Chance sollte man sich nicht entgehen lassen.

Einer der bedeutendsten finnischen Komponisten wird dieses Jahr achtzig: Einojuhani Rautavaara. Neben Einar Englund und Joonas Kokkonen gehört er zu jenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Entwicklung der finnischen Musik entscheidend geprägt haben. Im Gegensatz zu seinen beiden Kollegen, die kaum je größere internationale Erfolge feiern konnten und daher lediglich Connaisseurs skandinavischer Sinfonik bekannt sein dürften, ist Einojuhani Rautavaara weit über die Grenzen seines Heimatlands hinaus bekannt. Grundstein seines Erfolgs sind die mittlerweile acht Sinfonien und die Siebte Sinfonie im Besonderen. Die 1994 vollendete Siebte Sinfonie mit dem Untertitel ‘Angel of Light’ wurde und wird sowohl in Europa jenseits des großen Teichs als hoch bedeutende Sinfonie geschätzt.

Anlässlich des runden Geburtstags von Einojuhani Rautavaara gibt das finnische Label Ondine, das sich um den Komponisten verdient gemacht hat, eine Sonderedition der acht Sinfonien in einer 4-CD-Box heraus. Im Gegensatz zu den Erstveröffentlichungen zumindest der jüngeren Sinfonien, die bei Ondine meist mit anderen Orchesterwerken bzw. Instrumentalkonzerten gekoppelt wurden, sind hier nun also Rautavaaras Sinfonien konzentriert zu erleben. Die letzten beiden Sinfonien sind mit Philharmonischen Orchester Helsinki unter Leif Segerstam zu erleben, die Sinfonien Nr. 2, 3 und 4 mit Max Pommer und dem Leipziger Radio-Sinfonieorchester, die Fünfte und Sechste Sinfonie unter demselben Dirigenten und dem Philharmonischen Orchester Helsinki. Allein für die Erste Sinfonie zeichnen Mikko Franck und Belgische Nationalorchester verantwortlich. Unklar bleibt, wieso gerade bei der Ersten Sinfonie diese erst vor wenigen Jahren erschienene Aufnahme derjenigen mit Max Pommer vorgezogen wurde, bei der Dritten Sinfonie jedoch die ältere Einspielung mit letzterem Dirigenten übernommen wurde, obwohl Ondine in der Zwischenzeit eine herrliche Aufnahme mit Leif Segerstam herausgebracht hat.

Bezüglich der orchestralen Leistung gibt es in den zwischen 1994 und 2005 produzierten Aufnahmen kein Gefälle. Auch wenn man dem Philharmonischen Orchester Helsinki unter Leif Segerstam attestieren darf, dass es die spezifisch weiche Klanglichkeit mit verschwimmenden Klangfarben aufs Vortrefflichste hervorzuzaubern versteht (woran freilich die gegenüber den älteren Aufnahmen verbesserte Klangtechnik einen entscheidenden Anteil), kann auch das Leipziger Radio-Sinfonieorchester vollauf überzeugen. Max Pommers Zugang ist in den Sinfonien 2, 3 und 4 eher streng und strukturverdeutlichend, was freilich seinen Ausgangspunkt in der kompositorischen Gestalt der Werke nimmt. Die einsätzige Fünfte sowie die Sechste, in der sich jene Klänge anbahnen, die Rautavaara in der Folgezeit berühmt machen sollten, erkunden zwei gegensätzliche Klanglandschaften, die in den folgenden Sinfonien mit jeweiliger Modifizierung bestimmend werden: eine herbe, scharfe, im schnellen Tempo sich konturenscharfe Landschaft voller belebender Rhythmik und dynamischen Schründen und eine sich im eher langsamen Tempo sich entwickelnde, aus vielen Farben und meist dissonanten Intervallen sich zusammensetzende, frei schweifende Melodik. Dies wird in der Fünften und Sechsten unter Max Pommer ebenso deutlich wie in den großartigen Einspielungen der Siebten (‘Angels of Lights’) und der Achten Sinfonie ‘The Journey’ unter Leif Segerstam.

Anhand der acht Sinfonien lässt sich eine künstlerische Entwicklung nachvollziehen, die vom Neoklassizismus der unmittelbaren Nachkriegszeit über die Einbindung von Zwölfton- und serieller Technik zu einem als spätromantisch bezeichneten sinfonischen meist melancholisch gefärbten Klangkosmos fortschreitet. Rautavaara zeigt sich trotz der großen stilistischen Unterschiede der acht Sinfonien in jedem Werk als genuiner Sinfoniker, der an den Idealen sinfonischen Komponierens festhielt und diese aufs Kunstvollste ausschöpfte, als man in Mitteleuropa die Sinfonie als bürgerliche Rückständigkeit verschrie und diskreditierte. Rautavaara weist, das zeigt diese empfehlenswerte Sinfonien-Zusammenstellung, einen Weg, der alte Formen mit frischen Gedanken zu füllen weiß. Dafür gilt dem Achtzigjährigen Hochachtung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rautavaara, Einojuhani: Sinfonien Nr. 1-8

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
4
29.03.2010
EAN:

0761195114520


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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