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Dienstag, 25. Juni 2019

Strauss II, Johann - Das Spitzentuch der Königin

Wiener Spezialität und Dresdner Qualität


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Erste Einspielung der Operette 'Das Spitzentuch der Königin' bei cpo. Sie darf als durchaus gelungen bezeichnet werden.

Geschriebenes gilt und hat Bestand, wenn es gedruckt ist, gebunden und verlegt. Musiziertes gilt, wenn es aufgenommen und gepresst ist, verlegt bei einem renommierten Label und sich gut verkauft. Ein guter Teil dessen, fürs Musikalische gesehen, gilt von der Gesamtaufnahme einer Operette von Johann Strauss, von der selbst Liebhaber des Genres bislang nicht viel mehr als den Titel kennen konnten. ‘Das Spitzentuch der Königin’, 1880 uraufgeführt in Wien und bis zum Jahre 1900 hier allein hundert Mal gespielt, erst ein Erfolg und dann fast vergessen. Man kann in den Rezensionen zur Uraufführung lesen, dass musikalisch dieses Spitzentuch von gutem Klang ist, dass Parodie und Offenbachscher Geist darin blitzen. Die Wirkung des Werkes mit satirischem, zeitgeistigem aktuellem Bezug ließ nach, als die Verhältnisse sich änderten. Inzwischen dürften die Verhältnisse ja wieder so sein, dass man den Künstlern eine Chance geben sollte, zu richten, was Politiker angerichtet haben, denn davon handelt das liebenswerte Werk auch.

Dass einer der beliebtesten Walzer von Johann Strauss, ‘Rosen aus dem Süden’, eigentlich Musik aus dieser Operette ist, ist auch nicht allgemein bekannt. Ganz erlosch das Interesse nie an diesem Werk. 1987 gab es eine konzertante Aufführung in Köln, vom Rundfunk mitgeschnitten. Eine weitere konzertante Präsentation folgte 2006 in Coburg und im gleichen Jahr, am 27. April, feierte an der Staatsoperette Dresden eine erste Inszenierung nach vielen Jahren ihre Premiere. Kurze Zeit zuvor hatte das gleiche Haus die Operette ‘Der Karneval in Rom’ wieder entdeckt, und da der Chefdirigent des Theaters, der Österreicher Ernst Theis, sich solchen Entdeckungen mit Elan, Umsicht und vor allem künstlerischer Kompetenz widmet, darf man getrost hoffen, dass die nächste Entdeckung in Sachen Strauss bevor steht.

War 2006 in Dresden die szenische Widergabe des Werkes auf geteiltes Interesse gestoßen, so war man sich einig, dass an der Höhe des musikalischen Niveaus dieser Aufführung weniges zu bemängeln war. Dass ein so renommiertes Label wie cpo eine Gesamtaufnahme des Werkes mit dem Ensemble der Dresdner Staatsoperette, basierend auf einer konzertanten Aufführung im Mai 2008 in der Kölner Philharmonie, verlegt, ist einerseits sicher von großer Bedeutung und bedeutet zugleich offizielle Wertschätzung und Anerkennung der musikalischen Kompetenz von Orchester, Chor und Solisten der Dresdner Staatsoperette unter der künstlerischen Leitung von Ernst Theis. So ist an erster Stelle beim Verweis auf diese Aufnahme vom Orchester zu sprechen. Im Zusammenklang mit Aufführungen und Konzerten, insbesondere denen der für den MDR produzieren Rundfunkmusiken der 20ger und 30ger Jahre des letzten Jahrhunderts, liegt jetzt ein Dokument vor, das von der Leistungsfähigkeit und der genrespezifischen Klangsensibilität dieses dritten Dresdner Klangkörpers zeugt. Dass Theis und das Orchester sich in den Dreiklang Dresdens einfügen sollte außer Zweifel stehen und entsprechende Würdigung durch spezielle Konzertprogramme in zentralen Räumen der Musikstadt erfahren.

In Bezug auf die vorliegende Einspielung ist in diesem Zusammenhang insofern von einem Manko zu sprechen, als das Werk nur eine Ouvertüre hat, die man aber immerhin fast sieben Minuten lang genießen kann. Es gilt, Entdeckungen zu machen. Einige Bespiele nur können für die besondere Spezifik der Aufnahme stehen. Finale eins, zwei und drei. Unterschiedlich, breit noch in der Anlage und narrativ das erste mit Momenten augenzwinkernder parodistischer Dramatik und galoppierendem Schlussaplomb. Voller Ironie Finale zwei mit den pompösen Pauken und Trompeten einer spöttischen Huldigung sonderbarer Majestäten und das dritte Finale mit der gelöst schwingenden Aufnahme des Rosenmotivs vom Anfang des Mittelteils der Operette um dann aufzusteigen in das wird drehende Walzerdelirium.
Von ganz anderer Art, nach knappem Entreact, das romantische Terzett ‘Wo die wilde Rose erblüht’, für Königin (Jessica Glatte), König (Nadja Stefanoff) und Donna Irene (Elke Kottmair). Da kann man schon mehrfach hinhören, wie Strauss hier drei Frauenstimmen in die Verwirrungen der Gefühle führt, zumal Theis jede Art von Sentimentalität vermeidet und die Protagonistinnen mit Geschmack und stimmlicher Noblesse agieren. Elke Kottmair zeigt sich in verblüffender Wandlungsfähigkeit, mal lyrisch, mal ironisch, das Hohelied der Narrheit gelingt ihr in einer Ensembleszene mit Couplets des zweiten Akts besonders gut. Überhaupt die Couplets dieses Stückes, die haben es in sich. Track vier der zweiten CD ist dafür ein exzellentes Beispiel. Vier Männerstimmen und Herrenchor, Dynamik heißt nicht zu hetzen oder mit überhitzter Geschwindigkeit zu blenden, die Raffinesse schleicht sich ein, wenn wie hier unmerklich fast die Tempi wechseln.

Dem Ensemble der Damen steht eines der Herren gegenüber, bei denen fast alle Gefühle auf der Zunge beginnen und auch Politik durch den Magen geht, es sei denn, man ist Künstler wie Cervantes, dann kann man wie der Tenor Ralf Simon dem Gefühl freien Lauf lassen und dem Rosenterzett der Damen eine eigene Klangfarbe hinzu singen.

Beispiele, wie schon gesagt, sie müssen genügen und machen doch hoffentlich Lust darauf, mehr zu hören von dieser Einspielung mit Solisten, Chor und Orchester der Staatsoperette Dresden, an der leider wirklich zu bemängeln ist, dass es nicht gelungen ist bei der Erarbeitung der knappen Dialoge die gleiche Sorgfalt walten zu lassen wie bei der musikalischen Einstudierung. Das Gelungene aber überwiegt. Und wenn, wie zu vernehmen ist, diese Zusammenarbeit zwischen dem Label und dem Theater ein Anfang ist, dann ist dieser gelungen und Fortsetzung ist wünschenswert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss II, Johann: Das Spitzentuch der Königin

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
2
20.02.2009
Medium:
EAN:

CD
761203740628


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Strauß, jun., Johann
 - Das Spitzentuch der Königin - Ouvertüre
 - Das Spitzentuch der Königin. Erster Akt - Introduktion - ´Stundenlang schon harr´ ich´
 - Das Spitzentuch der Königin. Erster Akt - Monolog
 - Das Spitzentuch der Königin. Erster Akt - Abgang - ´Guten Appetit!´
 - Das Spitzentuch der Königin. Erster Akt - Dialog
 - Das Spitzentuch der Königin. Erster Akt - Romanze - ´s war eine zaub´risch wundervolle Nacht´
 - Das Spitzentuch der Königin. Erster Akt - Dialog
 - Das Spitzentuch der Königin. Erster Akt - Romanze und Duett - ´Sie lacht mich aus´
 - Das Spitzentuch der Königin. Erster Akt - Dialog
 - Das Spitzentuch der Königin. Erster Akt - Trüffel-Couplets - ´Stets kommt mir wieder in den Sinn´
 - Das Spitzentuch der Königin. Erster Akt - Dialog
 - Das Spitzentuch der Königin. Erster Akt - Duett - ´Die Austern wie fein!´
 - Das Spitzentuch der Königin. Erster Akt - Dialog
 - Das Spitzentuch der Königin. Erster Akt - Finale I - ´Einst saß ein Jüngling´
 - Das Spitzentuch der Königin. Zweiter Akt - Entreact
 - Das Spitzentuch der Königin. Zweiter Akt - Trio - ´Wo die wilde Rose erblüht´
 - Das Spitzentuch der Königin. Zweiter Akt - Dialog
 - Das Spitzentuch der Königin. Zweiter Akt - Szene und Couplet - ´Weil so äußerst wichtig diese Sitzung ist´
 - Das Spitzentuch der Königin. Zweiter Akt - Szene und Couplet - ´Professoren und Doktoren rief von Salamanca man´
 - Das Spitzentuch der Königin. Zweiter Akt - Dialog
 - Das Spitzentuch der Königin. Zweiter Akt - Romanze - ´Lichter Glanz erfüllt sein Gemüt´
 - Das Spitzentuch der Königin. Zweiter Akt - Dialog
 - Das Spitzentuch der Königin. Zweiter Akt - Terzett - ´Sei´ n sie willkommen, Exellenz´
 - Das Spitzentuch der Königin. Zweiter Akt - Dialog
 - Das Spitzentuch der Königin. Zweiter Akt - Couplet - ´An hoher Tafel speisen´
 - Das Spitzentuch der Königin. Zweiter Akt - Finale II - ´Heil unser´ m Land, dem König Heil!´
 - Das Spitzentuch der Königin. Dritter Akt - Entreact und Melodram
 - Das Spitzentuch der Königin. Dritter Akt - Couplet - ´In der Nacht mit seiner Zither´
 - Das Spitzentuch der Königin. Dritter Akt - Dialog
 - Das Spitzentuch der Königin. Dritter Akt - Lied der Königin - ´Siebzehn Jahre war ich eben´
 - Das Spitzentuch der Königin. Dritter Akt - Dialog
 - Das Spitzentuch der Königin. Dritter Akt - Einzugsmarsch - ´Singt dem König Heil!´. Stiergefecht-Lied - ´Gibt´s ein Stiegefecht, oyo, oyo!´
 - Das Spitzentuch der Königin. Dritter Akt - Dialog
 - Das Spitzentuch der Königin. Dritter Akt - Finale III - ´Eine Königin liebt dich´


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Dirigent(en):Theis, Ernst
Orchester/Ensemble:Orchester der Staatsoperette Dresden
Interpret(en):Gebhardt, Martin
Märksch, Tobias
Brachmann, Hardy
Simon, Ralf
Marian, Johannes
Wiese, Hans Jürgen
Liske, Markus
Kottmair, Elke
Glatte, Jessica
Stefanoff, Nadja


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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