> > > Albinoni, Tomaso: Sinfonie a cinque op. 2 Nr. 1-6
Donnerstag, 24. Mai 2018

Albinoni, Tomaso - Sinfonie a cinque op. 2 Nr. 1-6

Barock mit postmodernem Touch


Label/Verlag: Zig-Zag Territoires
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble 415 musiziert hier mit Eleganz und viel Gefühl. Der Gestus scheint jedoch auch wenig manieriert.

Früher war Tomaso Albinoni gemeinhin für sein Adagio in g-Moll für Streicher bekannt, das ihm mittlerweile „aberkannt“ wurde und als neobarocke Schöpfung des Komponisten Remo Giazotto (1910–1998) identifiziert werden konnte. Ist Albinoni damit ein Komponist aus zweiter Hand? Nicht länger, denn in den vergangenen zwei Jahrzehnten ist viel zur Wiederbelebung seiner tatsächlichen Kompositionen getan worden – nicht immer hochgradig inspirierter Kompositionen, aber doch eleganter, charmanter Werke aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts.

Albinonis Opus 2 erschien 1700 in Venedig im Druck und besteht aus sechs „altmodischen“ Sinfonie und sechs „modernen“ Concerti (so Olivier Fourés im Booklettext), von denen hier die Sinfonien (auf der CD-Rückseite als Sonaten bezeichnet) vorgelegt wurden. Die viersätzigen Werke folgen der Tradition der Sonata da chiesa mit der doppelten Satzfolge langsam-schnell-langsam-schnell. Dabei bieten die langsamen Sätze wunderbare lange Melodiebögen (mancher Satz ist ein wahrer Schatz, den ich mir sicher auch einmal separat anhören werde), während die schnellen Sätze Tanz- oder Fugenform aufweisen.

Das Ensemble 415 musiziert mit Eleganz und viel Gefühl, alle Affekte, die den Sinfonien inne wohnen, werden bis zur Neige ausgekostet. Ob dies ganz den Werken zu Gute kommt, mag Geschmackssache sein – dem Rezensenten jedenfalls ist die Interpretation einen Tick zu manieriert, mit überraschend viel Vibrato, einem steten An- und Abschwellen auf dem Ton, das zwar im 17. Jahrhundert Mode gewesen sein mag, aber im Vergleich zu den Interpretationen anderer Ensembles heutzutage vielleicht ein wenig aufgesetzt wirken mag. Mancher Hörer mag gerade das Kammermusikalisch-Intime (Violine, zwei Violen, Violoncello, ein nicht zu schwerer Kontrabass sowie Cembalo, Orgel und Theorbe) besonders schätzen, das aber hier einen geradezu neobarocken oder vielleicht noch eher postmodernen Touch erhält. Die schnelleren Sätze bleiben am Boden und verflüchtigen sich nicht in den exuberanten Tempi, die heute bei historisch informierten Ensembles ansonsten ja durchaus beliebt sind.

Der Booklettext ist knapp (zu knapp, möchte man sagen) und auch nur auf Französisch und Englisch (nicht einmal auf Italienisch), so dass man in gewisser Weise an eine bewusst als Nischenprodukt vorgelegte CD denken könnte. Das ist schade, denn der Gesamteindruck ist ein durchaus positiver. Dennoch ist die Stradivarius-Produktion mit dem Insieme strumentale di Roma (mit allen Sinfonien und Concerti auf einer CD), die noch stärker den Charakter der Sonata da chiesa in den Vordergrund rückt, scharfe Konkurrenz.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Albinoni, Tomaso: Sinfonie a cinque op. 2 Nr. 1-6

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Zig-Zag Territoires
1
01.09.2010
EAN:

3760009291966


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Zig-Zag Territoires

Das "Label mit dem Zebra" wurde 1997 von Sylvie Brély und Franck Jaffrès gegründet. Die Idee, ausgerechnet ein Zebra als Wappentier zu wählen, kam von der Malerin Anne Peultier, die anfangs auch die eigenwillig verspielten Covers des Labels entwarf. Das Zebra soll mit seiner unbezähmbaren Energie und seinem Freiheitsdrang für die beiden Labeleigner und ihr Label stehen. Die Gründung des Labels war für beide die Erfüllung ihres Lebenstraumes, aber auch die Möglichkeit, endlich eigene Vorstellungen umzusetzen. So sollen nach ihrem Verständnis CDs nicht bloße Datenträger sein, sondern vielmehr kleine Kunstwerke, die aus der wechselseitigen Inspiration von Musiker und Produzenten entstehen. Tonmeister Franck Jaffrès stellt bei seinen Aufnahmen den Künstler in den Vordergrund, die Instrumente sind nötiges Beiwerk. Seine Aufnahmen sollen wie Porträts von Freunden sein, die einspielen dürfen, was ihnen am Herzen liegt. Der Erfolg gibt den beiden Idealisten recht: Für das Label nehmen so namhafte Künstler und Ensembles wie Jos van Immerseel, Chiara Banchini und Gérard Lesne auf, und die "Herde der Zebras", wie der Katalog liebevoll genannt wird, ist mittlerweile auf weit über 100 Titel angewachsen.


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