> > > Wilms, Johann Wilhelm: Sinfonien Nr. 6 & 7
Freitag, 19. Oktober 2018

Wilms, Johann Wilhelm - Sinfonien Nr. 6 & 7

Bestes aus zweiter Hand


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Beethoven-Zeitgenosse Johann Wilhelm Wilms ist heute vollkommen vergessen. Vollkommen? Nicht ganz, denn mit Concerto Köln hat Wilms engagierte Anwälte.

Der Beethoven-Zeitgenosse Johann Wilhelm Wilms (1772–1847) ist heute vollkommen vergessen. Vollkommen? Nicht ganz, denn Concerto Köln haben 2003 die beiden letzten Sinfonien von Wilms, der in der Nähe von Köln geboren wurde, für die Archiv Produktion eingespielt. Für das Major-Label kein wirklich profitables Geschäft, ist doch Wilms ein ganz anderes Kaliber als sein Fast-Zeitgenosse: Wilms ging nicht etwa nach Wien, Paris oder London wie manch ein Zeitgenosse, sondern 1791 nach Amsterdam, wo er nicht bloß geachtet, sondern durchaus erfolgreich war. Seine Sinfonien erreichten in Amsterdam höhere Aufführungszahlen als die Beethovens – zumindest eine Zeitlang. Wilms gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten des Amsterdamer Musiklebens, er organisierte Aufführungen von Haydns 'Schöpfung' und den 'Jahreszeiten' und spielte die Klavierkonzerte von Mozart und Beethoven. Außerdem lehrte Wilms Klavier am Koninklijk Nederlandsch Instituut voor Wetenschappen, berief Organisten und war 1814/15 Korrespondent der Allgemeinen Musik-Zeitung.

Wilms’ erste vier Sinfonien entstanden zwischen 1791 und 1800, seine fünfte folgte 1806. Die sechste Sinfonie in d-Moll op. 58, die erst mehr als fünfzehn Jahre später entstand, gewann 1820 den ersten Preis der Königlichen Gesellschaft der Künste in Gent; 1823 wurde sie in Leipzig veröffentlicht. Sie war sein letztes großes Orchesterwerk, das im Druck erschien, auch wenn er ihr um 1836 noch eine Sinfonie in c-Moll folgen ließ. Mittlerweile war jedoch seine Popularität geschwunden, außerdem hatten Schicksalsschläge sein Leben verdüstert, der Tod seiner Frau, des gemeinsamen Kindes und seines Schwiegervaters, so dass sich Wilms mehr und mehr zurückzog. Zwar behielt er bis in die 1840er-Jahre noch verschiedene Posten inne, doch nahm auch seine Sehkraft ab; er starb völlig erblindet.

Als naturalisierter Niederländer war Wilms naturgemäß ein Desiderat für Pieter van Winkels in Leeuwarden ansässiges Label Brilliant Classics, und so war die Lizenz der Archiv-Produktion ein Glücksfall für den umtriebigen Niederländer und sein Team. Wie immer mit bescheidenem Booklet und schlichtem Cover, dazu noch weitaus bescheidenerem Preis, ist diese CD nicht nur ein Schnäppchen, sondern deutlich mehr – eine Blamage für das Originallabel, das nach nur fünf Jahren die CD, die von der New York Times zu den zwanzig besten CDs des Jahres 2004 gezählt worden war, vom Markt zurückzog.

Concerto Köln sind wie immer Garant für beste Interpretation. Die Musik spiegelt nicht nur den Zeitgenossen Beethovens, sondern auch den Zeitgenossen Webers, Spohrs und Marschners, so dass Aspekte der symphonischen Frühromantik, die stets unter Beethovens Schatten zu leiden hatte, deutlich hervortreten. Charme und Energie, Expressivität und instrumentatorische Raffinesse der Nach-Haydn-Zeit – Concerto Köln geben Wilms’ Musik das Gewicht, das ihm zusteht. Klangtechnisch makellos, wunderbar durchhörbar, gelingt ihnen eine Referenzaufnahme, und es wäre zu hoffen, dass sich das Ensemble mit ähnlichem Einsatz anderen vergessenen Zeitgenossen zuwenden würde. Wo die Chandos-Reihe der Mozart-Zeitgenossen durch noble Blässe auffällt, wird hier vollblütig musiziert und die Musik vollgültig ernst genommen; selbst traditionelle Harmoniefolgen werden unter den Händen von Concerto Köln lebendig und erweisen, wie wenig wir doch die Musik des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts abseits der „großen Namen“ kennen – selbst wenn uns respektable Einspielungen auf modernen Instrumenten vorliegen: die historisch-informierte Aufführungspraxis ist hier essenziell. Mehr davon!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wilms, Johann Wilhelm: Sinfonien Nr. 6 & 7

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
13.02.2009
EAN:

5028421937786


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Brilliant classics

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Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


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