> > > Bach, Johann Sebastian: Orchestersuite Nr. 2 h-Moll BWV 1067
Dienstag, 9. August 2022

Bach, Johann Sebastian - Orchestersuite Nr. 2 h-Moll BWV 1067

Reflexion & Unternehmungslust


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Interessantes Instrumentalprogramm: Bach und Rekonstruktionen mit Marcello Gatti und dem Ensemble Aurora.

Die Musik Johann Sebastian Bachs ist ein Kosmos. Und ein durchaus nicht statischer dazu. Das hat Bach selbst mit seiner Parodiepraxis intensiv demonstriert: Ältere Kompositionen wurden in neue Werke integriert, die Sphären von vokaler und instrumentaler Musik wurden mühelos verknüpft, auf diese Weise nicht selten das vom Komponisten für besonders wertvoll gehaltene vor dem Vergessen oder zumindest vor der Unterschätzung bewahrend. Spätere Früchte dieses selbstverständlichen Umgangs mit der kompositorischen Basis waren etliche Bearbeitungen Bachscher Werke durch Musiker des 19. und 20. Jahrhunderts, etwa durch  Ferruccio Busoni, Béla Bartók, Ignaz Friedman oder Dinu Lipatti.

Insofern sind die bis heute zu beobachtenden Bemühungen, manches Konzert in seiner ursprünglichen Gestalt zu rekonstruieren und dabei Bearbeitungsschichten von Bachs eigener Hand wieder abzutragen, absolut legitim. Der Italiener Francesco Zimei begründet die Zusammenstellung eines Konzerts für Flöte und Orchester dementsprechend überzeugend. Ausgehend von einer schon früher als erster Satz eines verlorengegangenen Konzerts für Traversflöte, Streicher und Basso continuo identifizierten Einleitungssinfonie einer italienischen Kantate Bachs hat der Musikwissenschaftler zwei Arien aus den beiden weltlichen Werken BWV 173a und 207 in einen Satz für die Traversflöte als Soloinstrument überführt.

Ebenfalls auf der vorliegenden Platte kommt eine frühe Fassung des fünften Brandenburgischen Konzerts zu Gehör – das Tripelkonzert BWV 1050a. Auch stilistisch abgerundet wird das Programm durch die Orchesterouvertüre in h-Moll BWV 1067, die neben den italienischen Konzertstil die leichtere Sphäre des französischen Stils stellt.

Das zusammengestellte Konzert funktioniert klanglich, auch in der Balance von Solo und Begleitung sowie in der Architektur der Sätze. Indem es die Grenzen von Vokalität und Instrumentalität ausleuchtet, umschreibt es zudem einen insgesamt wichtigen und in der Bachforschung seit langem diskutierten Aspekt.

Sehr gelungen

Der Flötist Marcello Gatti zeigt sich als überzeugender Stilist, der bei aller technischen Brillanz und tollen Geläufigkeit auch mit einer freien und drucklosen Intonation zu überzeugen weiß. Zugleich interagiert er in BWV 1050a uneitel mit den ebenfalls solistisch musizierenden Instrumenten und stellt in BWV 1067 fast schon empfindsame Qualitäten der Bachschen Musik heraus.

Mit dem ‚Ensemble Aurora’ unter der Leitung seines Bruders Enrico steht ihm eine exquisite Formation zur Seite. Die Instrumentalisten agieren sehr kontrolliert, achten auf eine feine, ausgewogene Klangentfaltung und verfolgen ein eher kammermusikalisches Ideal. Phrasen werden gemeinsam empfunden, die hervorragende Artikulation ergänzt das Bild sehr gelungen. Vor allem die Bassinstrumente malen mit sehr feinem Pinsel – angesichts des hörbaren Raumanteils am sehr plastischen Klangkonzept ein nicht zu unterschätzender Aspekt.

Gatti & Gatti verfolgen einen ebenso reflektierten wie unternehmungslustigen Ansatz. Das Programm funktioniert aber auch rein musikalisch bestens: Die Interpretation verrät einen frischen, leichten, beweglichen und undogmatischen Ansatz. Zudem ist der Impuls für das Repertoire erwähnenswert. Eine insgesamt sehr überzeugende Einspielung aus dem Hause Glossa.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Orchestersuite Nr. 2 h-Moll BWV 1067

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Glossa
1
01.11.2008
Medium:
EAN:

CD
8424562212046


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Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


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