> > > Tschaikowsky,Peter Iljitsch: Hamlet op. 67a
Sonntag, 27. Mai 2018

Tschaikowsky,Peter Iljitsch - Hamlet op. 67a

Dramatisch undramatisch


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Vladimir Jurowskis Einspielung der 'Hamlet'-Schauspielmusik Peter Tschaikowskys kann nicht vollauf überzeugen. Es fehlt an zündender musikalischer Dramaturgie.

Es ist merkwürdig, wie selbst bei Komponisten, von denen es durchaus mehr zu entdecken gäbe, immer wieder ein bestimmter Kanon aufgesucht wird, selbst ein Kanon bei den eher unbekannten Werken. So auch in dem Fall der vorliegenden SACD: Nun schon zum mindestens zweiten Mal werden Tschaikowskys 'Hamlet'-Schauspielmusik op. 67 und die Erstfassung der Ouvertüre 'Romeo und Julia' gekoppelt. Das hat sowohl musikalische als auch dramaturgische Gründe: Nicht nur handelt es sich um zwei berühmte Shakespeare-Werke, auch in der musikalischen Qualität halten sich beide Werke die Waage. Als Chandos sich 1981 beider Werke annahm (vermehrt um zwei Stücke aus 'Mazeppa', die Festouvertüre über die dänische Nationalhymne op. 15 und die Serenade für Nikolai Rubinsteins Namenstag), handelte es sich noch um Weltersteinspielungen, für die das London Symphony Orchestra gewonnen werden konnten (unter der Leitung Geoffrey Simons). Hier nun also das Russische Nationalorchester, 1990 von Michail Pletnev gegründet und ein unabhängiger Klangkörper, der bereits höchst erfolgreiche internationale Tourneen absolviert war und im Vatikan, in Israel und auf den Londoner Proms zu hören war. Für Pentatone hat das Orchester schon zahlreiche Produktionen eingespielt, darunter vier mit seinem Ersten Gastdirigenten Vladimir Jurowski.

Zunächst muss gefragt werden, warum zwei kurze Sätze aus der Schauspielmusik fehlen – der Trauermarsch für Ophelia und die folgende Fanfare. Für den Vollständigkeitsfanatiker verbietet sich damit die Jurowski-Aufnahme, obschon allein die Aufnahmequalität den verhallten Chandos-Klang mit Leichtigkeit deklassiert. Doch nicht nur die Aufnahmequalität überzeugt – auch die Frische des Orchesterklangs ist ein Vorzug. Das heißt nicht, dass Tschaikowskys Schauspielmusik ohne die Bühnenhandlung tatsächlich dramatische Wirkung entfalten würde. Vielmehr fällt noch stärker als bei Geoffrey Simon der merkwürdig fragmentarische Charakter der Musik auf, die sich teilweise in der Fünften Sinfonie wiederfindet. Wunderbare Momente gibt es fraglos in dieser Schauspielmusik, doch ist zu fragen, ob man sie tatsächlich auf Tonträger benötigt oder ob nicht die 'Hamlet'-Phantasieouvertüre op. 67 ausreichen würde (1998 vom ebenfalls RNO, aber unter Pletnev, für Deutsche Grammophon eingespielt). Die Chandos-Einspielung verfolgt stärker das ästhetische Konzept der Schauspielmusik: Hier wirkt alles so, als würden die Schauspieler gleich zu sprechen beginnen; insofern verfehlt Jurowski den relevanten Punkt. Da helfen auch die russisch singenden Solisten Tatiana Monogarova (Ophelia) und Maxim Mikhailov (Totengräber) nur wenig, zumal Monogarova rein stimmlich nicht Ophelias Jugend transportieren kann (bei Simon sangen die Solisten entsprechend der Erstausgabe Französisch, Janis Kelly war eine überzeugend jugendlich-zerbrechliche Ophelia). Außerdem buchstabiert Jurowski das Lied des Totengräbers geradezu, wodurch sein dramaturgischer Impuls genommen wird.

Selbst bei der 'Hamlet'-Ouvertüre bleibt Jurowski spannungslos und ohne dramatisch-dramaturgisches Konzept, das bei Geoffrey Simon ganz klar zu Tage tritt, selbst wenn das London Symphony Orchestra nicht optimal agiert. Und selbst bei der Erstfassung von 'Romeo i Djuletta' von 1869 versprüht die ältere Aufnahme deutlich mehr Atmosphäre und Charme als die Neuproduktion, die sich auch klangtechnisch nur als grundsolide, nicht aber als herausragend bezeichnen lassen kann. Selbst das (zweisprachige) Booklet (ohne Informationen zu den Gesangssolisten) scheint uninspiriert und etwas salopp hergestellt worden zu sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tschaikowsky,Peter Iljitsch: Hamlet op. 67a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Pentatone Classics
1
21.11.2008
EAN:

827949033063


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
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PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
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