> > > Scene d´amore. Soile Isokoski singt: Arien von Tschaikowsky, Bizet, Gounod, Puccini & Verdi
Mittwoch, 18. September 2019

Scene d´amore. Soile Isokoski singt - Arien von Tschaikowsky, Bizet, Gounod, Puccini & Verdi

Finnisches Feuer


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Soile Isokoskis neue Arien-CD ist auch für jene Opern- und Stimmliebhaber ein Pflichtkauf, die bereits eine große Auswahl ähnlicher Recitals im Regal stehen haben.

Während die finnische Sopranistin Soile Isokoski als Mozart- und Strauss-Interpretin von den Opernbühnen der Welt nicht wegzudenken ist und auch als musikalische Botschafterin ihrer Heimat größtes Ansehen genießt, bringt man ihren Namen mit dem italienischen, französischen oder russischen Fach nicht auf Anhieb in Verbindung. Grund hierfür ist einerseits, dass sie als Donna Elvira, Capriccio-Gräfin und Marschallin so unangefochten reüssiert, andererseits aber auch die Tatsache, dass besonders für lyrische Verdi- und Puccini-Partien vollmundigere, sinnlicher timbrierte Stimmen und – leider ist auch dies oft ein Kriterium – jüngere Sängerinnen bevorzugt werden.

Es wundert daher nicht, dass Isokoski ihre neuste CD (es ist bereits ihr achtes Solo-Projekt für das finnische Label Ondine) jenen Opernheldinnen widmet, die sie auf der Bühne vergleichsweise selten verkörpert. Wenngleich das Programm keinerlei Überraschungen, geschweige denn Entdeckungen bereithält, sondern unter dem Titel ‚Scene d’amore’ acht Szenen und Arien versammelt, die in unzähligen Referenzeinspielungen vorliegen, räumen wenige Hörminuten sämtliche von Schubladendenken oder Besetzungspolitik geprägte Vorbehalte gegen Isokoskis Eignung für dieses Repertoire aus dem Weg.

Schon der Einstieg mit Tatjanas Briefszene aus 'Eugen Onegin' orientiert sich an höchsten Maßstäben, wie sie in jüngerer Zeit etwa von Renée Fleming gesetzt wurden. Dass Isokoskis Sopran nicht über das Volumen und die dunklen, gerne mit einem ‚russischen’ Klang gleichgesetzten Farben berühmter Rollenvorgängerinnen verfügt, fällt zwar auf, erweist sich aber nicht als Einschränkung: Hier singt eine junge Frau, die die Liebe nur aus Romanen kennt und deren naiv romantisierte Gefühle sich in zärtlichen, silbern glitzernden Jubeltönen offenbaren. Noch besser zur Geltung kommt diese einzigartige Strahlkraft in Stücken mit leichterem Duktus und höherer Tessitura wie Micaëlas 'Je dis, que rien m’épouvante' und Marguerites Juwelarie.

Gesanglich ist Isokoskis Interpretation dabei stets über jeden Zweifel erhaben: mit einem schnellen, aber äußerst ästhetischen Vibrato versehen, kennt ihr mit größter technischer Kultiviertheit geführter Sopran weder Intonationstrübungen noch klangliche Schärfen und verfügt über eine Palette an Obertönen, die in ihrem Reichtum jedes künstliche Umfärben der Stimme von vorn herein überflüssig macht. Anlass zum Staunen gibt auch Isokoskis (sie zweifellos als Strauss-Sängerin auszeichnende) Fähigkeit, endlose Phrasierungsbögen zu spannen, in denen ein Ton bruchlos aus dem vorherigen hervorgeht. Wenn sie am Ende von Amelias 'Come in quest’ora bruna' das hohe ‚b’ auf ‚fior’ lupenrein ansetzt und weiterzieht, meint man, sie trüge es mit nur einem Atemzug über den im Orchester sanft changierenden Ozean.

Höhepunkte der CD aber sind zwei Arien, die unweigerlich Erinnerungen an Mirella Freni wach werden lassen: 'Si, mi chiamano Mimì' aus Puccinis 'La Bohème' sowie Desdemonas Lied von der Weide und Ave Maria aus Verdis 'Otello'. Vor allem letztere Szene fesselt durch Isokoskis beseelte Gestaltung und aufblühende Töne (schlicht ergreifend ihr hohes ‚ais’ auf 'Ah! Emilia, addio!'), die besser oder schöner gesungen schwer vorstellbar sind. Da auch das Helsinki Philharmonic Orchestra unter der gewissenhaften Leitung von Mikko Franck trotz aller Präzision und Streicherbrillanz keine Spur von nordischer Unterkühltheit erkennen lässt, sondern im Gegenteil mit viel Feuer und intimsten Schattierungen musiziert, ist ‚Scene d’amore’ auch für solche Opern- und Stimmliebhaber ein Pflichtkauf, die bereits eine große Auswahl ähnlicher Recitals im Regal stehen haben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Kritik von Alexander Meissner,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Scene d´amore. Soile Isokoski singt: Arien von Tschaikowsky, Bizet, Gounod, Puccini & Verdi

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
29.03.2010
Medium:
EAN:

CD
761195112625


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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