> > > Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus: Kammermusik
Donnerstag, 20. Juni 2019

Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus - Kammermusik

Statt Hoffmanns Erzählungen, seine Musik


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ernst Theodor Amadeus Hoffmanns, des Komponisten, musikalische Hinterlassenschaften.

„Die Musik ist eigentlich die Kunst dieses Jahrhunderts“ schrieb Friedrich Schlegel in eines seiner Notizbücher, und unter den Genossen hätte ihm darin wohl keiner so sehr und so tatkräftig zugestimmt wie der Musiker von Profession, E.T.A. Hoffmann, bekannt als begnadeter Schriftsteller. „Und er ist wirklich und wahrhaftig Kapellmeister gewesen, setzen die diplomatischen Personen hinzu,“ „so habe er selbst einige zarte Melodien aufgesetzt, die ich gehörig, anzubringen.“ „Die Freunde behaupteten: Die Natur habe bei seiner Organisation ein neues Rezept versucht, und der Versuch sei misslungen, indem seinem überreizbaren Gemüte, seiner bis zur zerstörenden Flamme aufglühenden Phantasie zu wenig Phlegma beigemischt und so das Gleichgewicht zerstört worden, das dem Künstler durchaus nötig sei, um mit der Welt zu leben und ihr Werke zu dichten.“ Heute aber geht „die Bewunderung des Publikums über in eine Art Wahnsinn.“ „O wundervoller Kapellmeister, der solcher Dissonanzen mächtig!“ Es war längst an der Zeit, die Kompositionen Hoffmanns zugänglich und hörbar zu machen. „Nun ist aber keine Kunst zu Erreichung dieses Zwecks tauglicher als die Musik.“ „Da setze ich mich aufs Sofa und höre mit geschlossenen Augen zu und bin ganz voller Wonne.“ Diese CD lobt nicht zuletzt das Label (Profil), den Produzenten (Deutsches Kulturforum) und den Sponsor (Kultusministerium). „Seine Bereitwilligkeit, das Ungewöhnliche auf die Bühne zu bringen, macht alles gut, und ich kann nicht einen Moment auf den Intendanten zürnen.“

Nun sollte man allerdings nicht denken, dass der romantische Schriftsteller Hoffmann auch ein romantischer Komponist war; er war immerhin 21 Jahre älter als Schubert und 34 älter als Schumann. Die Musik geht eher in Richtung „sogenannter starker Kompositionen von Mozart, Beethoven und so weiter.“ Die auf der CD versammelten Werke wurden im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts komponiert.

Das die CD eröffnende Harfenquintett in c-Moll gelingt sehr gut, der Wohllaut strömt gediegen und ruhig aus dieser Kammermusik. „Ich lobe mir die Mittel- und die tiefen Töne. Einen in das Herz dringenden Laut“, das wird ganz zu Recht zitiert, produziert Masumi Nagasawas Harfe. „Mir ist es deshalb gar nicht zu verdenken, wenn ich, ein durstig Kind, meiner selbst nicht mächtig, noch ohne in Wort und Rede aufkeimendes Bewußtsein, alle Wehmut des wunderbaren Tonzaubers, den die Harfenistin aus ihrem Inneren strömen ließ, in begierigen Zügen einschlürfe.“

Es folgen zwei Klaviersonaten. Ob Beni Araki am Hammerklavier sich gedacht hat, was sich Kreisler gedacht hat, als er der Adelsgesellschaft Bach spielen sollte? „Nun, so hört zu und berstet vor Langeweile!“ Nein, nicht ganz, sie hat es sich nur für die erste Sonate in A-Dur gedacht. In der zweiten, in f-Moll, wird sie schließlich doch „von dem mächtigen Geist seiner innern Musik getrieben“. Wo die erste verhalten und schüchtern wenig Musikalisches hatte, bricht nun etwas auf, wenn auch streckenweise ziemlich ungestüm und rauschend. Aber es stimmt zusammen, der Eindruck wird nun schlüssiger. Man rufe Araki zu: „Glückselig, heilbringend also die Katastrophe, die dich aus den Fesseln befreite!“

Das furiose Grand Trio in E-Dur gilt als der Höhepunkt in Hoffmanns Kammermusik, und fand, wie fast alle seine Kompositionen, keinen Verleger. Hier nun aber lebt es voll musikalischer Verve durch das „Trio Margaux“ auf. „Denke dir zwei schlanke, hochgewachsene Italienerinnen, nach der letzten Mode phantastisch bunt gekleidet, recht virtuosisch keck und doch gar anmutig auf meinen Onkel zuschreitend und auf ihn hineinredend mit starker, aber wohltönender Stimme.“ „Es ist nicht zu leugnen, dass in neuerer Zeit – dem Himmel sei’s gedankt – der Geschmack an der Musik sich immer mehr verbreitet,“ und Hoffmanns E-Dur-Trio hat, wenn es so musiziert wird, beste Chancen, die Vergessenheit zu verlassen und ein größeres Publikum auf den Geschmack zu bringen.

„Das überlesend, was ich geschrieben, finde ich den Wahnwitz mancher Musiker sehr treffend geschildert, und mit einem heimlichen Grauen fühle ich mich ihnen verwandt.“

Die Zitate dieser Rezension entstammen E.T.A. Hoffmanns eigenen Werken. Verwendet wurden: „Lebensansichten des Katers Murr“, „Die Fermate“, „Kreisleriana“, sowie der Briefwechsel des Dichters mit Friedrich de la Motte Fouqué.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Tobias Roth Kritik von Tobias Roth,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus: Kammermusik

Label:
Anzahl Medien:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
Medium:
EAN:

CD
881488706352


Cover vergössern

Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
PROFIL: Ein Programm - eine Verpflichtung aus Tradition!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Profil - Edition Günter Hänssler:

  • Zur Kritik... Bruckner-Sternstunde: Wer Bruckner mag, wird diese Aufnahme der Dritten Sinfonie lieben. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Finalisiert: Bruckners Neunte Sinfonie ohne Lasten. Sinfonik im Sinne Schuberts, verführerisch, apollinisch: Das wäre schon angesichts der ersten drei Sätze ein höchst erfreulicher Befund. Mit Gerd Schallers kundiger Ausformulierung des Finales umso mehr. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Badische Probleme: Eine zu kleine Besetzung hindert die volle Wirkung eines Karlsruher Hofkapellmeisters. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Profil - Edition Günter Hänssler...

Weitere CD-Besprechungen von Tobias Roth:

  • Zur Kritik... Die Schäfer im Salon: Pastorale Kammerkantaten von Nicola Porpora in einer gelungenen Interpretation des Ensembles Stile Galante und der Mezzosopranistin Marina De Liso. Weiter...
    (Tobias Roth, )
  • Zur Kritik... Nicht und nie genug: Ekaterina Derzhavina hat sämtliche Klaviersonaten Joseph Haydns eingespielt - und überzeugt dabei soweit es diese Musik zulässt. Weiter...
    (Tobias Roth, )
  • Zur Kritik... Aus der Zeit: Das Duo Arp Frantz präsentiert einen gelungenen Brückenschlag zwischen Johann Sebastian Bach und György Kurtág. Weiter...
    (Tobias Roth, )
blättern

Alle Kritiken von Tobias Roth...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Einflussreich und vergessen: Ein wichtiges Oratorium des frühen 19. Jahrhunderts erklingt hier leider nur in einer mittelmäßigen Interpretation. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Weite und Ruhe: Der junge isländische Tenor Benedikt Kristjánsson kombiniert auf seiner ersten Solo-CD isländische Volkslieder mit Liedern von Franz Schubert. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
  • Zur Kritik... Doppelte Optik: Das Finnish Radio Symphony Orchestra und sein Chefdirigent Hannu Lintu legen mit dieser Aufnahme der Ersten Sinfonie eine reflektierte, unterkühlte Mahler-Lesart vor. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (6/2019) herunterladen (3061 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz Schubert: Fantasie C-Dur op.15, Wanderer D. 760 - Allegro

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich