> > > Schostakowitsch, Dimitri: Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47
Mittwoch, 13. November 2019

Schostakowitsch, Dimitri - Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47

Alte Klangpracht


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Christoph Eschenbach legt mit dem klangüppig aufspielenden Orchester aus Philadelphia ein emotionsheißes Bekenntnis ab für die fünfte Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch. Das Orchester demonstriert instrumentale Bravour.

Als die nicht enden wollenden Schlusstakte (ein unaufhörliches Pochen auf D-Dur – Komponist: ‘Es ist als schlage jemand mit dem Stock auf dich ein und sagt dabei: deine Aufgabe ist Jubeln, deine Aufgabe ist Jubeln‘) vorüber gedonnert waren und man sich allen Bombast aus den Ohren schüttelt, wird wieder einmal zur Gewissheit: das doppelbödige, mit allerlei Querschlägern durchwirkte Werk ist und bleibt ein effektreiches Showpiece für Dirigenten wie Orchester. Die Maestri lieben wohl das Stück über alles.

Christoph Eschenbach demonstriert die instrumentale Bravour der Philadelphians, die eine besondere Identität ihr Eigen nennen. Die unterscheidet sie von allen anderen US Orchestern. Es ist der klangliche Luxus, eine alte klangliche Prächtigkeit, die sich das Orchester seit der Ära Eugene Ormandy bewahrt hat. Als schönsten ‘Konzertsamt der Welt’ pflegt man diese klangliche Physiognomie zu charakterisieren. Daran haben Generationen von Musikern wie Leopold Stokowsky und im Besonderen 45 Jahre lang ein ‘ Maestro des Klangs’, Eugene Ormandy, gearbeitet. Was in diesem Orchester an instrumentale Virtuosität, an Homogenität, an Reinheit der Intonation und Kultiviertheit auch in den geballten Tutti-Ausbrüchen steckt, macht Christoph Eschenbach mit vitalem Zugriff deutlich. Sein Musizierstil verbindet kapellmeisterliche Sachlichkeit und Akribie mit wohl dosierter Emotionalität. Diese Mischung verträgt sich gut mit dem Sound-Styling made in Philadelphia. Und hier wird ja immer noch geschwelgt. Man kultiviert eine warm getönte Ausdrucksfülle, spielt farbreich, mit pastoser Klanggebung und mit dem viel beschworenen ‘Big sound’ made in USA.

Pathos regiert die Stunde. Das beginnt bereits in den ersten Takten in den Celli und Geigen, wo das ‘Motto’ der Sinfonie, kantenscharf akzentuiert, mächtig auflodert. Rhetorisch überzeugend gelingt der Marsch des Poco sostenuto-Teils. Da spürt man nicht nur drastisch die Härten, den Zug ins Gespenstische, sondern es wird einem auch das Brutale in der Musik von Schostakowitsch bewusst. An der Glaubwürdigkeit des Pathos muss niemand zweifeln, ebenso wenig am Bekenntnishaften in den Binnensätzen, etwa im burlesken an Gustav Mahler gemahnenden Scherzo und im mit slawischem Rubato ausstaffierten Largo. Achtfach geteilte Streicher sind hier am Werk. ‘Wer das Finale als Glorifikation empfindet, ist ein Idiot’ bekannte einmal Cellist und Dirigent Rostropowitsch. Eschenbach setzt das Finale unter martialischen Druck. Suggestiv bringt er die auftrumpfende Geste der Musik zur Entfaltung. Doch da wird auch hörbar, welch tiefe tragische Note sich hinter der Fassade verbirgt, vernehmlich in aggressiven Blechkaskaden, bei den Streichern im bohrend manisch repetierten A, das sich förmlich einbrennt. Das Orchester aus Philadelphia bietet unter Christoph Eschenbach eine fabelhafte Leistung. Diszipliniert, mit erwärmendem Timbre, klingen die Streicher. Im Blech wird brillant und überaus farbreich gespielt. Präzise agiert die Gruppe der Schlagwerker. Und klangschön gelingt das Largo: ruhig, feinsinnig im Holz abschattiert, alles apart durchmodelliert.

Im Surround Format widerfährt den Attacken der Blechbläser eine die Tiefe des Aufnahmeraums plastisch durchmessende Dimension. Mehrkanalig wirkt die Disposition, die Fülle des Klangs, gegenüber der herkömmlichen zweikanaligen Fassung transparenter, reicher an Perspektiven. Yvonne Naeff bringt für die sieben Romanzen nach Gedichten von Alexander Blok das rechte Alt-Timbre auf – ein mit Hingabe modellierende und intelligent phrasierende Solistin.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Prof. Egon Bezold,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schostakowitsch, Dimitri: Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Ondine
1
29.03.2010
78:15
Medium:
EAN:

SACD
761195110959


Cover vergössern

Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Ondine:

blättern

Alle Kritiken von Ondine...

Weitere CD-Besprechungen von Prof. Egon Bezold:

  • Zur Kritik... Konzertante Begegnungen mit der Oboe: Die Koreanerin Yeon-Hee Kwak lässt alles mühelos und erscheinen, was die Oboe so schwierig macht. Sie zeigt bei Bohuslav Martinú und Holligers 'Sonata für Oboe solo' einen kernigen, in den Kantilenen gut schattierten Ton. Weiter...
    (Prof. Egon Bezold, )
  • Zur Kritik... Lustvoll aufdrehende Motorik: Lustvoll aufdrehende Motorik macht die Orchestersprache des Schweizers Frank Martin zum Ohrenschmaus. Suggestiv vermittelt der niederländische Bariton Thomas Oliemans Martins Monologe aus 'Jedermann. Weiter...
    (Prof. Egon Bezold, )
  • Zur Kritik... Wundersame Blüten: Wer nach griffigen geheimnisumwitterten Klängen sucht, die sich mitdenken, auch mitfühlen lassen, kommt in Larchers Quartett-Komposition ?Madhares? in jedem Fall auf seine Kosten. Weiter...
    (Prof. Egon Bezold, )
blättern

Alle Kritiken von Prof. Egon Bezold...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Das Liszt-Problem: Boris Giltburgs Diskographie weist ihn als Experte der romantischen Pianistik aus. Mit Liszts 'Transzendentaletüden' ergänzt er sein Repertoire nun um einen wichtigen Baustein. Weiter...
    (Sebastian Rose, )
  • Zur Kritik... Europäische Zusammenarbeit: Eine vorbildliche Kooperation bei der orchestralen Erkundung der Musik eines vergessenen jüdischen Meisters. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Der Botschaft verschrieben: Komponistenschicksale in Töne gemeißelt, davon künden die Cellokonzerte von Schostakowitsch und Weinberg. Genau das fördern Nicolas Altstaedt und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin in ihrer großartigen Interpretation zu Tage. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2019) herunterladen (4454 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Liv Migdal im Portrait "Man spielt mit den Ohren!"
Liv Migdal im Gespräch mit klassik.com.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich