> > > Markus Wolf - Violinsonaten: Richard Strauss und Hans Pfitzner
Samstag, 6. März 2021

Markus Wolf - Violinsonaten - Richard Strauss und Hans Pfitzner

Vielgestaltige Eleganz


Label/Verlag: Farao Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auf seiner ‘Vollrath-Stradivari’ spielt der Markus Wolf im Duo mit Juan Riem hörenswerte Raritäten: Pfitzners aus romantischem Geist schöpfende Violinsonate op.27 und einen klanglich ausschweifenden Strauss aus frühester Zeit, die Sonate Es-Dur, op.18.

Er schrieb sehr stimmungsvolle Lieder, schätzte die Romantiker über alles, schlug aber höchst verärgert um sich, wenn man ihn selbst als Romantiker apostrophierte. Nichts ließ er gelten, was auch nur im Entferntesten den Ansatz von Modernität erweckte wie Feruccio Busonis ‘Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst’ oder was stilistisch über Gustav Mahler hinausging. Die Rede ist von Hans Pfitzner. Nach wie vor machen internationale Größen (ausgenommen Christian Thielemann) einen weiten Bogen um ihn. Hat ihn seine Sympathie den Nazis gegenüber ein für allemal aus dem Rennen geworfen? Lassen ihn die ultrakonservativen Tiraden, seine Affinität zu deutscher Innerlichkeit und deutschem Tiefsinn,  als hoffnungslos unzeitgemäß erscheinen? Das sind Fragen, mit denen jeder Hörer konfrontiert wird, der sich mit den Werken Hans Pfitzners auseinandersetzt. In der NS-Zeit wurde er wurde er hoch gepriesen, auch wenn er manchen Nazi-Größen mit seiner Anbiederei auf den Wecker ging. Pfitzner war ein Repräsentant des musikalischen Deutschtums – ein Säulenheiliger, der deutscheste aller deutschen Komponisten im Dritten Reich.

Hätten die Diskographen kein Einsehen, dann wäre es mit der Bekanntheit von Hans Pfitzner gar nicht gut bestellt. Kammermusik hat Pfitzner von allem Anfang gepflegt, von der weiträumig disponierten Cellosonate op. 1 bis hin zum späten Sextett op. 55, das in bedrückenden Nachkriegsverhältnissen entstanden ist. Die Sonate für Violine und Klavier e-Moll op. 27 atmet große Virtuosität – ein brillant aufgezogenes, mit liedhaften Abschnitten durchsetztes Werk, das nichts spüren lässt von herb-sprödem Timbre, sondern im musikalischen Habitus den Instrumenten Gelegenheit zu glanzvoller, streckenweise zu sieghafter Entfaltung bietet. Markus Wolf, Konzertmeister im Bayerischen Staatsorchester, stellt sein souveränes Handwerk in den Dienst einer durchwegs gelungenen Wiedergabe. Sympathisch wirkt diese schlanke, durchwegs auf Polyphonie zielende Konzeption, auch wie die Partner ihre Dialoge führen, so dass sich alles zu einem großen Bogen formt. Viel Wärme atmet der langsame Satz, an dem sich ein mit feuriger Attacke hingelegtes Allegro anschließt.

Aus einem anderen Holz ist die l887 entstandene Sonate für Violine und Klavier op. 18 geschnitzt. Die fantasievoll überschäumende Ausschmückung der Gesten lässt deutlich orchestrale Farbvorstellungen aber auch dramatische Abschnitte wetterleuchten. Strauss wähnt sich hier bereits in seinen sinfonischen Dichtungen, vor allem in der Fantasie ‘Aus Italien’ op. 16. Im gleichen Jahr entstand auch der ‘Don Juan’ wie aus dem stürmischen, aufwärts drängenden Charakter im Finalsatz der Sonate deutlich herauszuhören ist. Nicht zu verkennen ist die rhythmische Unruhe im Stile Robert Schumanns, mitunter auch im langsamen As-dur Satz die für Strauss typische triviale melodische Erfindung, die das Duo Wolf/Riem keinesfalls zu bloßem romantischen Schwelgen verführt. Da kann sich der hell leuchtende Klang der Stradivari von Markus Wolf trefflich entfalten. Julian Riem sorgt für eine geschmackvoll phrasierte, subtil austarierte Begleitung. Vielgestaltig, elegant, kultiviert - so erscheint diese Interpretation. Für Kammermusikfreunde eine willkommene Begegnung. Aufnahmetechnisch bleiben keine Wünsche offen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Prof. Egon Bezold,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Markus Wolf - Violinsonaten: Richard Strauss und Hans Pfitzner

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Farao Classics
1
20.11.2007
60:19
2005
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4025438080345
B 108 034


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"Die Violinsonate von Hans Pfitzner gehört zu den am seltensten gespielten Werken ihrer Gattung. Auf der neuen CD von Markus Wolf und Julian Riem verbindet sie sich mit der ungleich bekannteren Sonate von Richard Strauss zu einem Einblick in die Münchner Musikwelt zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem Ende des Kaiserreiches.
Man kann sicherlich Pfitzners Musik als retrospektiv verstehen, während die Sonate von Richard Strauss ihrer Zeit voraus war - die Parallelen zwischen beiden Werke sind aber unüberhörbar.
Auf dieser neuen Einspielung ist Markus Wolf erstmalig mit der "Vollrath-Stradivari" aus dem Jahre 1722 auf Tonträger zu hören, einer Leihgabe der BayernLB.

Wir danken der BayernLB für die freundliche Unterstützung!

Markus Wolf
In Wien geboren, 1987 Erster Konzertmeister der Wiener Symphoniker, seit 1989 Erster Konzertmeister an der Bayerischen Staatsoper München. Studium an der Wiener Musikhochschule bei G. Pichler (Alban Berg Quartett), 1983 Solistendiplom mit Auszeichnung. Als Solist und Kammermusiker Auftritte u.a. mit Wolfgang Sawallisch, Sir Colin Davis, Zubin Mehta, Marcello Viotti, Philippe Entremont und dem Alban Berg Quartett. 1981 Gründung des "Beethoven Trio Wien", Konzerttätigkeit in ganz Europa, Japan, Mexiko, Kanada und USA. 1983-89 Assistenz bei G. Pichler an der Wiener Musikhochschule. Meisterkurse in Deutschland und Japan. In Würdigung seiner Verdienste um die Bayerische Staatsoper wurde ihm 2000 der Titel "Bayerischer Kammervirtuose" verliehen.

Julian Riem
Gewann internationale Klavierwettbewerbe in Modena/Italien (2002) und Madrid (2004). Als Kammermusiker war er Stipendiat des Deutschen Musikwettbewerbs (1996) und Preisträger beim Internationalen Kammermusikwettbewerb in Florenz (2005). Als Solist, Kammermusiker und Liedbegleiter konzertiert er regelmäßig in Europa und Japan. Ständige Duopartner sind Gavriel Lipkind, Markus Wolf und Ofelia Sala.
Er wirkte bei Aufnahmen für den BR, NDR, SWR, SWF, das ZDF, beim japanischen NHK, Radio Nacional Spanien und beim Bulgarischen Rundfunk mit. Seit 1999 ist er Lehrbeauftragter der Musikhochschulen in München und in Augsburg.

FARAO classics, November 2007 "


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crescendo Magazin: "[...] Wolf und Riem schaffen es, diesen Werken klangliche Größe, viel Atem und sinfonisches Gewicht zu geben. Eine CD, die historisch und musikalisch hochspannend gelungen ist.
Felix von Freuden "

Partituren: "[...] Wolf, Konzertmeister der Bayerischen Staatsoper, und Riem setzen die unterschiedlichen Klangwelten beider Werke überzeugend um. Die ausgezeichnete Technik vervollkommnet eine sehr empfehlenswerte Aufnahme.
CMS "


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Farao Classics

Ein Idee wird zum Erfolg

FARAO classics wurde vor über einem Jahrzehnt mit der Vision gegründet, den künstlerischen Prozess einer Musikproduktion von der Planung über die Aufnahme, den Schnitt und die Mischung bis zur Veröffentlichung maßgeblich in die Hände von Musikern zu legen. Mit dem Ziel eine einzigartige Aufnahme mit künstlerischer Persönlichkeit zu schaffen, finden bei uns kurzlebige kommerzielle Erfolgsaussichten und marketingtechnisches Kalkül keine Berücksichtigung. Vielmehr stellt sich vor jeder neuen Produktion die Kernfrage: Gibt es einen zwingenden künstlerischen Grund, warum die Aufnahme erscheinen soll? Auch in den Bereichen Vertrieb und Öffentlichkeitsarbeit zeigen sich die Vorteile einer unabhängigen Plattenfirma - kurze Wege, persönliches Engagement und Liebe zum Produkt.

In München zu Hause, international anerkannt

Erstklassige Künstler, spannende Projekte und Interpretationen, hervorragende Klangqualität und eine aufwändige Produktausstattung sorgen bei Presse und Publikum immer wieder für Furore. So konnten sich unsere Veröffentlichungen auch weltweit im Tonträgerhandel etablieren und sind in allen wichtigen Märkten erhältlich.

Hörgenuss in Surround - Pure Audio Blu-ray Disc | SACD

Eine außergewöhnliche Klangqualität unserer Aufnahmen ist seit jeher eines der wichtigsten Ziele von FARAO classics. Musik außerhalb des Opernhauses oder Konzertsaales hören und dennoch ein Höchstmaß an musikalischer Authentizität und klanglicher Brillanz zu genießen, war und ist bei uns Standard. Der Traum aber, den Zuhörer zuhause in ein verblüffend reales Hörerlebnis zu versetzen ist Realität geworden - 5.0 Surround!

Die hochauflösenden Tonträger Pure Audio Blu-ray Disc und SACD mit ihrer Fähigkeit Musik dreidimensional wiederzugeben, stellen eine neue Dimension des Hörens dar. Eine geeignete Surround-Anlage vorausgesetzt, "befindet" sich der Zuhörer inmitten des Klangeschehens und kann so die Musik viel plastischer miterleben, als dies jemals zuvor möglich gewesen wäre! Auch wird die Klangqualität der CD, bedingt durch die höhere digitale Auflösung, um ein Vielfaches übertroffen.

Pure Audio Blu-ray Disc

Resultierend aus der hohen Speicherkapazität der Blu-ray Disc (kurz BD) ist es erstmals möglich den Ton absolut verlustfrei zu speichern und die Aufnahme somit in voller, hochauflösender Studioqualität wiederzugegeben - was man hört entspricht der Qualität der Masteraufnahme!

Die Blu-ray Disc unterstützt die Tonformate der nächsten Generation: Dolby TrueHD, DTS-HD und originäres LPCM. FARAO classics produziert in Stereo (LPCM 96 kHz/24bit) und im Surround Format 5.0 (DTS-HD).

Ein weiterer wesentlicher Vorteil der erheblich höheren Kapazität der Blu-ray Disc: neben vielen Stunden Spielzeit im hochauflösenden Stereo- bzw. 5.0 Surround Format können auch Filme mit Interviews und Portraits der Künstler in HD-Qualität als Bonusmaterial enthalten sein.

Wie der Name Pure Audio Blu-ray Disc aber schon sagt, das eigentliche Programm enthält kein Bildmaterial des Konzerts oder der Studioaufnahme. Die Pure Audio Blu-ray Disc kann genau wie eine CD abgespielt werden, ohne das TV-Gerät einschalten zu müssen. Die Tonspuren, wahlweise Stereo LPCM oder 5.0 DTS-HD, werden über die Farbtasten der Fernbedienung des Blu-ray Players ausgewählt. Die einzelnen Titel lassen sich auch mit den Zifferntasten direkt ansteuern. Die visuellen Optionen (Bildschirm-Menü) können, müssen aber nicht benutzt werden. Um die Aufnahmen auch im Auto, auf herkömmlichen CD-Playern oder anderen Geräten abspielen zu können, liefern wir die Pure Audio Blu-ray Disc zusammen mit einer zusätzlichen CD aus - ohne Aufpreis!

Eine SACD-Hybrid kann sowohl auf CD-Playern (in CD-Qualität), als auch auf SACD-Playern (hochauflösend in Stereo oder Mehrkanal) abgespielt werden. Durch diese Kompatibilität macht der Kauf einer SACD auch dann Sinn, wenn die entsprechende Anlage erst in der Zukunft angeschafft werden soll.

Musik in Klang und Bild - DVD-Video

Mit den DVD-Videos "Orphée et Eurydice" und "Rodelinda" haben wir Neuland betreten - bewegtes Bild. Während man auf dem Bildschirm der Inszenierung und den Künstlern optisch folgen kann, erfährt das Ohr dank des auf das Bild abgestimmten Surroundklangs die Illusion, sich tatsächlich im Opernhaus oder Konzertsaal zu befinden. Für "Rodelinda" wurden wir 2005 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Wir hoffen, Ihnen mit unseren Produktionen musikalische Freude zu bereiten!


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