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Sonntag, 5. Dezember 2021

Bizet, Georges - Carmen-Suite, Fassung für Streicher

Wider die Gecken


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Um die Zukunft der ernsten Musik bräuchte uns nicht bange sein, sofern sie die ‚Majors’ nicht in Lang Langs Hände legten. Gerade darum ist ernste Musik nötig, weil sie den Hörer zu heben, nicht zu erniedrigen sucht.

Es bedurfte Nietzsches, darauf hinzuweisen, dass ‚Carmen’ Wagners Opern musikalisch wie spirituell in nichts nachsteht. Wer immer noch Zweifel hegt an Georges Bizets Genius, der möge Rodion Schtschedrins ‚Carmen-Suite’ konsultieren: Der Russe, Jahrgang 1932, hat einige der ingeniösesten Findungen George Bizets zur geistvollen Nummernrevue arrangiert und ‚modernisiert’ wie ‚verfremdet’: durch Synkopierung und rhythmische Schärfung, bizarre Zäsuren, effektsichere Instrumentierung, Verdichtung und Dehnung: Bizet goes Strawinsky. Nicht, dass der dergleichen unverzichtbar wäre – aber ein intelligenter ‚Carmen’-Essai ist Schschtedrins Bearbeitung allemal, ein Ohrenöffner für jene, die unterstellen, was populär ist, könne künstlerisch wertvoll nicht sein.

Diese CD ist mit Liebe und Sorgfalt gemacht: Deutschlandradio Berlin/Genuin geben der jugendlichen Deutschen Streicherphilharmonie ein Forum. Michael Sanderling bewährt sich als Kapellmeister im besten Sinne: ohne Dünkel, ohne Pose bringt er die eminenten Talente der oft kaum zwanzigjährigen Musiker zur Entfaltung. Wie weit entfernt sich solches Musizieren, in Eintracht und Demut, vom eitlen, geckenhaften Habitus der Muti oder Maazel und allzu flamboyanter Rührigkeit nach Simon Rattles Art…

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Deutsche Streicherphilharmonie hat keinen Sympathiebonus nötig. Sie findet sich auf Augenhöhe mit den besten Orchestern, technisch wie künstlerisch. Die Homogeneität und Transparenz des Klangs, die Weite des dynamischen Spektrums zählen zu den besonderen Vorzügen dieses Ensembles. Seine Solisten – die Bratscherin Birgit Weise (geb. 1975) und Isang David Enders (geb. 1988) am Cello – zeigen sich sämtlichen Schwierigkeiten gewachsen. Jenseits alles Handwerklichen versehen sie ihren Part mit seltener Reinheit des Ausdrucks und tonlicher Leuchtkraft. Mehr noch als Schschtedrin/Bizet betrifft dies Tschaikowskis ‚Andante Cantabile’ (Enders) und Hindemiths ‚Trauermusik’ (Birgit Weise). Den jungen Musikern sind Referenzaufnahmen gelungen.

Trotz drei verschiedener Aufnahmeräume mit unterschiedlichstem akustischem Profil (Studio, Sendesaal und Kirche) ist eine durchwegs angemessene Tonqualität bewerkstelligt worden. Auch das Beiheft zeigt, dass es der ‚Sache’ gilt, nicht dem Kommerz. Selten sind Booklettexte so frei von Eitelkeit und nüchtern informativ. Sanderling und die Seinen führen den Nachweis, dass die Ehrenrettung des Musikbetriebs kein Vorrecht Venezuelas und irgendwelcher Wunderkinder ist. Um die Zukunft der ernsten Musik bräuchte uns nicht bange  sein, sofern sie die ‚Majors’ nicht in Lang Langs Hände legten. Gerade darum ist ernste Musik nötig, weil sie den Hörer zu heben, nicht zu erniedrigen sucht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bizet, Georges: Carmen-Suite, Fassung für Streicher

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
24.08.2007
Medium:
EAN:

CD
4260036255225


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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