> > > Indy, Vincent d': Klavierwerke Vol.1
Sonntag, 1. August 2021

Indy, Vincent d' - Klavierwerke Vol.1

Fortsetzung der Entdeckungsreise


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Michael Schäfer beweist mit der Interpretation dieser drei Werke, dass Vincent d´Indy ein Klavierkomponist ist, den es sich zu entdecken lohnt.

So groß das Ansehen Vincent d´Indys (1851 – 1931) zu seinen Lebzeiten war – als Komponist, Leiter der Schola Cantorum und Lehrer einiger berühmter Tondichter – so gering ist sein Bekanntheitsgrad heute, zumal hierzulande. Beim Stichwort ‚französischer Komponist‘ würden viele Musikfreunde wohl eher an Debussy, Ravel, Fauré oder Saint-Saëns denken als an d´Indy. Er passt also perfekt in die ‚unerhört‘-Reihe des Labels Genuin: Klavier- und Kammermusik der vergangenen beiden Jahrhunderte, die zu Unrecht kaum bekannt ist, soll hier einem breiteren Hörerkreis erschlossen werden. Ein Protagonist der Reihe ist der Pianist Michael Schäfer, der unlängst mit dem Klavierwerk des Briten Cyrill Scott brillieren konnte. Nun widmet er sich drei Klavierzyklen d´Indys: dem ‚Poëme des Montagnes‘ op. 15, den dreizehn ‚Tableux de Voyage‘ op. 33 und dem an Cesar Franck angelehnten Stück ‚Thème varié, fugue et chanson‘ op. 85. Alle drei Werke präsentieren sich vergleichsweise schwer zugänglich: Melodien, die ins Ohr gehen, wird man vergeblich suchen. Die hohe Kunstfertigkeit entschädigt dafür aber reichlich, d´Indy entpuppt sich als Komponist, der unter einer bisweilen spröden Werkoberfläche mehr Substanz versteckt hat als manche seiner Zeitgenossen.

Damit einher geht der Verzicht auf zur Schau gestellte Virtuosität, was nicht bedeutet, dass die Stücke leicht zu spielen wären – es bedarf durchaus eines Pianisten vom Kaliber Schäfers, um vor allem die schnellen Kompositionen adäquat darzustellen. Kontrollierter Pedaleinsatz, klare Balance der Haupt- und Nebenstimmen sowie eine breite dynamische Skala zeichnen Schäfers Interpretation des ‚Poëme des Montagnes‘ aus. Einziger kleiner Makel ist der Klang; das Klavier wurde sehr direkt abgebildet, so dass die räumliche Wirkung nicht optimal ist.

In seinem op. 33 zeigt sich der Komponist als Genie im Einfangen unterschiedlichster Stimmungen, wenn auch nicht alle dreizehn Stücke auf dem gleichen Niveau stehen. Der Vergleich mit Schumann rührt nicht im mindesten an d´Indys Originalität, sondern zeigt vielmehr die Internationalität romantischen Komponierens – die ‚Tableux de Voyage‘ kann man neben die ‚Novelletten‘ oder die ‚Humoreske‘ Schumanns stellen, ohne einem der beiden Tondichter Unrecht zu tun. Schäfer gelingt es, jedem der Stücke eine eigene Farbe abzugewinnen, wobei auch hier das kontrollierte Spiel im Vordergrund steht.

‚Thème varié, fugue et chanson‘ wirkt ein wenig blasser als die beiden vorangegangenen Werke, was weniger an Schäfers Klavierspiel als an der Komposition selbst liegt – d´Indy war hier wohl schon ein wenig altersmüde. Zwar stimmt das Handwerkliche nach wie vor, aber in der Substanz sind Abstriche bemerkbar. Das offensichtliche Vorbild Franck konnte er jedenfalls nicht erreichen. Schäfer ist bemüht, das Gefälle nicht zu deutlich hervortreten zu lassen, aber ein gewisses Abfallen des Spannungsbogens macht sich doch bemerkbar.

Wer mit dem Namen d´Indy bisher nichts als ‚Frankreich‘ verband, der kann mit dieser CD einen unbedingt hörenswerten Komponisten kennenlernen. Michael Schäfer hält das hohe Niveau seiner Scott-Veröffentlichung und wird seine Entdeckungsreise durch die eher unbekannte Klavier-Literatur der vergangenen 200 Jahre hoffentlich noch lange fortsetzen. Das Tüpfelchen auf dem ‚i‘ ist die sehr edle und ansprechende Gestaltung des Booklets.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Indy, Vincent d': Klavierwerke Vol.1

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
23.02.2007
Medium:
EAN:

CD
4260036250831


Cover vergössern

Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Von Dr. Michael Loos zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Neues vom Schatzgräber: Die fünf kleineren Stücke präsentiert Schäfer als teils humorvolle, teils pathetische Charakterwerke von erstaunlicher Vielfalt. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, 21.03.2006)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Genuin:

blättern

Alle Kritiken von Genuin...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Michael Loos:

  • Zur Kritik... Konzertantes vom 'Ghost Fiddler': In Hollywoods legendären Jahren war er der 'favourite ghost fiddler' – mit dieser 6-CD-Box kann man Louis Kaufman aber auch als höchst engagierten klassischen Geiger kennenlernen. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Wiederbelebung mit Teilerfolg: An der interpretatorischen Leistung liegt es nicht, wenn von den hier versammelten fünf Werken des Franko-Schweizers Pierre Wissmer nur zwei wirklich überzeugen können. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Gershwin modern oder Finnissy verjazzt: Michael Finnissy und George Gershwin – passen nicht zusammen? Doch, das beweist der Pianist Lukas Huisman mit dieser Veröffentlichung. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Michael Loos...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (1/2021) herunterladen (2500 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2021) herunterladen (3560 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Ludwig van Beethoven: Egmont op.84

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich