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Freitag, 19. Oktober 2018

Antheil, George - The Brothers

Amerikanische Oper


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


CPO legt mit George Anteils 'The Brothers' eine in allen Belangen erstklassige Einspielung vor.

George Antheil (1900–1959) ist nicht gerade als Opernkomponist eine bekannte Größe. Der ‚amerikanische Milhaud‘, wie man ihn vielleicht nennen kann, hat, lernt man seine Musik erst einmal kennen, ein ganz eigenes Profil, das immer wieder zu erstaunen weiß. Schon in seine Erste Sinfonie von 1920 integrierte er Jazzrhythmen. 1922 lernte er in Berlin Strawinsky kennen und zog 1923 nach Paris, wo Ezra Pound zwei Violinsonaten in Auftrag gab. 1933 kehrte er endgültig in die USA zurück und ließ sich 1936 in Hollywood nieder. Eine wichtige neue Phase in seinem Schaffen begann 1942, als Boosey & Hawkes seine Vierte Sinfonie zur Veröffentlichung annahm. In dieser letzten Schaffensphase entstanden nicht nur die Fünfte Sinfonie, das Violinkonzert, die letzten drei Klaviersonaten und mehrere Opern, darunter 'The Brothers', 1954 entstanden und im selben Jahr in Denver uraufgeführt.

'The Brothers' ist eine Art biblische Oper, eine Neuerzählung der alttestamentlichen Geschichte von Kain (hier: Ken) und Abel (hier: Abe). Wir haben die Familie Adams – die beiden Brüder und Mary, Abes blinde Ehefrau, die früher einmal mit Ken liiert war. Die Rivalität der beiden Brüder hat sich bis in die Gegenwart bewahrt. Die menschliche Tragödie, zugespitzt durch die Tatsache, dass einer der Brüder ein Kriegsverbrechen begangen hat und nun zur Verantwortung gezogen werden soll, ist unausweichlich.

Antheil verfasste das Libretto zu seinem aus drei Szenen bestehenden Einakter selbst – den fünf Sängern hat er dankbare Rollen in die Kehlen geschrieben. Rebecca Nelsen, die bereits in Venedig und Dresden zu hören war, bringt Jugendlichkeit und Charme ein – eine Mischung aus Barbara Bonney, Dawn Upshaw und Natalie Dessay, wenn man so möchte. Der amerikanische Tenor Ray M. Wade Jr. singt Abe. Der Schüler u.a. von George Shirley hat das rechte Timbre für den Part, den früher ein Jerry Hadley gesungen hätte. In der Höhe oder bei länger gehaltenen Tönen klingt Wade immer wieder einen Hauch bemüht, zu offen – doch selbst diesen potenziellen Mangel nutzt Wade als Charakterisierungsmittel. Im großen Liebesduett der zweiten Szene harmonieren Nelsen und Wade perfekt. Der englische Bariton William Dazeley singt Abes Bruder Ken. Die Vielschichtigkeit von Kens Charakter weiß er bestens zu transportieren, doch hat er für eine Kammeroper vielleicht mittlerweile eine zu große Stimme, gerade neben den eher etwas leichteren Stimmen von Nelsen und Wade wirkt sie fast überpräsent. Man würde heute von ihm gerne eine Rolle wie den Claggart in Brittens 'Billy Budd' hören, eine Rolle, in die er über die Jahre hineingewachsen sein dürfte. Ein triumphales Sängergespann, das einen keinen Moment kalt lässt, das das menschliche Drama wahrhaft lebendig macht.

Der Kanadier E. Mark Murphy und der Pole Piotr Prochera spielen die beiden Comprimarii‘ Ron und Jim. Antheil fordert keine besondere Charakterisierungsfähigkeit, außer dass beide ‚tough guys‘ sind, Jim ‚definitively on the psychopathic side‘. Auch diese beiden Partien sind hochkarätig, vollwertig besetzt (auch wenn Murphys Charaktertenorstimme nicht als besonders wohlklingend bezeichnet werden kann).

Trotz der nicht großen Orchesterbesetzung weiß Antheil durchaus mit farbigem Orchesterklang zu überzeugen, der guten Gewissens amerikanisch genannt werden kann, selbst dort, wo der Anfang der 'Walküre' zitiert wird. Steven Sloane, seit 1994 Leiter der Bochumer Symphoniker, beherrscht das Idiom bestens, der Schüler Eugene Ormandys und Gary Bertinis füllt die kleine Oper mit intensivem Leben. Das Orchester könnte ebenso gut Los Angeles Philharmonic Orchestra heißen – eine eindrucksvolle Visitenkarte der Bochumer Symphoniker, die bislang recht wenige CDs vorgelegt haben. Makellose Tontechnik und ein rundum gelungenes Booklet lassen nur einen Schluss zu: sehr empfehlenswert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Antheil, George: The Brothers

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.01.2011
EAN:

761203754526


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Antheil, George
 - Scene One - Mary And in the process of time (Allegro)
 - Scene One - Ken Good morning, folks! (Allegretto)
 - Scene One - Ken Dad willed it to you
 - Scene One - Arie Ken Once, years ago (Andante espressivo)
 - Scene One - Tutti The bus!
 - Scene Two - Mary Abe, is that you?
 - Scene Two - Mary I've got to talk to you
 - Scene Two - Arie Mary My love's a ghost (Adagio)
 - Scene Two - Ran Well? Why don't you call for your husband? (Allegro)
 - Scene Two - Abe Mary, my precious lovely one
 - Scene Two - Mary Yes, yes, it was one of my dreams! Abe What, Mary?
 - Scene Three - Mary And the Lord said unto Cain
 - Scene Three - Mary You you you monster! (Allegretto)
 - Scene Three - Abe Mary, Mary dear - Have you turned out the light?


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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