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Sonntag, 27. Mai 2018

Bruch, Max - Werke für Violine & Orchester

Gesamtpaket


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Gesamtpaket stimmt - auch wenn einige kleinere Schwächen in dieser Einspielung von Max Bruchs Werken für Violine und Orchester festzustellen sind.

Es gibt CDs, die machen einfach Freude. Das geht los bei ansprechender und vorbildlicher Cover- und Bookletgestaltung, geht weiter über die Werkzusammenstellung und endet auch nicht mit den Interpretationen. Die Summe der einzelnen Teile ist mehr – sie ist ein gelungenes Gesamtpaket.

Die Musik von Max Bruch ist sicher nicht jedermanns Geschmack – manch einer mag denken, Bruch war ein Akademiker in einer Zeit des musikalischen Umbruchs. Aber Bruch war weit mehr – ähnlich Camille Saint-Saëns war er eine Schlüsselfigur seiner Zeit, ein Komponist, der, als Zeitgenosse Wagners und Brahms’ beginnend, erst nach Max Reger oder Claude Debussy starb. Seine bekanntesten Kompositionen sind natürlich das Violinkonzert g-moll und 'Kol Nidrei' für Violoncello und Orchester. Und doch gewinnen diese beiden Werke auf der vorliegenden CD einen neuen, einen erweiternden Kontext. Gleich zu Beginn Kol Nidrei – doch was ist das? Nicht etwa in der bekannten Fassung mit Violoncello, sondern in Bruchs eigener Fassung mit Violine, in Weltersteinspielung. Das Werk erlangt einen anderen, ganz eigenen Charakter in der Fassung mit Violine, konzertant-virtuoser, aber nicht wirklich äußerlicher. Alexandre da Costa ist sicher ein guter Geiger, jeder Ton sitzt, und dass er für meinen Geschmack ein wenig zu viel Vibrato nutzt, ist eben vor allem Geschmackssache. Ich habe da auch Salvatore Accardos „Gesamteinspielung“ der Violinwerke für Philips im Ohr. – Der andere „Schlager“ des Programms ist naturgemäß das die CD schließende g-moll-Violinkonzert. Durch die In-Beziehung-Setzung zu 'Kol Nidrei' erlangt auch das Konzert eine zusätzliche Bedeutungsebene; hier gefällt mir Alexandre da Costa auch besser, man merkt, dass dies ein Repertoirestück ist, hier sitzt alles, das Vibrato hat das richtige Maß, das Orchester ist bestens ausbalanciert. Bruch wird hier Dvorák angenähert, was dem Werk gut tut, ihm gleichzeitig auch nicht die Eigenart nimmt.

Gilad Karni ist Solist in der 'Romanze für Viola und Orchester' op. 85; der Gewinner des Tertis-Violawettbewerbs ähnelt klanglich da Costa, so dass die 'Romanze' wie ein weiteres Gegenstück zu Kol Nidrei erscheint; die beiden Werke ergänzen einander und erweisen, was für ein großartiger Orchesterkomponist Max Bruch war. Dies erweist sich auch in der 'Serenade über schwedische Volksmelodien' – ja, auch hier, in einer Komposition für Streichorchester, die an Rudolf Volkmanns 'Serenade' und fern auch ein wenig an Dvorák gemahnt. Etwas problematischer als beim Violinkonzert scheint hier (und auch bei den anderen Werken) die Aufnahmeakustik – manche Nebenstimme erlangt überraschende Prominenz (bei 'Kol Nidrei' etwa die Harfe), Pizzicati sind von fast übertriebener Prägnanz. Und doch stellt sich immer wieder ein äußerst gelungener Gesamteindruck ein, ja vielleicht bewirken die kleinen „flaws“ sogar, dass das Gesamtergebnis lebensvoller wirkt.

Zuletzt eine zweite Weltpremiere – die Ouvertüre zu Bruchs Opus 1, dem Singspiel 'Scherz, List und Rache'. 1982 war dieses Werk in der Kölner Oper in der Reihe „Oper am Klavier“ zu hören, passenderweise, nicht nur weil Bruch aus Köln stammte, sondern auch, weil die Partitur verloren ging. Der südafrikanische Komponist Stefans Grové (* 1922), Schüler u.a. von William Henry Bell und Erik Chisholm, hat auf Grundlage des Klavierauszuges eine Neuorchestrierung vorgelegt. Der Unterricht bei aus zwei aus Großbritannien stammenden Komponisten hat eindeutige ‚europäisierende‘ Spuren hinterlassen, äußerst angemessen für ein Frühwerk Bruchs. Chisholm war ein großer Stilist und Bell als ehemaliger Student der Royal Academy of Music bestens vertraut mit dem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Europa herrschenden musikalischen Idiom. Grovés Orchestrierung ist charmant und elegant, sehr überzeugend im Gesamtergebnis, da stört es auch nicht, wenn ein paar Holzbläser in problematischen Momenten nicht ganz sauber sind. Das Gesamtpaket stimmt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruch, Max: Werke für Violine & Orchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Aufnahmejahr:
Guild
1
29.01.2010
2009
EAN:
BestellNr.:

795754733822
GMCD 7338


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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