> > > Telemann, Georg Philipp: Kapitänsmusik 1744 TWV 15: 15
Donnerstag, 22. November 2018

Telemann, Georg Philipp - Kapitänsmusik 1744 TWV 15: 15

Prachtvolle Feier für das Bürgertum


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Manfred Cordes fantastische Einspielung von Telemanns Kapitänsmusiken bringt das selten zu hörende Genre der bürgerlichen Repräsentationsmusiken zurück ins öffentliche Bewusstsein.

Wie man sich gegenüber Belagerungen, kriegerische Nachbar und machtversessene Adelige behauptet, wussten die Hamburger Bürger schon früh. Immer wieder hatten sie ihre Freiheit zu verteidigen, und immer gelang es ihnen, sich Dank ihres großen Wohlstands aus den misslichen Lagen freizukaufen oder eine schlagkräftige Bürgerwehr auf die Beine zu stellen. Man blickte stolz auf seine Stadt und legte Wert darauf, dass dies auch öffentlich gezeigt wurde. So veranstalteten die Hamburger Bürger jährlich große Feiertage, an denen ihre Bürgerwehren gefeiert und bejubelt wurden. Geleitet wurden die Wachen und Kompanien von so genannten Bürgerkapitänen. Für deren jährliche Bankette schrieb Telemann die passenden Prunkmusiken. So gab es vor dem Essen ein Oratorium und gegen Ende des Abends eine Serenata.

Von den weniger als 10 erhaltenen Werk-Paaren Oratorium und Serenata, die Telemann im Laufe seiner 46-jährigen Dienstzeit in Hamburg für die Bürgerkapitänsfeiern verfasste , ist nun die Musik zum großen Bürgerkapitänsessen von 1744 in einer Einspielung vom Ensemble Weser-Renaissance unter der Leitung von Manfred Cordes bei cpo neu erschienen.

Die aussagekräftigen Titel des Oratoriums ‘Vereint euch, ihr Bürger’ und der Serenata ‘Freyheit!’ zeigen dem Hörer sogleich, worum es hier geht. Mit Pauken und Trompeten lässt sich das hanseatische Bürgertum feiern. Telemann nutzt die Chance, mit einem reichen Instrumentarium prächtige Musik zu schreiben. Cordes wählt deswegen ein reich besetztes Orchester (unter anderem mit Querpfeife, Quartflöte, Trommel und Chitarrone), dem er eine kleine, aber stimmstarke Solistenschar gegenüberstellt. Die Capella der Weser-Renaissance ist mit Julie Comparini (Alt), Mirko Ludwig (Tenor) und Carsten Crüger (Bass) besetzt. Dazu kommen als Solisten die Sopranistinnen Dorothee Mields, Monika Mauch und Ulrike Hofbauer, der Tenor Immo Schröder und der Bassist Dominik Wörner.

Den Auftakt bildet die Arie mit Chor ‘Vereint euch, ihr Bürger’ in dem der Hamburger Schutzgeist auftritt. Dorothee Milds führt die Musiker mit Schwung und Nachdruck an. Cordes wählt einen sehr schön durchsichtigen Ensembleklang, mit dem er exquisit feine Klangeffekte zu zaubern weiß. Die Chorsätze sind gut gearbeitet, die Stimmen fügen sich zusammen mit dem Orchester zu einer organischen Struktur, bei der aber immer noch die Textverständlichkeit gewahrt bleibt. Wörner leiht der ‘Dankbarkeit’ seine Stimme und singt ‘Du, Gott, tränkst unser Felder Furchen’ sehr kraftvoll. Die Koloraturen sind etwas manieriert ausgestaltet, da er die einzelnen Töne zu gewollt von einander trennt, und auch sonst verliert sein Vortrag etwas unter seiner groben Phrasierung.

Die ‘Freude’ wird von Immo Schröder gesungen. Er hat eine sehr charakteristische Stimmfärbung, die von einem leicht kehligen Klang geprägt ist. Seine Interpretation der Arie ‘Du Gott, bestimmst aus deinen Höhen’ ist beschwingt und leicht und er kommt mit den Verzierungen gut klar. Insgesamt scheinen die Männerstimmen aber nicht ganz so gut besetzt zu sein wie die Frauenparts. Besonders schön ist beispielsweise der Gesang von Ulrike Hofbauer, die als ‘Freyheit’ einen strahlend hellen, funkelnden, makellosen Sopran zeigt. Ihre Stimme ist biegsam, geschmeidig und fein geführt.

Die Serenata ‘Freyheit’ hat eine absolut faszinierende Einleitung mit einem schwungvollen ‘Chor der Bürger’, der effektvoll ist und Hitpotential hat. Cordes lässt ihn so strahlend und jubilierend musizieren, dass er wie eine ‘Ode an die Freude’ wirkt. Insgesamt sind auch hier Soloarien und Ensemblesätze von Cordes differenziert und einfühlsam ausgearbeitet. Die Einspielung ist musikalisch schön und durchweg hörenswert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann, Georg Philipp: Kapitänsmusik 1744 TWV 15: 15

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
2
20.04.2009
EAN:

761203739028


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Dirigent(en):Cordes, Manfred


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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