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Samstag, 15. Dezember 2018

Puccini, Giacomo - Manon Lescaut

Packender Puccini


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die vorliegende Produktion des Chemnitzer Opernhauses von Puccinis ?Manon? aus dem Jahr 2007 verdient sich sowohl in puncto Regie als auch musikalische Qualität durchweg sehr gute Noten.

Aus dem Chemnitzer Opernhaus kommt eine bei ARTHAUS neu erschienene Produktion von Puccinis ‘Manon Lescaut’. Deren Handlung in Kürze: Der arme Theologie-Student Des Grieux verliebt sich Hals über Kopf in die schöne, leider allerdings etwas flatterhafte Manon. Nicht zuletzt, weil sie eigentlich so gar keine Lust darauf hat, ihr Leben, wie zunächst geplant, zukünftig als Nonne in einem Kloster zu fristen, brennt sie mit ihrem jungen, mittellosen Verehrer spontan nach Paris durch, wo sie sich nach einer Weile an dessen Seite jedoch nach einem glamouröseren Leben sehnt. Aufgrund dessen wendet sie sich vorübergehend dem wohlhabenden Steuerpächter Geronte zu, in dessen Haus sie sich trotz Luxus und Reichtum aber wiederum bald zu langweilen beginnt und feststellt, dass ihr Herz eigentlich doch dem armen Studenten gehört. Prompt fädelt ihr Bruder ein Treffen zwischen den beiden ein, in dessen Rahmen sie beschließen, einen Neuanfang zu wagen und abermals gemeinsam zu fliehen. Dummerweise zögert Manon, die rasch noch eben so viele Wertsachen wie möglich einpacken will, einen Tick zu lange und wird das Paar, noch ehe es soweit kommt, durch den zwischenzeitlich hereinplatzenden, erbosten Hausherrn überrascht, der die untreue Geliebte umgehend verhaften und zur Verbringung in eine amerikanische Strafkolonie verurteilen lässt. Zwar gelingt es Des Grieux in letzter Sekunde, sich mit nach Übersee einschiffen zu lassen, doch finden sich die Unglückseligen – wegen erneuter Eskapaden Manons – im weiteren Verlauf alsbald erneut auf der Flucht wieder. In einer entlegenen Wüste muss Des Grieux schließlich hilflos mit ansehen, wie Manon entkräftet und vor Durst stirbt.

Puccinis erste seiner wirklich großen Partituren erfährt in dieser Inszenierung eine dramaturgische Umsetzung in zwar überwiegend konservativ-traditionellen, jederzeit aber lebendigen und im besten Sinne des Wortes schönen, liebevoll gestalteten Bildern. Einzig im vierten Akt verlässt die Regie – quasi mit Erreichen des Handlungshöhepunktes und kontrastierend zum vorherigen Geschehen – die bisher eingeschlagenen Pfade und verlagert das Geschehen kurzerhand zurück nach Paris in ein Kanalisationsgewölbe. Ein gelungener Schachzug, der visuell und atmosphärisch eindrücklich das verzweifelte Ende der in die finale Sackgasse geratenen, ganz und gar sich selbst und ihrem Schicksal überlassenen Liebenden  symbolisiert. Einziger Wermutstropfen hierbei, dass sich das gewählte Ambiente als akustisch nicht ganz so vorteilhafter Klangraum erweist. Verzichten können hätte man auch auf die gelegentlich eingestreuten, wallenden Nebelschwaden in bläulichem Zwielicht, die unfreiwillig die cinematographische Assoziation mit John Carpenters ‘The Fog’ hervorrufen. Die alles in allem trotzdem sehr zu lobende  Regieleistung ist dabei insofern desto höher zu bewerten, als Ansgar Weigner erst kurzfristig für den krankheitsbedingt ausgefallenen Dietrich Hilsdorf eingesprungen und zum Zeitpunkt der ersten Proben noch völlig unvorbereitet ins kalte Wasser geworfen worden war.

Als durchgehend geglückt erweist sich auch die sängerische Besetzung. Astrid Webers (Manon) Stimme klingt lediglich anfangs in der Tiefe ein wenig dünn, bevor sie im weiteren Verlauf schon nach kurzer Zeit zu einer spannungsgeladenen Dynamik in allen Registern findet. An den einschlägigen Extremstellen in der Höhe etwas angestrengt, insgesamt aber mit vollem, ausdrucksstarkem Ton agiert Zurab Zurabishvili in der Rolle des Des Grieux. Beiden Hauptdarstellern gemeinsam ist zudem eine hochwertige schauspielerische Leistung. Mitunter sowohl darstellerisch als auch musikalisch etwas zurückhaltend, jederzeit aber mit schlankem und natürlichem Timbre bestreitet Kouta Räsänen die Partie des Geronte, und Heiko Trinsinger gibt einen Lescaut, dessen opportunistisch-verschlagenem Charakter er stimmlich wie in Gestik und Mimik scharfe Konturen verleiht. Nicht zu vergessen schließlich auch der in jeder Hinsicht souveräne Auftritt Edward Randalls als Edmondo – kurzum: eine von den Hauptprotagonisten bis zum Laternenanzünder geschlossen überzeugende Darbietung.

Klangschön und stets homogen begleitet die Robert-Schumann-Philharmonie unter Frank Beermann, der gekonnt ins Kitschige oder zu Schwülstige abgleitende Temposchwankungen vermeidet und die feine Architektur in den Mittelstimmen präzise freilegt.

Reichhaltige Features, u.a. in Gestalt spannender und ausführlicher Interviews, ergänzen diese alles in allem fesselnde und folglich unbedingt zu empfehlende Produktion optimal.  

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Puccini, Giacomo: Manon Lescaut

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Arthaus Musik
1
11.09.2008
120
2007
EAN:
BestellNr.:

807280131994
101 319


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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