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Dienstag, 30. November 2021

Ravel, Maurice - Streichquartett in F

Seidiger Klang


Label/Verlag: Animato
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Nach einer gemeinsamen Aufnahme mit dem Cuarteto Leonor stellt sich das Jade-Quartett mit seiner ersten eigenen CD vor.

Wer hat sich denn da im Tropenwald verirrt? Drei asiatische Damen und ein Europäer lächeln in Abendrobe vor einem Wasserfall um die Wette. Dieses Motiv in Pastelltönen ziert nicht etwa das Werbeposter irgendeiner fernöstlichen Tourismusbehörde, hier handelt es sich um das Cover einer Kammermusik-CD – das Design, das sich im Inneren der Verpackung mit Kirschblüten und asiatischen Schriftzeichen fortsetzt, ist genauso Programm wie der Name Jade Quartett. Und der ist nicht nur assoziativ-atmosphärisch: JA steht im Chinesischen für Asien, und DE kann auch als Abkürzung für Deutschland verstanden werden – der Ort, an dem das Quartett lebt und arbeitet. Die Formation, die beim Melos Quartett in Stuttgart gelernt hat, gilt in Fachkreisen als äußerst vielversprechend. Nach der Aufnahme des Oktetts op. 20 mit dem Cuarteto Leonor stellt sich das junge Ensemble nun mit seiner ersten eigenen CD vor. Auf dem Programm stehen Werke von Ravel, Dvoøák, Webern und Lee.

Natürlichkeit und Eleganz

 

In Ravels Quartett in F-Dur zeigt das Jade Quartett gleich mit dem ersten Ton einen seidigen Klang, der zu seinem Markenzeichen werden könnte. In der harmonischen Weite des ersten Satzes, erkunden die Musiker neugierig Motive, zeigen Mut zu echten Piani und setzen wohlüberlegte Akzente, ohne dabei jemals weichgespült zu klingen. Mit entschiedenen Klanggesten, wie im Pizzicato des zweiten Satzes oder dem lyrischen Ausbruch des dritten Satzes, beweisen sie Profil und einen analytischen Zugang, dem ein unbeirrbarer Sinn für Natürlichkeit und Eleganz jede Trockenheit nimmt.

Ganz der Spätromantik verpflichtet komponierte Anton Webern 1905 seinen ‘Langsamen Satz’. Da war er noch gänzlich unberührt von Arnold Schönberg und seiner Zwölftonmusik. Das Jade Quartett deutet das achtminütige Werk mit feingeistigem Empfinden und romantischer Gestik. Dabei decken die Musiker die Abhängigkeit des Werks von Johannes Brahms auf und behalten den Überblick auch dort, wo die Harmonik aufs äußerste verdichtet wird.

Weltersteinspielung

Dvoøáks ‘Amerikanisches Quartett’ ist das berühmteste Kammermusikwerk des Komponisten, obwohl es in seiner bewussten Einfachheit nicht gerade repräsentativ für ihn ist. Die Jades unterstreichen die Schlichtheit des Werkes mit graziler Sprödigkeit. Das Anfangsmotiv des ersten Satzes lassen die Interpreten spannungsvoll federn und geben der Sangbarkeit des zweiten Satzes Raum, ohne falsche Sentimentalität aufkommen zu lassen. Unmittelbar und frisch gelingen das ‘Molto vivace’ und der Übergang ins rhythmisch akzentuierte und orchestral zugespitzte Finale.

Mit der Weltersteinspielung des Heldenliedes ‘Ewiger Frühling’ des aus Taiwan stammenden Taishiang Lee lenkt das Jade Quartett den Blick auf Asien. In der einsätzigen Komposition verbinden sich chinesisches Kolorit und westliches Klangrepertoire zu impressionistischen Klängen. Den Wechsel zwischen den musikalischen Welten meistert das deutsch-asiatische Ensemble mit Leichtigkeit. Man darf gespannt sein, was dieses Ensemble in Zukunft noch zu Gehör bringt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ravel, Maurice: Streichquartett in F

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Animato
1
11.10.2013
74:59
2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4012116610734
ACD6107


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"Nach ihrer ersten CD, zusammen mit dem aus Spanien stammenden Cuarteto Leonor, stellt das deutsch-asiatische Jade Quartett nun sein erstes Album als Streichquartett vor. Das Programm, wie die Besetzung des Quartetts, ist eine Verbindung asiatischer und europäischer Kultur. Das Jade Quartett sieht sich als Mittler zwischen den Welten und versucht asiatische Komponisten und deren Musik hier in Europa bekannt zu machen, als auch die europäische Streichquartettliteratur in Asian (besonders in Taiwan und Korea). Das Werk des aus Taiwan stammenden Taishiang Lee ist hier in Weltersteinspielung zu hören! Wichtig ist dem Quartett, neben technischer Perfektion, vor allem eine werkgetreue Interpretation. Eine intensive Auseinandersetzung des jeweiligen Komponisten und seiner Zeit, zusammen mit viel Feinsinn und einer technisch tadellosen Interpretation, geben den Werken eine wunderbare ursprüngliche Präsenz. Das JADE QUARTETT JADE meint nicht nur den in China bedeutungsvollen Stein. 
JA ist die chinesische Bezeichnung für Asien, der Heimat der vier jungen Musiker, die sich in Deutschland- DE- getroffen haben, um gemeinsam zu musizieren. (Han-Lin Liang - Violine, Hyun-Ji You - Violine, Daniel Rehfeldt - Viola , Shih-Yu Yu - Violoncello.) Das im Jahr 2002 gegründete Quartett wird noch im selben Jahr zum Osaka International Chambermusic Competition eingeladen, wo es mit mit großem Erfolg teilnimmt. Eine intensive Konzertkarriere schließt sich an: Mit über 40 Konzerten pro Jahr gehört das Jade Quartett zu den vielversprechendsten jungen Streichquartetten. Das Ensemble wird regelmäßig zu bedeutenden Festivals wie dem Oberstdorfer Musiksommer oder dem Musikalischen Sommer Ostfriesland eingeladen, und konzertiert darüber hinaus im europäischen Ausland, Taiwan und Japan. Der 1. Preis beim deutschlandweiten Hochschulwettbewerb 2004 und die Verleihung des Iris- Marquart Preises sind aktuellsten Auszeichnungen, die aus der gemeinsamen Arbeit hervorgegangen sind. Das Jade Quartett ist außerdem Stipendiat der Stiftung Villa Musica und der Karl Klingler Stiftung. Höhepunkt ihrer Karriere ist der Gewinn des 3. Preises beim Osaka International Chambermusic Competition 2005. Im Februar 2006 absolvieren die vier Musiker den Studiengang 'Kammermusik mit Streichquartett' mit Auszeichnung. Neben der Aufführung der klassischen Streichquartettliteratur hat sich das Jade Quartett vor allem durch die Interpretation zeitgenössischer Werke einen Namen gemacht. Ein Beispiel hierfür ist das eigens für die Musiker geschriebene Streichquartett "Maria Flucht nach Ägypten" des österreichischen Komponisten Peter Barcaba. Vom SWR mitgeschnittene Konzerte (u.a. im Rahmen der Schwetzinger Festspiele) und Portraits dokumentieren die musikalische Zusammenarbeit des Quartetts. "


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