> > > Hasse, Johann Adolph : Barocke Opernarien für Laute bearbeitet
Dienstag, 11. Dezember 2018

Hasse, Johann Adolph - Barocke Opernarien für Laute bearbeitet

Schatztruhe der ?leisen Musik?


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Axel Wolf lässt auf dieser wunderschönen Platte seine Laute Arien trällern, wie man es anregender nicht machen könnte.

Liest man den Titel der neuesten Veröffentlichung von Axel Wolf, diesem nimmermüden, neugierigen und stets ebenso hochmusikalisch wie virtuos agierenden Lautenisten, so könnte man sich an jene doppelte historische Brechung (man könnte sie auch als ‘historischen Knick in der Optik’ bezeichnen) erinnert fühlen, die seit einigen Jahren von Seiten der historischen Aufführungspraxis in mehreren Produktionen aufscheinen. Dabei handelt es sich nicht bloß um eine mit historischen Informationen grundierte Aufführung alter Werke, sondern um eine von diesen Interpretationsmaßstäben getragene Aufführung einer historischen Darstellung dieser Werke; so etwa eine historisch informierte Aufführung von Mozarts Version des Händelschen ‘Messias’, Mendelssohns Fass der ‘Matthäus-Passion’ oder die Interpretation von Bachs Klavierwerken auf Hammerklavier gleichsam als ein Blick Chopins auf den großen deutschen Meister.

Dass eine historische Zwischenstufe quasi historisierend aufgeführt wird (das ist mit dem ‘historischen Knick in der Optik’ gemeint), ist bei Axel Wolfs Aufnahme von Arien-Transkriptionen aus Opern Johann Adolph Hasses aber nicht der Fall. Diese in einer Leipziger Bibliothek entdeckte Handschrift beinhaltet Lauteneinrichtungen von Arien aus Opern Hasses, die zwischen 1747 und 1755 am Dresdener Hof aufgeführt wurden; Details des Manuskripts geben zu erkennen, dass der Bearbeiter zumindest einige Aufführungen erlebt haben könnte. Damit geben sich diese Transkriptionen als zeitgenössische Instrumentaleinrichtungen zu erkennen, ganz ohne doppelten historischen Boden. Und dass hier von ‘Bearbeitung’ kaum gesprochen kann, sondern eher von einem anderen Aggregatzustand desselben musikalischen Substrats, hat seinen Grund in der damaligen Praxis und Ästhetik: ohne ‘Werk’ gibt es keine ‘Bearbeitung’. Insofern hält diese reizende Produktion selbst den kleinstkarierten musikwissenschaftlichen Kriterien stand.

Hausmusik?

 

Hört man nun diese Lautentranskriptionen von Arien, einer einleitenden ‘Sinfonia’ und einer Cembalosonate, so will das Argument, es handele sich um Bearbeitungen für den Hausgebrauch, nicht so recht ziehen. Denn was hier zu bewältigen ist, scheint den (spieltechnisch) fiesesten Stücken etwa von Sylvius Leopold Weiss kaum nachzustehen. Was Axel Wolf mit technischer Perfektion meistert, mag vielmehr jenen damals hoch bezahlten Lautenisten auf den Leib geschrieben worden sein.

Und wieder einmal präsentiert sich Axel Wolf hier als ein absolut überzeugender Musiker, an dem die Behauptungen, historisch informierte Musikpraxis führe zu langweiligen, farblosen Notentextexekutionen, mit Schwung abprallen. Denn nur wenige Lautenisten unserer Tage musizieren mit einer derart undogmatischen Darstellungslust. Mit agogischen Bewegungen modelliert Wolf die Gesangslinien ganz natürlich, erzeugt Spannung und Steigerungen (etwa im Mittelteil von ‘Pupille Care’, einem der Glanzpunkte dieser CD), die nicht primär über Lautstärke hervorgerufen werden (dafür ist die Laute nicht das richtige Instrument), sondern durch gestalterische Mittel. Darin ist Axel Wolf zweifellos Meister. Dass ihm bei aller technischen Herausforderung, die er mit Bravour besteht, auch noch kleine Farbwechsel gelingen, kontrapunktische Linienführungen artikulatorisch hervorgehoben werden und alles in einem manchmal fast musikantischen Schwung vorgetragen wird, macht diese Einspielung zu einer herausragenden Produktion.

Dabei klingt seine Laute präsent, der spezifische, helle, leicht knisternde Sound ist bestens eingefangen. Nach seinem Bach-Meisterstück und der exzellenten Piccinini-Platte ist Axel Wolf damit wieder eine betörend schöne und im besten Sinne unterhaltsame Einspielung gelungen, die kein Freund der ‘leisen Musik’ missen sollte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hasse, Johann Adolph : Barocke Opernarien für Laute bearbeitet

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
01.01.2012
EAN:

4260034867109


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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