> > > Reznicek, Emil Nikolaus von: Symphonies 2 & 5
Dienstag, 11. Dezember 2018

Reznicek, Emil Nikolaus von - Symphonies 2 & 5

Gebremster Überschwang


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es ist immer schwer die Interpretation eines Werkes zu beurteilen, das keinerlei Aufführungstradition aufzuweisen hat.

Als durchwachsen könnte man die Qualität der Reihe des Labels cpo mit Aufnahmen des österreichischen Strauss-Zeitgenossen Emil Nikolaus von Reznicek bezeichnen. Nicht immer ist das, was da auf dem Silberling festgehalten wird auf dem sonst gewohnten Standard der cpo-Entdecker-Editionen. Nach den beiden erfreulichen CDs mit Tondichtungen des fast vergessenen Komponisten unter Michail Jurowski und einer sängerisch enttäuschenden Einspielung der Oper ‘Ritter Blaubart’ unter der Leitung des selben Dirigenten, sowie der hörenswerten Kieler Produktion der Oper ‘Donna Diana’, kommt nun die erste CD mit zwei Symphonien von Rezniceks heraus.

Wo bleibt die Ironie?

Die Symphonie Nr.2 ist ein 25-minütiges, formal elegant gestaltetes Werk, voller melodischer Einfälle und trägt den Beinamen ‘Ironische’. Mit klassischer Besetzung, leicht und luftig im Aufbau. Man fühlt sich mitunter an Prokofjews ‚Symphonie classique’ erinnert. Beschwingte, rasche, aber nicht hetzende Tempi bestimmen den Grundcharakter des viersätzigen Werkes. Der Umgang von Rezniceks mit seinem Material zeugt von handwerklicher Geschicktheit und Spaß am Detail. Naiv ist diese Musik nur auf den ersten Blick, denn dafür ist sie zu komplex eingerichtet.

Es ist immer schwer die Interpretation eines Werkes zu beurteilen, das keinerlei Aufführungstradition aufzuweisen hat. Doch angesichts des Informationen, die über das Werk zur Verfügung stehen, läßt sich sagen, dass der Wiedergabe etwas der Esprit fehlt, der dem Beinamen einen Sinn verleihen würde. Frank Beermann am Pult des ordentlichen Berner Symphonie-Orchesters führt ein zu strenges Regiment. Es scheint als gäbe er der Musik nicht immer die nötige Luft zum Atmen und habe wenig Gespür für Agogik (4. Satz). Und musikalischer Humor scheint seine Sache auch nicht unbedingt zu sein. Hier ein wenig mehr Feuer dahinter, dort das Holz etwas pointierter lösen, das könnte kleine Wunder bewirken.

Schon mal das Tanzbein geschwungen?

Ähnlich in der 5. Symphonie mit dem Beinamen ‘Tanz Symphonie”, deren Sätze Polonaise, Csárdas, Ländler und Tarantella überschrieben sind. Dass sie in der gleichen Traditionslinie stehen, wie beispielsweise Rachmaninows später entstandenen, ungleich populäreren ‘Symphonische Tänze’, deutet der Untertitel ‘Vier Symphonische Tänze’ an. Es sind schwergewichtige symphonische Tongemälde, der ursprünglichen Bestimmung eines Balletts genügend. Richard Strauss hat in der ‘Elektra’ einige tänzerische Stellen, die vergleichbares haben.

Beermann und das Berner Orchester sind der  Verführung erlegen den Klang des Orchesterapparats besonders groß, besonders affektiert, besonders farbenreich gestalten zu wollen. Doch was da glänzt und brodelt ist nicht immer transparent und hat nicht selten den Hang zu einem verwischten Klangbild. Wenn der volle Streicherapparat, das Blech und das Schlagwerk in voller Lautstärke ausbrechen, dann fehlt die Differenziertheit. Dem einzelnen Geschehen kann man in der Entwicklung in diesem Aufbäumen und Stampfen dann nur noch schwer folgen. Und über all dem bemühten Klangzauber geht eines ganz verloren: der tänzerische Grundgestus des Werkes. Ob Frank Beermann schon mal das Tanzbein geschwungen hat?

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Uwe  Schneider Kritik von Uwe Schneider,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Reznicek, Emil Nikolaus von: Symphonies 2 & 5

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
cpo
1
20.08.2005
66:08
2005
EAN:
BestellNr.:

761203705627
777 056-2


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Reznicek, Emil Nikolaus von
 - Symphony No 2 in B flat major "Ironic" -
 - Symphony No 5 "Dance Symphony" -


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Dirigent(en):Beermann, Frank
Orchester/Ensemble:Berner Symphonie-Orchester


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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