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Dienstag, 5. Juli 2022

Telemann - Vivaldi - Graupner - Concerti d'Amore

Von Liebesfüssen und anderen amourösen Eskapaden


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gab es in der Renaissancezeit noch eine schier unüberschaubare Zahl von Instrumententypen und –formen, so kam es im Barock zu einer zunehmenden Standardisierung. Im 18. Jahrhundert gab es nur mehr einige wenige 'kuriose' Instrumente, die später außer Gebrauch kamen – dazu gehörte die Familie der Instrumente mit dem Beinamen 'd'amore'; während die Viola d'amore ein Streichinstrument mit zusätzlichen mitschwingenden Resonanzsaiten ist, haben mit 'd'amore' bezeichnete Blasinstrumente einen 'Liebesfuß', also ein zusätzliches Teil, das für einen tieferen und sanfteren Klang sorgt.

Instrumente der Liebe – 'instrumenti d'amore'

Oboe d'amore und Viola d'amore sind noch einigermaßen bekannt, was in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass diese Instrumente in populären Werken vorgeschrieben sind: Die Oboe d'amore in den Passionen, dem Weihnachtsoratorium und vielen Kantaten Johann Sebastian Bachs, die Viola d'amore an markanter Stelle in Bachs Johannespassion. Hätten Sie aber gewusst, dass es auch eine Flöte mit Liebesfuß gab? Die Flauto d'amore mit ihrem sonoren Alt-Register hat zwar nie weite Verbreitung gefunden, wurde aber unter anderem in mehreren Werken des Darmstädter Hofkapellmeisters Johann Christoph Graupner berücksichtigt.

Abwechslungsreiches Programm mit abschließendem 'Liebeskonzil'

Auf der vorliegenden CD sind Concerti für unterschiedliche Soloinstrumente zu hören, wobei stets mindestens ein 'Liebes-Instrument' inkludiert ist. Georg Philipp Telemann ist mit einem Konzert für Querflöte, Oboe d'amore, Viola d'amore, Streicher und Continuo sowie einem Werk für Oboe d'amore, Streicher und Continuo vertreten; Von Vivaldi ist eines seiner insgesamt sechs Concerti für Viola d'amore, Streicher und Continuo zu hören, die ohne Zweifel zu seinen inspiriertesten Kompositionen überhaupt zählen. Alles gipfelt in einem regelrechten 'Liebeskonzil', Graupners Konzert für Flauto d'amore, Oboe d'amore, Viola d'amore, Streicher und Continuo. Dieses Werk ist vielleicht nicht so stringent und mitreißend wie das von Vivaldi, aber klanglich hinreißend extravagant. Ein interessantes Programm; der weiche, sanfte Klang der 'Liebes-Instrumente' wirkt wie eine Klammer. Alle Konzerte sind im italienischen Stil gehalten und wirken auch so recht einheitlich.

Erstklassige Musiker

Das Ensemble Il Gardellino besteht aus führenden Instrumentalisten der 'Alte Musik'-Szene. Sein Leiter Marcel Ponseele ist einer der führenden Barockoboisten; vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Philippe Herreweghe hat er sich einen hervorragenden Ruf erworben. Seine Darbietung auf der Oboe d'amore zählt zu den absoluten Highlights der Aufnahme. Wunderschön 'singt' er etwa den eröffnenden Siciliano in Telemanns Solokonzert. Jan De Winne ist auf Flöte und Flauto d'amore ein gleichwertiger Partner. Die Viola d'amore spielen abwechselnd Ryo Terakado (nur im Graupner-Konzert) und Francois Fernandez. Insbesondere in Vivaldis Concerto hat die Viola d'amore virtuose Passagen zu bewältigen, bei Telemann hingegen werden die kantablen Qualitäten hervorgekehrt. Das Spiel von Fernandez ist jederzeit souverän, dabei – passend zum Instrument – etwas introvertiert; zu Höhenflügen läuft er in den langsamen Sätzen auf, etwa im Schluss-Siciliano von Telemanns Tripelkonzert und dem langsamen Vivaldi-Satz. Die für die Viola d'amore so charakteristischen polyphonen Klangwirkungen werden delikat und raffiniert präsentiert. Was besonders erfreut, ist das tadellose Ensemblespiel von 'Il Giardellino' – da gibt es kein Ungleichgewicht zwischen Solist(en) und 'Begleitung', sondern ein angeregtes Miteinander.
Optische Aufmachung und Booklettexte sind Teil eines durchdachten, schlüssigen Gesamtkonzeptes – eine lohnende Aufnahme mit entdeckungswürdigem 'Randrepertoire'.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Dr. Franz Gratl Kritik von Dr. Franz Gratl,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann - Vivaldi - Graupner: Concerti d'Amore

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Aufnahmejahr:
Accent
1
01.10.2004
2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4015023241510
ACC24151


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Graupner, Christoph
Telemann, Georg Philipp
Vivaldi, Antonio


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Dirigent(en):Ponseele, Marcel


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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