> > > Bizet - Beethoven - Mozart - Rossini: Stories from Sevilla
Montag, 22. April 2019

Bizet - Beethoven - Mozart - Rossini - Stories from Sevilla

Temperamentvolle Bläserkür


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Lebensfreude, Stierkampf, Leidenschaft, Fiesta. Um Sevilla ranken sich viele musikalische Geschichten und Mythen. Mit Rossinis ?Il barbiere di Siviglia?, Beethovens ?Fidelio?, Mozarts ?Le nozze di Figaro? und Bizets ?Carmen? wählten die Bläsersolisten der Deutschen Kammerphilharmonie für ihre 2001/2002 eingespielte und jetzt bei berlin classics erschienene CD ?Stories from Sevilla? vier Opern-Klassiker aus. Sie alle spielen im Raum der andalusischen Hauptstadt.

Ein einträgliches Geschäft

Mit der Bearbeitung von Bühnenwerken für Harmoniemusik betreten die Musiker/innen der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen kein Neuland. Schon zu Mozarts Zeiten war es üblich und ein einträgliches Geschäft, erfolgreiche Opern für Bläserensemble bearbeiten zu lassen. So schrieb Mozart beispielsweise in einem Brief vom Juli 1782, seine ?Entführung aus dem Serail? müsse ?bis Sonntag acht tag auf die Harmonie gesetzt seyn ? sonst kommt mir einer bevor ? und hat statt meiner den Profit davon.?
Der Begriff Harmoniemusik bezeichnet seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein paarweise besetztes Bläseroktett aus je zwei Oboen, Klarinetten, Fagotten und Hörnern. Wahlweise kamen Flöten, Englisch- und Bassetthorn sowie Kontrabass dazu. In den meisten Fällen war die Harmoniemusik an die Aristokratie gebunden, was der beinahe nahtlose Übergang in die Militärmusik nach 1800 belegt.

Bearbeitungen von Andreas N. Tarkmann

In einem weiteren Brief Mozarts an seinen Vater berichtet er von der Schwierigkeit, ?so etwas auf die Harmonie zu setzen, dass es den Blasinstrumenten eigen ist und dabei nichts von der Wirkung verloren geht.? Als Meister seines Handwerks galt damals Wenzel Sedlak, der 1815 Beethovens ?Fidelio? für Harmoniemusik erfolgreich bearbeitete. Die Komponisten selbst nahmen sich dieser Arbeit nur selten an. In Sedlaks Fußstapfen zu treten, versucht in unseren Tagen Andreas N. Tarkmann, aus dessen Feder ? bis auf die Ausschnitte aus jenem ?Fidelio?, die das Ensemble in der Fassung von 1815 spielt ? alle Arrangements stammen.

?Lückenlose? Bearbeitung

Wie damals üblich, die beliebten ?Schlager? aus den Opern zu bearbeiten, wählte auch Tarkmann für sein Arrangement für Bläseroktett einige der bekanntesten Nummern aus dem ?Figaro?: die Cavatina ?Porgi amor qualche ristoro!?, die Arietta ?Voi, che sapete che cosa è amor?, die Aria ?Dove sono i bei momenti? sowie die beiden Duettino ?Che soave zeffiretto? und ?Crudel! perché finora?. Die Ouvertüre des ?Barbiers von Sevilla? wurde wie die Auszüge aus ?Carmen? um Flöte und Kontrabass ergänzt.
Aus Bizets ?Carmen? zeugt beispielsweise die ?Introduktion & Habanera? vom Talent und Können Tarkmanns für anspruchsvolle Bearbeitungen. Die Liebe hat bunte Flügel ? mit Witz und Kreativität lässt er das Thema als Variationenreihe durch verschiedene Instrumente wandern, die ihre Variante jeweils in freiem Rhythmus präsentieren. Auch beim tänzerisch?beschwingten, zwischen Dur und Moll schwebenden Vorspiel zum 2. Akt vermisst der Hörer weder Staccato noch weitere Instrumente wie Streicher oder Schlagzeug. Das letzte Charakteristikum ist wohl mit der Hauptgrund, der Tarkmanns Arrangements zu einem gelungenen macht.

Können gepaart mit spanischem Temperament

Die Bläsersolisten, die bereits seit 1990 zusammen Werke vom Barock bis zu zeitgenössischer Musik einspielen, zeichnet alle vier Werke hindurch ihr in sich stimmiges Spiel aus. Die jeweiligen Melodielinien werden von den führenden Bläsern klar herausgearbeitet und auch die Dynamik betreffend schaffen es die elf Musiker, ein breites Spektrum vom pianissimo bis zum fortissimo zu erzeugen. Ein leichtfüßiger und doch forscher ?Marsch? aus dem ?Fidelio?, ein nachdenkliches ?Crudel! perqué finora? oder eine fröhlich-beschwingte Ouvertüre des ?Barbiers von Sevilla? ? mit ihrer Interpretation stellen sich die Bläsersolisten der Kammerphilharmonie Bremen nicht nur als eingespieltes Ensemble vor, sondern erwecken auch den Eindruck, die spanische Lebensfreude in sich aufgenommen und das damit verbundene musikalische Temperament in diese Einspielung integriert zu haben.
Das ansprechende Booklet erzählt ein bisschen über die Stadt am Río Guadalquivir und ihre besonderen Reize, die ihre Besucher immer wieder faszinieren. Dazu werden einige Schauplätze der ausgewählten Bühnenwerke angesprochen bzw. die Handlungen der jeweiligen Oper angerissen. Der Hinweis auf die damalige Popularität der Harmoniemusiken kommt ebenfalls nicht zu kurz. Anstatt eine einseitige Werbung für Tarkmann präsentieren, hätte der ein oder andere Satz mehr über die Bearbeitungen der Stücke selbst einfließen können. Der werkanalytische Teil bleibt so auf wenige Zeilen begrenzt.
Da Harmoniemusik in den meisten Fällen als Freiluftmusik aufgeführt wurde, passt das trockene Klangbild mit dem bewussten Verzicht auf jegliche Brillanz oder Halleffekte in Anlehnung an die historischen Vorraussetzungen sowohl gut zur Aufführungspraxis selbst als auch zu dieser Aufnahme

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Andrea Hampe Kritik von Andrea Hampe,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bizet - Beethoven - Mozart - Rossini: Stories from Sevilla

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
29.03.2004
EAN:

0782124176129


Cover vergössern

Beethoven, Ludwig van
Bizet, Georges
Mozart, Wolfgang Amadeus
Rossini, Gioacchino


Cover vergössern

Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Berlin Classics:

  • Zur Kritik... Fesselnd: Einspielungen des Cellisten Claudio Bohórquez sind vergleichbar mit einem Jahrhundert-Wein. Sie sind äußerst selten. Sie sind ausgereift. Ein Luxus, den er sich leistet. So entstehen Referenzeinspielungen. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Introvertierter Rachmaninow: Claire Huangci hat eine extrem detailfreudige und kontrollierte Interpretation aller Préludes von Rachmaninow vorgelegt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Die Orgel der Elphi: Ungewöhnliche Werke für ein ungewöhnliches Instrument. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle Kritiken von Berlin Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Andrea Hampe:

  • Zur Kritik... Bilder eines Puristen: Auf eine Aufmerksamkeit erregende Klangmischung wurde aus Gründen der Rückbesinnung auf die ?reine Musik? wohl bewusst abgesehen. Weiter...
    (Andrea Hampe, )
  • Zur Kritik... Bilder eines Puristen: Auf eine Aufmerksamkeit erregende Klangmischung wurde aus Gründen der Rückbesinnung auf die ?reine Musik? wohl bewusst abgesehen. Weiter...
    (Andrea Hampe, )
  • Zur Kritik... Gemeinsamkeiten der Musik und Physik: Als Mittel für ihre Darstellung von Spannungsauf- und -abbau, formaler Freiheit und fester Form, dient Barbara Willi das Cembalo. Weiter...
    (Andrea Hampe, )
blättern

Alle Kritiken von Andrea Hampe...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Verdienstvoll: Dieser dritte Teil der interessanten Reihe mit Passionskantaten von Christoph Graupner erfreut: Dessen kompositorische Stimme immer weiter zu stärken, so wie Florian Heyerick das mit seinem Ensemble Ex Tempore tut, ist höchst verdienstvoll. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Wenig Emotion, Glanz und editorische Sorgfalt: Die um 1700 erstmals publizierte, in ihrem Umfang übersichtliche Cembalo-Musik dieser beiden Organisten, die am Hofe des Sonnenkönigs Louis XIV tätig waren, ist bereits in exzellenten Aufnahmen präsent, mit denen Yago Mahugo kaum konkurrieren kann. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Große Erzählung: Ralf Otto macht diese Produktion zu einem echten Erlebnis, zwischen theologischem Diskurs und Trauerspiel. Eine unbedingt hörenswerte, in ihrer textverständlichen Natürlichkeit eindrückliche Matthäus-Passion. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2019) herunterladen (1559 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Daniel Selichius: Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Laudate Dominum de caelis

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich