> > > Sherwood, Gordon: Symphony No 1 op. 3
Donnerstag, 19. Juli 2018

Sherwood, Gordon - Symphony No 1 op. 3

Ein spätes Debüt


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gäbe es einen Preis für den Komponisten mit der ungewöhnlichsten Karriere, Gordon Sherwood (geb. 1929) wäre sicherlich einer der ersten Anwärter darauf. Zwar begann seine Laufbahn wie die so vieler anderer Tonsetzer mit einem Studium, es folgten Kompositionspreise und Stipendien. Doch nach 1968 ließ sich Sherwood nicht, wie man erwarten könnte, an einem festen Wohnsitz nieder, um sich in Ruhe seiner Arbeit zu widmen, sondern begann eine Weltreise, die ihn über zahllose Stationen nach Paris führte. Dort verdiente er sich seinen Unterhalt jahrelang durch Betteln, unter anderem arbeitete er mit der Rockgruppe ?Dissidenten? zusammen. Die vorliegende CD des Labels cpo, auf der sich drei Werke Sherwoods befinden, ist die erste ihrer Art ? ein Platten-Debüt mit 75 Jahren.

Seine erste Symphonie op. 3, das Klavierkonzert op. 107 und die Sinfonietta op. 101 weisen den US-Amerikaner als maßvoll modernen Komponisten aus, der Bartok und Shostakovich nahesteht, ohne zum Eklektiker zu verkommen. Alle drei Werke werden vom Bayerischen Landesjugendorchester unter Werner Andreas Albrecht interpretiert; die Solistin im Klavierkonzert ist Masha Dimitrieva.
Neben den genannten Vorbildern kann man aus der 1. Symphonie auch ein wenig Strawinsky heraushören, vor allem im ersten Satz. Der zweite, ?Allegretto pastorale?, ist deutlich eigenständiger gehalten. Die jungen Musiker interpretieren beide Sätze in sicherer Diktion, im folgenden ?Adagio assai? macht sich dann allerdings ein Spannungsabfall bemerkbar. Vielleicht liegt es am geringen Bekanntheitsgrad dieser Musik, dass das Bayerische Landesjugendorchester mit ihr nur mühsam zurechtkommt. Auch im Rondo-Finale bleibt ein klobiger Eindruck haften. Die Klangqualität ist hingegen einwandfrei. Solange es von der Symphonie keine weitere Aufnahme gibt, wird man sich mit dieser durchschnittlichen Einspielung behelfen müssen.

Das zur Zeit der 1. Symphonie entworfene, aber erst 40 Jahre danach fertiggestellte Klavierkonzert ist formal der Tradition verpflichtet. Die drei Sätze in der Abfolge schnell ? langsam ? schnell sprechen dafür ebenso wie die Solokadenz am Ende des ersten Satzes. Individuell ist die Beteiligung der Solistin am Geschehen von den ersten Takten des Kopfsatzes an, Masha Dimitrieva greift beherzt in die Tasten. Eigenartig schroffe Wendungen des ersten Satzes finden ihren Gegensatz in der ?Romanza?, die zwar gelegentlich romantisch klingt, dann aber doch unvermittelt ins 20. Jahrhundert zurückkehrt. Spritzig und kraftvoll gehen die Musiker das ?Rondo? an, mit dem das Konzert abgeschlossen wird.
Die knappe Sinfonietta schließt ebenfalls mit einem Rondo, ansonsten weist sie allerdings einen gewissen stilistischen Unterschied zu den beiden anderen Werken auf. Der erste Satz hebt den bisherigen perkussiven Stil Sherwoods auf ein gemildertes Niveau, es erklingen vermehrt ?bluesige? Wendungen, die dem Orchester erneut leichte Schwierigkeiten bereiten. Das ?Adagio? vermischt elegische Melodien mit weniger originellen Abschnitten. Auch im letzten Satz scheinen Sherwood stellenweise die Ideen ausgegangen zu sein.

Größtenteils bemerkenswerte Musik in leider nur mittelmäßigen Interpretationen ? so könnte man den Inhalt dieser CD zusammenfassen. Zur Verwirrung des Hörers trägt das Booklett bei: Die Zeiten und Satzbezeichnungen des Klavierkonzertes wurden ganz offensichtlich mit denjenigen der Sinfonietta vertauscht. Ein peinliches Versehen, das der Musik natürlich keinen Abbruch tut.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sherwood, Gordon: Symphony No 1 op. 3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
28.10.2004
EAN:

0761203701223


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Sherwood, Gordon


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Dirigent(en):Albert, Werner Andreas
Orchester/Ensemble:Bayerisches Landesjugendorchester
Interpret(en):Dimitrieva, Masha


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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