> > > Graupner, Christoph: Das Leiden Jesu, Passion Cantatas III: Ex Tempore, Mannheimer Hofkapelle, Florian Heyerick
Donnerstag, 21. Januar 2021

Graupner, Christoph: Das Leiden Jesu, Passion Cantatas III - Ex Tempore, Mannheimer Hofkapelle, Florian Heyerick

Verdienstvoll


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieser dritte Teil der interessanten Reihe mit Passionskantaten von Christoph Graupner erfreut: Dessen kompositorische Stimme immer weiter zu stärken, so wie Florian Heyerick das mit seinem Ensemble Ex Tempore tut, ist höchst verdienstvoll.

Im dritten Teil ihrer Reihe mit Passionskantaten von Christoph Graupner stellen Florian Heyerick und sein Ensemble Ex Tempore bei cpo wiederum sehr schöne Arbeiten des Jahres 1741 vor. Zu hören sind dieses Mal 'Kommt, Seelen, seid in Andacht stille' GWV 1119/41, dann 'Sie rüsten sich wider die Seele' GWV 1124/41 und schließlich 'Jesus, auf dass er heiligte das Volk' GWV 1126/41. Der Passionszyklus auf Texte von Johann Conrad Lichtenberg, dem die Kantaten entstammen, hatte schon in den vergangenen beiden Produktionen einigen Eindruck gemacht – nicht mit pompösen äußeren Mitteln, sondern mit subtiler Textdeutung und mannigfaltigen Stärken in der feinen Differenz. Und man kann, auf Graupners Komponieren blickend, dem Gedanken folgen, den Ursula Kramer im Booklettext fruchtbar macht: Genauso wie Haydn, der später bezogen auf seine Zeit in Esterháza davon sprach, er habe unter diesen Bedingungen der Abgeschiedenheit ‚original‘ werden müssen, kann man das für Graupner formulieren. Zwar war er in Darmstadt keineswegs abseits der Welt, doch umweht seine Arbeit dort der Hauch des Exklusiven, des genauso Privilegierten wie Abgeschirmten – Umstände, die sicher dabei halfen, jenen Personalstil auszuprägen, der Graupners Werke im Grunde unverwechselbar macht. Graupner jedenfalls ist ‚original‘, das durchscheint bislang noch jede Kantate, die dem Rezensenten bekannt geworden ist – Kompositionen, die zwar stabil sind in ihrer Gesamtanlage, andererseits eindeutige Besonderheiten aufweisen: Im sicheren Zugriff auf häufig kongeniale Texte, in der Bereitschaft, mit Erwartungen zu brechen und Üblichkeiten zu unterlaufen, vor allem in der subtilen, ungewöhnliche Wege nicht scheuenden Instrumentierung. Dazu kommt die gelegentlich erratische Wirkung der Rezitative, die einerseits fasslich sind, dann wieder harmonische Gewissheiten mühelos pulverisieren. Das ist insgesamt schon eine klare Handschrift, ein bemerkenswert konsistenter Personalstil voller Geist und Ambition.

Zwei Ensembles, ein Ideal

Florian Heyerick hat die drei Kantaten in zwei Konzertsituationen live aufgenommen, in Darmstadt und in Gent. Es sind vokalsolistisch zwei verschiedene Besetzungen zu hören, zunächst Doerthe-Maria Sandmann (Sopran), Marnix de Cat (Altus), Jan Kobow (Tenor) und Robbert Muuse (Bass) in der ersten der drei Kantaten. Die beiden anderen werden von Griet de Geyter (Sopran), Jonathan De Ceuster (Altus), Philippe Gagné (Tenor) und Dominik Wörner (Bass) bestritten. Beide Formationen sind ausgewogen besetzt, agieren mit wacher Sensibilität für Graupners Ästhetik, in guter und freier Intonation, einzelne Stimmen weisen gewisse Nachlässigkeiten in der Diktion auf. Sopran und Bass sind je stärker gefordert, ein typischer Befund bei Graupner. Und so überrascht es wenig, dass insgesamt die stimmliche Autorität Dominik Wörners herausragt, seine Gestaltungskraft, die Art, wie er sich sprachmächtig auch in zerklüftete Linien stürzt. Mit diesen üppigen Qualitäten hatte Wörner schon beiden vorangehenden Veröffentlichungen der Reihe maßgeblich geprägt.

Kultiviertes Musizieren

Gemeinsam mit wenigen Ripienisten bilden die Solisten ein Vokalensemble voller Delikatesse, das durchscheinend, kultiviert und schlank musiziert, dem es allenfalls an gemeinsamer Akkuratesse in den Absprachen mangelt: Dem Projektensemble merkt man immer wieder eine in nicht ganz perfekter Gemeinsamkeit befindliche Diktion an. Das bei Graupner im Grundsatz durchaus farbige Orchester ist in diesen eher stillen Passionskantaten mit Streichern, Oboen, Flöte und Basso continuo überschaubar besetzt; dem hinzutretenden Fagott kommen gelegentlich kräftig gezeichnete Sonderaufgaben zu. Selbst diese harmlose und im Grunde wenig variante Besetzung bringt zum Beispiel durch die Abwechslung ungewöhnlicher Figurationen und Pizzicati in den Violinen immer wieder schöne Effekte abseits des allzu Üblichen. Graupners Idiom wird mit erkennbarer Einfühlung lebendig gemacht, dabei feinen Nuancen deutlich den Vorzug vor groben Kontrasten gebend. Das Klangbild der beiden verschiedenen Situationen wirkt je angenehm erwärmt und bietet einen sehr kompletten Eindruck von Musik und Ensemble, in schöner Balance und delikat im Abbild der heiklen Strukturen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Graupner, Christoph: Das Leiden Jesu, Passion Cantatas III: Ex Tempore, Mannheimer Hofkapelle, Florian Heyerick

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203523023


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Graupner, Christoph


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Dirigent(en):Heyerick, Florian
Orchester/Ensemble:Barockorchester Mannheimer Hofkapelle


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
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