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Mittwoch, 20. November 2019

Graupner, Christoph: Solo- & Dialog-Kantaten - Marie Luise Werneburg, Dominik Wörner, Kirchheimer BachConsort, Rudolf Lutz

Großartiger Graupner


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dominik Wörner hat seinen Kirchheimer Konzertwinter genutzt, um eine Lanze für Christoph Graupner zu brechen. Wieder einmal. Und nicht zum ersten Mal auf allerhöchstem Niveau. Rudolf Lutz erweist sich als wunderbarer Gastdirigent. Unbedingt anhören.

Der Bassist Dominik Wörner hat mit seinem Kirchheimer Konzertwinter schon mehrmals diskografisch aufhorchen lassen – mit Bach natürlich, aber auch mit Kantaten von Christoph Graupner (1683–1760). Letzterer ist es, der auf der aktuell bei cpo vorliegenden Doppel-CD mit fünf Kantaten aufhorchen lässt. Und es ist eine ganz exquisite Auswahl von Solo- und Dialogkantaten für Sopran und Bass, sämtlich in Graupners erstem Jahrzehnt in Darmstadt ab 1709 entstanden. Die Werke sind in Ambition und Ästhetik erkennbar von den reichen Möglichkeiten geprägt, die dem jungen Komponisten in dieser Zeit zur Verfügung standen, noch ungehindert von finanziellen Zwängen, die seinen Landesherrn später belasten sollten. Geprägt sind sie auch durch die verfügbaren Vokalisten, die Graupner aus seiner vorherigen Zeit an der Hamburger Gänsemarktoper vertraut waren. Profitiert haben die Kantaten – wie viele weitere im Verlauf des Wirkens Graupners auch – von der landesherrlichen Entscheidung, kein Auftrittsverbot für Frauen in der Kirche auszusprechen: Nur so konnten hochversierte Künstlerinnen anspruchsvolle Partien singen.

Die Texte, die diesen Kantaten zu Grunde liegen, sind nicht weniger qualitätvoll: Namen wie die von Erdmann Neumeister, Georg Christoph Lehms oder später Graupners Schwager Georg Christoph Lichtenberg stehen dafür. Diese Texte unterzieht Graupner einer subtilen Deutung, natürlich formal und rhetorisch, aber auch durch den klugen Einsatz der instrumentalen Konstellation. Überzeugen kann Graupners Musik wie eigentlich immer durch eine ebenmäßig schöne, klare melodische Invention, die fasslich und zugänglich gleichermaßen, dabei aber nie unterkomplex wirkt. Die Balance von Oberstimme und satztechnisch ambitionierter Instrumentalbegleitung scheint besonders harmonisch ausgeprägt. Und noch ein herausragendes Merkmal: Graupner ist ein Großmeister sinnfälliger, ja prägnanter obligater Instrumentalität. Wer das bezweifelt, der höre die Sopran-Arie 'Ach, dahin hat‘s der Sünden Macht' aus der Kantate 'Diese Zeit ist ein Spiel der Eitelkeit' von 1709: Wie das Fagott geschmeidig-kommentierend die hinreißend schöne Sopran-Linie umspielt, ergänzt und expliziert – das ist so überzeugend, als könne es in diesem klagenden Duktus überhaupt nichts anderes geben als nur dieses Paar.

Herausragende Qualität

Wenn – leider noch immer – unbekannte Musik so überzeugt, dann sind erstklassige Kräfte beteiligt. Das ist auch bei dieser Produktion der Fall. Neben Dominik Wörner ist die Sopranistin Marie Luise Werneburg zu hören. Das prominent besetzte Kirchheimer BachConsort wird von keinem Geringeren als Rudolf Lutz vom Cembalo aus geleitet. Wörner singt mit seiner prägnanten Stimme voller Autorität, mit großartiger Präsenz auch dank einer natürlichen Diktion voller Saft und Kraft: Hier braucht niemand ein Textbuch, auch wenn die Texte weitgehend unbekannt und dem heutigen Ohr gelegentlich nicht gerade leicht zugänglich sind. Lyrische Schönheit und technisches Vermögen verbinden sich glücklich. Zudem erfreulich: Es haben sich im Lauf der Jahre keinerlei individuelle Manierismen oder Merkwürdigkeiten eingeschliffen. Diesem hocherfreulichen Niveau steht Marie Luise Werneburg nicht nach. Ihre Stimme ist vertraut aus etlichen Solo- und Ensemblepräsentationen. Und sie entfaltet hier den ganzen Charme ihrer schlanken Beweglichkeit. Die Stimme ist unangestrengt geführt, mit leichter Höhe, wirkt technisch unangefochten. Glücklicherweise bewegt die Sopranistin sich in Sachen Diktion auf einem Dominik Wörner vergleichbaren Niveau. Und sie harmoniert insgesamt mit der reichen Substanz der Stimme Wörners aufs Glücklichste.

Das Kirchheimer BachConsort ist als Projektensemble eine wirklich tolle Formation, gespickt mit prominenten Namen: Marc Hantaï spielt Traversflöte, Olivier Picon Horn, Sergio Azzolini Fagott und Balázs Máté Violoncello, um nur einige zu nennen. Sie verbinden sich unter der inspirierenden Leitung von Rudolf Lutz zu einem ganz offenkundig von dieser Musik begeisterten Ensemble, das rhythmisch energisch zur Sache geht, dabei einen feinen Klangsinn entfaltet und sein solistisches Potenzial kammermusikalisch integriert. Lutz zeichnet ein denkbar weites Spektrum an dynamischer Entfaltung; die Tempi werden fein variiert: Das Zupackende, Druckvolle hat genauso seinen Platz wie das Lyrisch-Feinsinnige. Text, Inhalt und Affekt wird hochsensibel nachgespürt. Artikuliert wird entschieden und doch sensibel genug, um mit zu vielen Impulsen nicht allzu kleinteilig zu zergliedern. Das Klangbild ist direkt und gesammelt, bei aller Konzentration doch mit einem zutreffenden Maß an Räumlichkeit versehen. Dazu finden sich alle klingenden Anteile in durchgehend schöner Balance.

Dominik Wörner hat seinen Kirchheimer Konzertwinter genutzt, um eine Lanze für Graupner zu brechen. Wieder einmal. Und nicht zum ersten Mal auf allerhöchstem Niveau. Rudolf Lutz erweist sich als wunderbarer Gastdirigent. Unbedingt anhören.



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Graupner, Christoph: Solo- & Dialog-Kantaten: Marie Luise Werneburg, Dominik Wörner, Kirchheimer BachConsort, Rudolf Lutz

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203521524


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Graupner, Johann Christoph
 - Jesus ist und bleibt mein Leben GWV 1107/12 - Nr.1 Arioso
 - Jesus ist und bleibt mein Leben GWV 1107/12 - Nr.2 Recitativo secco
 - Jesus ist und bleibt mein Leben GWV 1107/12 - Nr.1 Arioso
 - Jesus ist und bleibt mein Leben GWV 1107/12 - Nr.3 Recitativo secco
 - Jesus ist und bleibt mein Leben GWV 1107/12 - Nr.1 Arioso
 - Jesus ist und bleibt mein Leben GWV 1107/12 - Nr.4 Recitativo
 - Jesus ist und bleibt mein Leben GWV 1107/12 - Nr.5 Aria
 - Jesus ist und bleibt mein Leben GWV 1107/12 - Nr.6 Recitytivo secco
 - Jesus ist und bleibt mein Leben GWV 1107/12 - Nr.1 Arioso
 - Jesus ist und bleibt mein Leben GWV 1107/12 - Nr.7 Recitativo secco
 - Jesus ist und bleibt mein Leben GWV 1107/12 - Nr.8 Aria
 - Gott ist für uns gestorben GWV 1152/16 - Nr.12 Recitativo accompagnato
 - Gott ist für uns gestorben GWV 1152/16 - Nr.2 Arie
 - Gott ist für uns gestorben GWV 1152/16 - Nr.3 Recitativo secco
 - Gott ist für uns gestorben GWV 1152/16 - Nr.4 Arie
 - Gott ist für uns gestorben GWV 1152/16 - Nr.5 Recitativo secco
 - Gott ist für uns gestorben GWV 1152/16 - Nr.6 Arie
 - Siehe, selig ist der Mensch, den Gott strafet GWV 1162/09 - Nr.1 Sonata
 - Siehe, selig ist der Mensch, den Gott strafet GWV 1162/09 - Nr.2 Aria - Dictum
 - Siehe, selig ist der Mensch, den Gott strafet GWV 1162/09 - Nr.3 Recitativo secco
 - Siehe, selig ist der Mensch, den Gott strafet GWV 1162/09 - Nr.4 Aria
 - Siehe, selig ist der Mensch, den Gott strafet GWV 1162/09 - Nr.5 Recitativo secco
 - Siehe, selig ist der Mensch, den Gott strafet GWV 1162/09 - Nr.6 Aria con Violini


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Dirigent(en):Lutz, Rudolf
Interpret(en):Wörner, Dominik
Werneburg, Marie Luise


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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