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Mittwoch, 20. September 2017

Rachmaninoff, Sergej - Symphonie Nr. 2

Faszinierende Beleuchtung


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dmitrij Kitajenkos Rachmaninoff-Zyklus könnte zu einer der spannendsten Gesamteinspielungen der Sinfonien werden. Die Deutung der Zweiten Sinfonie ist eigenständig und schlichtweg bezaubernd.

Kaum ist der Nachhall des gewaltigen Schlusstuttis nach der tragischen Wende am Ende des Finalsatzes von Sergej Rachmaninoffs Erster Sinfonie d-Moll in der Deutung von Dmitrij Kitajenko verebbt, legt Oehms Classics gleich die Folgeeinspielung vor. Der Rachmaninoff-Zyklus, den der Ehrendirigent des Gürzenich-Orchesters Köln mit ebendiesem Klangkörper einspielt, schreitet noch schneller voran, als das bei der letzten diskographischen Großtat dieses Interpretengespanns, einer Gesamteinspielung der Tschaikowsky-Sinfonien, der Fall war.

Feuerwerk

Schon die Aufnahme der Ersten Sinfonie d-Moll op. 13 von Sergej Rachmaninoff geriet wuchtig, energisch und hatte durchaus ihren Reiz. Einige große Erwartungen, die man vor dem Hintergrund von Kitajenkos markanter früherer Auseinandersetzung mit den Rachmaninoff-Sinfonien zusammen mit dem Moskauer Sinfonieorchester hegen durfte, wurden indes nicht ganz erfüllt. Doch was für ein Feuerwerk lässt Kitajenko nun mit seiner Einspielung der Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27 abbrennen! Das ist im Hinblick auf orchestrale Feinabstimmung, gestalterische Durchdringung der opulenten Partitur sowie klare Handschrift eines eigenständig deutenden Musikers außerordentlich und damit eine ganz deutliche Steigerung zur ersten Folge dieser Rachmaninoff-Reihe.

Expressives Aufblühen

Kitajenkos Deutungsansatz hat einiges gemeinsam mit Traditionen, die man von russischen Dirigenten der Vergangenheit kennt, Jewgenij Swetlanow etwa, von dem faszinierende (und höchst unterschiedliche!) Aufnahmen gerade dieses Werks erhalten sind. So bündelt Kitajenko etwa in der langsamen Einleitung des Kopfsatzes das werkumspannende Viertonmotiv zu einer expressiven Geste. Eine solch zwingende Form der Phrasierung, die Höhepunkte selbst auf kleinstem Raum aufblühen lässt und dosiert die Spannung wieder abbaut, prägt die gesamte Aufnahme. Auffallend ist allerdings, in welches Spannungsverhältnis diese durch dynamische Feinarbeit unterstrichene Modellierung kleiner, ausdrucksvoll gestalteter Phrasen zu einem freien Fließen auf übergeordneter Ebene steht. Denn bemerkenswerterweise trennt Kitajenko manch großflächig organisierte Abschnitte kaum voneinander.

Gewaltige Höhepunkte

In bester russischer Tradition steht auch der Höhepunkt der 'Largo'-Einleitung, der als erste Klimax hier sehr breit und mit starkem Ritardando ausgebaut wird – aber Kitajenko führt die Lautstärke ganz schnell wieder zurück, um diesen Gipfel nicht allzu hoch werden zu lassen, der Hauptteil des Satzes folgt ja erst noch. Und selbst dort, im 'Allegro moderato'-Hauptteil, der von Kitajenko mit suggestiv ausgeformter Agogik verlebendigt wird, steuert das Orchester die katastrophischen Höhepunkte konsequent an, aber das schiere Klangvolumen wird schnell wieder abgebaut, um Reserven für den weiteren Verlauf zu behalten.

Spannungswellen der Melodik

Der im rechten Maß freie, wie aus den Spannungswellen der Melodik heraus entwickelte Umgang mit dem Tempo gehört zu den Kennzeichen dieser vitalen, fesselnden Rachmaninoff-Lektüre. Der Dirigent unterstützt dramatische Zuspitzungen mit belebter Gangart und erhöht dadurch die Spannung, für lyrische Momente freien Aussingens gibt er dem Orchester (und den Solisten, der Solovioline im ersten Satz und der Soloklarinette im dritten) breiten Gestaltungsraum. So kommen die kantablen Linien des mit tiefer Empfindung präsentierten 'Adagio ma non troppo' voll zur Geltung, ohne aber die Grenze zum melodienseligen Kitsch zu übertreten. Trotz der lokal gebotenen Weite lyrischen Aussingens wirkt die Musik stets nach vorn entwickelt und zielsicher gestaltet.

Klangfarbenspiel

Neben überzeugenden Modifikationen des Tempos sind es vor allem Beleuchtungen einzelner Klangfarben, die Kitajenkos Interpretation hörenswert machen. Einige Passagen gewinnen bei ihm eine individuelle Färbung, weil er einzelne Register oder Instrumente im geradezu saftigen Klang des bestens disponierten Gürzenich-Orchesters klanglich nach vorn zieht; das hat allerdings nicht nur klangfarbliche Bedeutung, sondern auch strukturelle, denn auf diese Weise werden Gegenmelodien konturenscharf hörbar, die in anderen Werkdarstellungen im Klanggeschehen untergehen. In bester russischer Tradition steht hier auch schnarrende Klangfarbe der gestopften Hörner, wobei an anderer Stelle allerdings manch knappes melodisches Auftrumpfen der Hörner noch stärker in den Vordergrund rücken dürfte.

Konturenscharfe Rhythmen

Insgesamt tendieren Kitajenkos Tempi nicht zum Schwungvollen, außer im energischen 'Allegro molto'-Satz, dessen Streichertexturen im Seitenthema vielschichtig aufgeblättert und süffig erklingen. Der Grund dafür, dass diese Rachmaninoff-Deutung aber trotz der Tempowahl so kernig wirkt, ist die konturenscharfe Herausarbeitung der Rhythmik, und das nicht nur bei den Blechbläserhöhepunkten in den Außensätzen. Die rhythmischen Gestalten, die anderswo schon mal seltsam verwaschen das ‚Romantische‘ der Musik zu unterstreichen vorgeben, kommen hier scharf geschnitten daher und gehen mit der zugleich sehr weich und dunkel ausgeformten Farbtönung des Orchesterklangs eine faszinierende Mischung ein.

Bonus

Als Bonus gibt es noch Rachmaninoffs berühmte 'Vocalise' in einer interessanten Fassung für Singstimme und Orchester. Zu hören ist hier der Altist Valer Sabadus, derzeit ein stark nachgefragter Sänger, der mit seiner beweglichen und zu zarten Nuancen fähigen Stimme von sich reden macht. Nach einer solch grandiosen Deutung des sinfonischen Riesen steht die 'Vocalise' allerdings klar im Schatten, zumal die vokale Gestaltung der Kantilene die Heimat von Valer Sabadus in der Alten Musik nicht verhehlen kann, auch wenn er stellenweise expressive Mittel des späten 19. Jahrhunderts aufnimmt, um Höhepunkte zu unterstreichen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
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    Rachmaninoff, Sergej: Symphonie Nr. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
16.03.2015
EAN:

4260034864412


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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