> > > Schreker, Franz: Der Schmied von Gent
Sonntag, 24. März 2019

Schreker, Franz - Der Schmied von Gent

Eine Oper für Jedermann


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Umsetzung von Franz Schrekers beziehungsreicher Oper 'Der Schmied von Gent' gelingt Frank Beermann und seinem Chemnitzer Ensemble musikalisch aufregend.

Die Uraufführung in der Städtischen Oper Berlin war ein gemachter Theaterskandal. ‚Jude raus‘-Rufe skandierten die Nationalsozialisten, man schrieb den 20. Oktober 1932. Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 war nicht mehr fern, die Bücherverbrennung – auch auf dem Opernplatz in Berlin – nur etwas mehr als ein halbes Jahr entfernt. Da half auch die Begeisterung von Publikum und unabhängiger Kritik nichts mehr: Nach nur fünf Vorstellungen musste Franz Schrekers 'Der Schmied von Gent' abgesetzt werden. Janine Ortiz nennt den 'Schmied von Gent' in ihrem informativen Bookletbeitrag zur Ersteinspielung gar die ‚letzte bedeutende Opern-Uraufführung der Weimarer Republik‘.

Franz Schreker, neben Richard Strauss der meistaufgeführte deutsche Opernkomponist seiner Zeit, war als Sohn eines jüdischen Hofphotographen bereits seit den 1920er Jahren immer wieder Ziel nationalsozialistischer Hetze gewesen. 1932 war auch das Jahr, in dem er von der NS-Meute zum Rücktritt von seinem Amt als Direktor der Berliner Musikhochschule gezwungen wurde, die er seit 1920 geleitet hatte, und in dem er die für Freiburg geplante Uraufführung seiner Oper 'Christopherus' zurückziehen musste. Erst 1978 holte Freiburg das Versäumnis der Uraufführung nach.

Schreker, der mit Opern wie 'Der ferne Klang' (1912) oder 'Die Gezeichneten' (1918) erfolgsverwöhnt war, hatte zudem mit seiner letzten Oper – dem noch zu wieder zu entdeckendem 'Der singende Teufel' (1928) – keinen Erfolg gehabt. So unterschiedliche Werke wie die jazzigen Zeitopern à la Kreneks 'Jonny spielt auf' (1927), Brecht/Weills 'Dreigroschenoper' (1928), Max Brands geschickt die Zeitstile mischender 'Maschinist Hopkins' (1929) oder Jaromir Weinbergers frech volkstümelnder 'Schwanda, der Dudelsackpfeifer' (1927) waren die neuen Erfolgsstücke der Zeit. Die freudianisch psychologisierenden Charaktere und Themen von Schrekers Opernästhetik waren nicht mehr en vogue. Schreker erlebte eine Krise, aus der heraus er eine Entwicklung anstreben sollte, die ihn zu der Idee führte ‚einmal ein ganz primitives, naives Theaterwerk zu schreiben, eine Oper für Jedermann‘.

Schreker ist dieser Anspruch in der Ausgestaltung der Geschichte (nach Charles de Costers ‚Smetse Smee‘ aus dessen ‚Légendes flamandes‘, 1858) überzeugender gelungen als mit seiner Musiksprache. Es ist die Geschichte des Schmieds Smee, der im Gent des zur Zeit des 80jährigen Krieges unter der Fremdherrschaft der spanischen Besatzer leidend und einer Intrige seines Konkurrenten zum Opfer fallend einen heimlichen Teufelspakt eingeht. Wundersamer Wohlstand für sieben Jahre sind der Gegenwert für ihn und seine Familie. Smee wird als Freiheitskämpfer eingeführt und als Wohltäter mit gutem Herzen charakterisiert. Im zweiten Akt hilft er einer Not leidenden Familie, die sich daraufhin als Josef, Maria und das Jesuskind zu erkennen geben und ihm drei Wünsche gewähren. Damit überlistet er in bester Volksmärchentradition den Teufel und zerstört den Pakt. Doch Luzifer lässt im Zorn Smees Schmiede zur Hölle fahren. Im dritten Akt kann Smee die Hölle verlassen und gelangt ans Himmelstor, findet aber keinen Einlass. Es bedarf der Fürbitte von Smees Frau, um dessen gute Taten in die Waagschale zu werfen und ihn in den Himmel einziehen zu lassen.

Die Handlung erhält zahlreiche erfolgreiche Versatzstücke, von den Ähnlichkeiten des Schmieds und seiner Frau oder den drei Lebensspähren der Handlung zu Richard Strauss’ 'Frau ohne Schatten', über die Märchenmotivik wie sie Humperdincks 'Königskinder' (1897) für die große Oper etabliert hatten, bis hin zu den Listen mit denen der Teufel wie in Weinbergers 'Schwanda' überlistet wird. Bekannte Märchenmotivik trifft auf christliches Erzählgut, das Schicksal des Einzelnen ist gerecht und die ‚Große Zauberoper‘, wie Schreker das Werk im Untertitel nannte, bietet genügend Möglichkeiten einer effektvollen Umsetzung.

Schreker schreibt dazu eine farbenreiche, immer wieder plastische und stets erzählende Musik. Die symphonischen Vor- und Zwischenspiele sind großartige Tongemälde, brillant instrumentiert, rauschhaft und funkelnd. Schreker findet, den Geist der Zeit reflektierend, zu einem Stilpluralismus von Liedern, Tänzen, volkstümlicher Melodik, opernhaften Nummern, raffinierten (mal derben, mal himmelsstrahlenden) Chören und klangmalerischen Sequenzen mit Wiedererkennungsfaktor. Es gibt für den Zuhörer eine Fülle an Entdeckenswertem, Schrekers Einfallsreichtum scheint kaum Grenzen zu kennen. Anspielungen und Referenzen an Hindemith, Schönberg, Strauss und andere durchziehen die Partitur. Über weite Strecken ist die Partitur auch bei den Gesangspartien auf eine erzählende Sprache bedacht, die vom Parlando bis hin zum Ariosen reicht.

Frank Beermann inszeniert das mit der Robert-Schumann-Philharmonie mit großer Umsicht, einem guten Gespür für Proportionen und Dynamik und trifft dabei einen Tonfall, der das Werk von einer kammermusikalisch gedachten Stimmführung bis hin zu wuchtigen Instrumentalpassagen auffächert. Aus dem Sängerensemble ragt Oliver Zwarg als Schmied heraus. Mit großer Präsenz lässt sein heldenbaritolaner Ansatz, die Klarheit der Artikulation und die Fähigkeit zu großen Linien, keinen Wunsch offen. Rollen deckend ist auch ‚Seine Frau‘ (wie es im Rollenverzeichnis in Anspielung auf die 'Frau ohne Schatten' heißt) besetzt, die von Undine Dreißig ebenso gewandt wie volltönend gesungen wird. Mit Edward Randall, der Smeets Widersacher singt, hat die Oper Chemnitz einen hervorragenden, heldentenoral veranlagten Sänger im Ensemble, der klar zu charakterisieren versteht, und mit Judith Kuhn einen strahlenden, attraktiven Sopran. Das gute Ensemble, das die Oper Chemnitz unter Frank Beermann gebildet hat, ist in den zahlreichen kleineren Partien rollendeckend besetzt. Die Qualität der musikalischen Umsetzung ist auf jeden Fall eine Plädoyer für diese etwas andere Schreker-Oper.

Die Einspielung überzeugt mehr als die Chemnitzer Inszenierung von 2010, die dieser cpo-Produktion zugrunde liegt. Das mag neben der sehr guten Klangqualität der Aufnahme vor allem auch am Fehlen der unzureichenden und unentschiedenen Regie der Chemnitzer Aufführung liegen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Frank Fechter,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schreker, Franz: Der Schmied von Gent

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
2
20.02.2012
EAN:

761203764723


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Schreker, Franz
 - 1. Akt - 1. Szene Gibt's denn Trommeln, Tambourine, Pfeifen
 - 1. Akt - 2. Szene Mein gänd'ger Herr, Don d'Avila läßt euch sagen
 - 1. Akt - 3. Szene Lieber Gott, das ist nicht schön von dir
 - 1. Akt - 4. Szene Gänd'ger Herr, habt Geduld mit Eurem Knecht
 - 1. Akt - 5. Szene Nicht gerade ein Ehrenmann
 - 1. Akt - 6. Szene Auf diesen Ärger
 - 1. Akt - 7. Szene Nun bin ich gerächt
 - 1. Akt - 8. Szene Was ist das für ein Licht?
 - 1. Akt - 9. Szene Mann, Smee - bist Du's
 - 1. Akt - 10. Szene Da sieh, Smee
 - 1. Akt - 11. Szene Da - das ist zuviel
 - 1. Akt - 12. Szene Lasse sie, es ist alles unser nach Recht und Fug
 - 1. Akt - 13. Szene Ach, das ist ja wunder schön
 - 1. Akt - 14. Szene Du hastuns gerufen, Meister
 - 2. Akt - 1. Szene Sieben Jahr hab' ich gegrübelt
 - 2. Akt - 2. Szene Schöne Bäum', draußen am Kai
 - 2. Akt - 3. Szene Meister Schmied, unser Esel, sieh mal


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Dirigent(en):Beermann, Frank
Orchester/Ensemble:Robert-Schumann-Philharmonie


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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