> > > Graupner, Christoph: Chalumeaux: Konzerte, Ouvertüren & Sonaten
Mittwoch, 20. November 2019

Graupner, Christoph - Chalumeaux: Konzerte, Ouvertüren & Sonaten

Für den jagdbegeisterten Grafen


Label/Verlag: Challenge Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gunar Letzbor und seinem Ensemble ist eine spannende Neueinspielung unbekannter Werke Graupners gelungen, die das Bild deutscher Barockmusik weiter vervollständigt.

Sein Hamburger Freund Telemann empfahl ihn als Thomaskantor nach Leipzig, doch musste er auf Drängen seines Dienstherren ablehnen, so dass J. S. Bach den Posten übernehmen konnte. Christoph Graupner zählte zu den meistumworbenen Komponisten seiner Zeit, die von Publikum und Kollegen gleichermaßen geschätzt wurden. Seine musikalische Ausbildung hatte Graupner durch einen Onkel sowie die beiden Thomaskantoren Schelle und Kuhnau erhalten. Schon bald führte ihn sein Weg an die Gänsemarktoper in Hamburg, wo er Reinhold Kaiser und Händel kennenlernte. Er feierte derart große musikalische Erfolge, dass ihn der Darmstädter Landgraf exklusiv für seinen Hof verpflichtete. Zwar konnte Graupner hier kaum neue Opern schreiben – der Landgraf musste seine Ambitionen auf ein eigenes Opernhaus in Darmstadt aufgeben, da er sein Geld lieber in die Jagd als in sein Opernhaus steckte –, doch erfreuten sich seine Kantaten, Sinfonien, Konzerte und Kammermusikwerke Zeit seines Lebens großer Beliebtheit.

Über 2000 Kompositionen sind von Graupner überliefert, was wir dem Umstand verdanken, dass sich seine Familie nach seinem Tod gerichtlich für seinen musikalischen Nachlass einsetzte und damit eine Zerstörung seiner Werke durch Entfernung aus der gräflichen Bibliothek verhinderte. Aus diesem Grund besitzt die Darmstädter Landesbibliothek bis heute die wichtigste Sammlung seiner Werke, was ferner dadurch begünstigt wurde, dass Graupner seine Kompositionen nicht – wie andere Kollegen – weiterverkaufen durfte, sondern seine Werke exklusives Eigentum des Grafen blieben; sie durften nicht kopiert werden. Vielleicht führte dies dazu, dass sein Name gegen Ende des 18.Jahrhunderts aus den Reihen der weiter aufgeführten Komponisten verschwand, da man seine Musik einfach nicht mehr kannte. Außerdem hatte er keine nennenswerte Schülerschaft, die sein Andenken bewahrt hätte.

Graupners musikalische Vorliebe für dunkle Instrumentalklänge führten dazu, dass er für seine Werke immer wieder ungewöhnliche Besetzungen forderte. So schrieb er gerne für Oboe d‘amore, Viola d‘amore, Pauken und Blechbläser. Die klangliche Präferenz dunklerer, gedämpfter Register ließ ihn zu einem der wichtigsten Komponisten für Chalumeau werden, einem klarinettenähnlichen Instrument, das im Laufe des Jahrhunderts von der lauteren Klarinette aus dem Orchester verdrängt wurde. Die vorliegende SACD des österreichischen Spezialensembles Ars Antiqua Austria unter der Leitung von Gunar Letzbor präsentiert nun eine Auswahl dieser Chalumeaux-Kompositionen Graupners, die mit unkonventioneller Orchesterbesetzung und großer klanglicher Vielfalt aufwarten. So besteht die Besetzung des Ensembles aus einem Streichquartett, einer Basso continuo-Gruppe mit Tasteninstrument (Orgel oder Cembalo), Laute und Fagott, zwei Hörnern, einer Pauke sowie bis zu drei Chalumeaux.

Die typische Aufteilung mit einer dominant besetzten hohen Streichergruppe sucht man hier vergebens. Entsprechend abgedunkelt ist der Gesamtklang der drei großen Werke GWV 303, GWV 449 und GWV 452. Letzteres ist eine prunkvolle Ouvertüren-Suite für zwei Hörner, Pauke, zwei Chalumeaux, zwei Violinen, Viola, Fagott und Cembalo in F-Dur, die nach 1735 komponiert sein muss. Gunar Letzbor lässt seine Musiker das Werk mit kraftvollen Akzenten und großer Geste spielen. Besonders die Kombination aus dominanten Hörnern – gespielt von Albert Heitzinger und Michael Sollner –, Chalumeaux (Ernst Schlader, Markus Springer, Christian Leitherer) und omnipräsenter Pauke (Alex Georgiev) sorgen für eine ländlich, derbe Wirkung. Dagegen wirkt die Ouvertüren-Suite GWV 449 für drei Chalumeaux, zwei Violinen, Viola und Cembalo etwas lieblicher, was auch am Inhalt der einzelnen Sätze liegt. So heißen Sätze 'Le Desire' (Das Verlangen), 'Rejouissance' (Die Vorfreude) und 'La Speranza amorosa' (Die Liebeshoffnung). Letzbors Entscheidung, den weichen, leicht nasalen Klang der Chalumeau mit kräftigen Tutti-Akzenten zu kombinieren, lässt die Musik lebendig und abwechslungsreich klingen. Als ruhigen Kontrapunkt hat Gunar Letzbor zwei Sonaten für Violine und Cembalo in das Programm integriert, die ganz ohne gräfliche Jagd-Atmosphäre auskommen. Er spielt sie zusammen mit Norbert Zeilberger (Cembalo) virtuos und elegant, wodurch der Hörer eine weitere Facette von Graupners Musik kennenlernt. Letzbor und seinem Ensemble ist eine spannende Neueinspielung unbekannter Werke Graupners gelungen, die das Bild deutscher Barockmusik weiter vervollständigt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Graupner, Christoph: Chalumeaux: Konzerte, Ouvertüren & Sonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Challenge Classics
1
18.05.2012
74:41
2011
Medium:
EAN:
BestellNr.:

SACD
608917253924
CC72539


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"Ars Antiqua Austria meets Darmstadt: Christoph Graupner gilt heute als einer der wichtigsten Komponisten für Chalumeaux und darf als einer der innovativsten Komponisten des 18. Jahrhunderts angesehen werden. Ars Antiqua Austria präsentiert die reich instrumentierten Werke mit beispielloser Spielfreude und exzellentem Surround-Sound! "


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Challenge Classics

CHALLENGE RECORDS ist eine unabhängige Schallplattenfirma, die ihren Sitz in den Niederlanden hat. Sie setzt sich aus einer Gruppe von Musikenthusiasten zusammen, die mit großer Leidenschaft für den Jazz und die Klassische Musik internationale Produktionen kreieren.
Die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Ton Koopman, dem Combattimento Amsterdam, dem Altenberg Trio Wien, Musica Antiqua Köln u.v.a., gibt CHALLENGE CLASSICS ein eindeutiges Profil.
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