> > > Christoph Graupner: Wo gehet Jesus hin: Passionskantaten
Donnerstag, 21. Januar 2021

Christoph Graupner: Wo gehet Jesus hin - Passionskantaten

Bemerkenswerte Musik zur Passion


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Aus der Feder des Darmstädters Christoph Graupner stammen die vier hier eingespielten Kantaten - sehr gelungen interpretiert vom Freiburger Anton-Webern-Chor unter Hans Michael Beuerles Leitung.

Wenn die Rede auf Christoph Graupner (1683–1760) kommt, wird zu Recht vom diskographisch bislang allzu unbekannten Komponisten gesprochen, der am Darmstädter Hof zwar über lange Jahrzehnte ungeheuer produktiv wirkte, in der langfristigen Rezeption aber neben seinen Altersgenossen Telemann, Händel und Bach verblasste. Diesem Befund stemmen sich in jüngerer Zeit immer mehr Produktionen entgegen, die Graupners bisher nur in wenigen Teilen bekanntem Instrumental- und Vokalwerk die verdiente Aufmerksamkeit zu verschaffen suchen. In die Reihe dieser Einspielungen gehört auch die nun von Hans Michael Beuerle und dem Freiburger Anton-Webern-Chor vorgelegte Platte mit Passionskantaten des Darmstädter Meisters.

Ehrfurchtgebietend ist schon der Umfang des Graupnerschen Kantatenwerks – über 1400 Kompositionen entstanden in fast fünfzig Jahrgängen. Doch hat Graupner auch qualitativ Einiges zu bieten. Und seine Satzkunst ist in ihrer bemerkenswerten Eigenständigkeit mit den primären und zeitüblichen Kriterien nicht leicht zu fassen: Graupner entfaltet sein Potenzial in variantenreicher Satztechnik, in feiner Textdeutung, im affektsicheren Einsatz obligater Instrumente, in idiomatisch gelungener Erfindung für die Chorpartien, in geschmeidiger arioser Expressivität. Auch formal zeigt sich Graupner variabel, setzt oft auf durchbrochenes Klanggeflecht und individuelle Lösungen, die linear, harmonisch, in der Besetzung und in der gelegentlich fehlenden Konsequenz beim Einsatz von Kompositionstechniken zu bemerkenswerten Ergebnissen führen – die bemerkenswert eigenständig geformten Choräle sind ein Beispiel dafür. Natürlich: Nicht jeder Einzelsatz ist von allergrößtem Gewicht, aber in der Summe präsentieren Graupners Kantaten unbedingt hörenswerte Musik, die immer wieder durch neue Aspekte und Details zu interessieren weiß.

Sehr feine Einfühlung

Hans Michael Beuerle leitet seinen Anton-Webern-Chor in sehr präzis und klar konturierten Registern zur Gestaltung feiner Linien an. Das realisierte Klangideal ist von einiger Leichtigkeit, zugleich aber auch geprägt durch eine angemessen plastische Diktion. Die individuellen, oft wenig kompakt gesetzten Choräle werden besonders gelungen gedeutet. Insgesamt zeigt sich das mit zwölf Vokalisten schmal besetzte Ensemble bestens auf den eleganten Gestus der Sätze eingestellt. In solistischer Besetzung sorgt das Ensemble Concerto Grosso für eine feine instrumentale Grundierung, wirkt nur sehr gelegentlich etwas zu schmal dimensioniert. Das Bassregister ist angenehm präsent und wird auch über eine detaillierte, zugleich knappe Artikulation doch in seiner Größe gebändigt. Insgesamt ist eine elegant musizierende Einheit zu erleben, aus deren Mitte sich immer wieder obligate Soli von großer Selbstverständlichkeit lösen.

Vokalsolistisch wird das Geschehen aus den Reihen des – freilich professionellen – Chors bestritten. Aus dieser solistischen Reihe ragt der vielfach bewährte Bassist Markus Flaig heraus: Souverän grundiert er das vokale Geschehen klangvoll und kultiviert. Der Tenor Michael Feyfar präsentiert sich gleichfalls elegant und setzt seine schlanke Stimme vor allem arios mit angemessener Präsenz ein. Aus dem solierenden Soprantrio hinterlässt Gunhild Lang-Alsvik mit schlanker Stimme, ausgeglichenen Lagen und modulationsfähigem Ton den überzeugendsten Eindruck. Trotz angemessener Stilistik ist bei Sonja Bühler doch ein vergleichsweise schwebungsreicher Stimmklang zu registrieren, zeigt sich Felicitas Fuchs in großer Höhe nicht optimal kontrolliert und etwas ungebärdig.

Hans Michael Beuerle führt seine Ensembles durch mäßig variante Tempi, darin dem expressiv verhaltenen Grundgestus der Kantaten folgend. Klanglich ist die Produktion in plastischer und klarer Konstellation realisiert. Das Tableau ist leicht durchhörbar, vokale und instrumentale Anteile sind in angemessener Räumlichkeit schön balanciert. Gerade die feinen Nuancen werden sehr zutreffend abgebildet.

Beuerle und seine Mitstreiter plädieren mit einem differenzierten Ansatz für die Musik Christoph Graupners und spüren den variantenreichen Sätzen mit Feingefühl nach. Zu zeigen, dass Graupner mit einer eigenständigen musikalischen Erfindungsgabe gesegnet war, ist ein Verdienst dieser Einspielung bislang unbekannter Kantaten. Und die Platte kann helfen, Graupner in seiner wahren Größe jenseits der Schatten übermächtiger Zeitgenossen zu sehen – zumal als einen Komponisten, der in barockes Form- und Ausdrucksverständnis auch das Element leichter, ja eleganter Wendungen einzubringen wusste.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Christoph Graupner: Wo gehet Jesus hin: Passionskantaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
01.01.2012
070:42
2011
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4009350834576
8345700


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"Christoph Graupner (1683 - 1760) verfügte testamentarisch, dass nach seinem Tod sämtliche Werke aus seiner Feder vernichtet werden sollten. Nicht auszudenken, wenn der letzte Wille des Komponisten tatsächlich vollstreckt worden wäre! Glücklicherweise hat die Nachwelt das musikalische Andenken bewahrt und so findet sich sein musikalischer Nachlass heute in die Bibliothek der Darmstädter Hofkapelle. Graupners umfangreiches Vokalwerk ist bisher diskographisch nur wenig erschlossen, und so machen der Anton-Webern-Chor Freiburg sowie das Ensemble Concerto Grosso unter Leitung von Hans Michael Beuerle mit einfallsreicher und erstmals eingespielter barocker Vokalmusik bekannt. Aus dem riesigen Kantatenwerk Graupners (insgesamt 1414 überlieferte geistliche Kantaten im Rahmen von 46 Kantatenjahrgängen!) wurde ein Programm mit vier Passionskantaten zusammengestellt."


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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