> > > Schumann, Robert: Werke für Violine & Orchester
Samstag, 20. April 2019

Schumann, Robert - Werke für Violine & Orchester

Kunstvoll und irritierend schön


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der schwedische Gieger Ulf Wallin legt eine der bislang besten Einspielungen von Robert Schumanns Werken für Violine und Orchester vor.

Die phänomenale Gesamteinspielung von Robert Schumanns Werken für Violine und Orchester, welche die junge Geigerin Lena Neudauer im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Deutschen Radio Philharmonie unter Leitung von Pablo González bei Hänssler Classic als CD-Debüt vorgelegt hat, steht in Bezug auf die Qualität der Interpretation immer noch sehr isoliert da. Allerdings hat der schwedische Geiger Ulf Wallin nun bei BIS eine Aufnahme veröffentlicht, die sich neben Neudauers Umsetzung behaupten kann und auf ähnliche Weise fasziniert – was wieder einmal belegt, dass es nicht die allseits bekannten Geigenstars sind, die hier Interpretationsgeschichte schreiben. Auffällig ist vor allem die ernsthafte Haltung, aus der heraus Wallin die Werke gestaltet und die Ausdrucksmöglichkeiten der Soloparts nach verschiedenen Seiten hin ausschreitet. Sein Zugriff erweist sich als kunstvolle Lesart des Schumann’schen Textes, die immer wieder zu verblüffen weiß, weil sie ein Übermaß an Ungestüm vermeidet und stattdessen durch irritierende, aber musikalisch wohl motivierten Umschwünge an Kraft gewinnt.

Die Besonderheit von Wallins auch verbal im Booklet reflektierter Schumann-Lektüre liegt daher beispielsweise in der kontrollierten Formung von Einsätzen oder Höhepunkten mit jeweils individueller, auf die harmonischen musikalischen Kontexten abzielenden Artikulationen und Färbungen. In der Violinfassung des Cellokonzerts a-Moll op. 129 wird dies geradezu idealtypisch wahrnehmbar: Von Phrase zu Phrase, manchmal sogar auf einem einzigen lang gehaltenen Ton, lässt der Geiger im ersten Teil die Stimmung umschlagen und vermeidet dadurch eine einseitige emotionale Festlegung. Den langsamen Mittelsatz wiederum zeichnet er – unterstützt von den Musikern der Robert-Schumann-Philharmonie unter Leitung von Frank Beermann – mit kammermusikalischer Intimität und Konzentration. Gerade hier gewinnt die Musik erheblich an Tiefe, weil Wallin auch den Griff zur Emphase nicht scheut und aus der Innigkeit heraus ohne Schaueffekte zur großen emotionalen Geste findet, die er dann bis zu den dramatischen Einsprengseln des rezitativischen Übergangs zum raschen Finale ausspinnt.

Nicht nur an diesen Stellen, sondern auch in den übrigen Werken erweist sich das Orchester als adäquater Partner für den Solisten: Beermann entscheidet sich dazu, den Klang relativ geschlossen zu halten und solistische Episoden von Orchesterinstrumenten oder Instrumentengruppen eher als Farbwerte, denn als kurzzeitiges Hervortreten von Individuen wahrnehmbar zu machen, was den Werken – unterstützt durch die ausgezeichnete Klangqualität der SACD – generell eine herbe, herbstliche Färbung verleiht. Dadurch kommen jedoch all jene Augenblicke, in denen der Orchestersatz zugunsten kammermusikalischer Konzentration auf das Minimum ausgedünnt wird, umso stärker zur Geltung. In dieser Hinsicht großartig ist etwa der facettenreiche Zugriff auf das Orchestervorspiel der Fantasie C-Dur op. 131, der dann durch Wallins Hinzutreten zunehmend an fein differenzierter Dramatik gewinnt, im weiteren Verlauf jedoch in den zarten Dialogen zwischen Solist und einzelnen Holzbläsern immer wieder von Neuem anklingt.

Dass die Gesamthaltung der Aufnahme eher in einer gleichsam ‚sprechenden‘ als in einer lyrischen Darstellung der Schumann’schen Werke liegt, wird besondere bei der Wiedergabe des Violinkonzerts d-Moll op. posth. deutlich: Gleich zu Beginn führt Wallin in der Soloexposition agogisch leicht gedehnte Momente des Zögerns ein, die dem Vortrag Spannung verleihen, ohne die Dramatik jedoch allzu stark in den Vordergrund zu rücken; in Konsequenz dieses rhapsodischen Zugangs löst er dann jedoch in der Durchführung den Solopart in eine Abfolge rezitativartiger Einwürfe auf. Dass dies tatsächlich funktioniert und die Musik nicht stehen bleibt, verdankt sich auch hier dem glänzenden Zusammenspiel von Orchester und Solist: Beermanns Führung des Klangkörpers unterstreicht die deklamatorischen Qualitäten von Wallins Ansatz, hält aber zugleich auch das Geschehen zusammen und entlockt ihm – wie etwa in den stärker artikulierten Orchestereinsätze des Mittelsatzes – auch so manche überraschende Nuance.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schumann, Robert: Werke für Violine & Orchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
22.06.2011
EAN:

7318599917757


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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