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Donnerstag, 13. Dezember 2018

Schumann, Robert - Klavierwerke

Traumwandlerisch


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Jan Vermeulen nähert sich einigen Klavierwerken Robert Schumanns mit einem Instrument des 19. Jahrhunderts: Der Klang fasziniert, doch Vermeulens lyrischer Grundton lässt manches in Schumanns Werken unbeachtet.

Der Belgier Jan Vermeulen ist kein Unbekannter auf dem Gebiet des historisch informierten Klavierspiels. Für Etcetera spielt er das Klavierwerk von Schubert ein – im Falle von Schubert bis heute eine Pionieraufgabe –, von Weber hat er die Sonaten für Brilliant vorgelegt, außerdem gibt es Lieder von Robert Franz (mit Yves Saelens, für Etcetera) und Joseph Haydn (mit Anne Cambier, für Accent), Klavierétudes von Stephen Heller und anderes mehr. Vermeulen ist ein Pianist, der sich nicht auf Äußerlichkeiten verlässt, der sein Metier traumwandlerisch beherrscht. Seine Schumann-Doppel-CD, Mai und Juni 2010 in der Gemeinde Willebringen aufgenommen, verwendet ein zwischen 1830 und 1835 entstandenes Instrument von dem Leipziger Klavierbauer Johann Nepomuk Tröndlin mit wunderbarer Wärme und einem intimen, überaus klaren Ton (unterstützt durch exemplarische Aufnahmetechnik).

Es wird nicht überraschen, dass Vermeulen die ausgewählten Werke bestens beherrscht. Viele Einspielungen der Vergangenheit lässt er mit Leichtigkeit hinter sich. Er ist ein Pianist, der mit noblem Anschlag Schumanns Werke aufs Beste lebendig werden lässt. Vergleicht man Vermeulens Schumann mit dem von Tobias Koch oder Andreas Staier, so fällt gleichwohl auf, dass, obschon sich Vermeulen explizit bemüht hat, Schumanns originale Metronomangaben umzusetzen, sein Zugang ein vergleichsweise verhaltener, eher lyrischer denn nervös-dramatischer ist. Mit Blick auf Schumanns Intentionen muss das leider immer wieder als von Clara Schumann lancierte Fehldeutung angesehen werden, so dass, obschon Vermeulen die ausgewählten Werke wirklich beeindruckend umsetzt, das letzte Quäntchen Drive noch fehlt. Ganz besonders betrifft dies die drei Werke, die Andreas Staier bzw. Tobias Koch exemplarisch vorgelegt haben: die 'Waldszenen' op. 82, die 'Kinderszenen' op. 15 und Ausschnitte aus dem 'Album für die Jugend' op. 68. Diese Zyklen scheinen auf die Doppel-CD gepresst worden zu sein, um sie leichter verkäuflich zu machen. Doch gerade hier liegt der Hase im Pfeffer; die harte Konkurrenz zeigt, dass Vermeulen gelegentlich vielleicht einen Hauch zu nobel ist, um sich ganz von Schumanns Vorgaben mitreißen zu lassen (dies trifft leider auf alle Werke in dieser Edition zu).

Besonders problematisch scheint mir aber ein weiteres von Vermeulen vorgelegtes Werk zu sein, die 'Papillons' op. 2, zu denen der Pianist mit Blick auf die Originalquellen keine rechten Zugang (mehr?) zu finden weiß. Kaum ein Tempo überzeugt wirklich, vielleicht auch, weil Vermeulen sich nicht auf Schumanns Notentext verlässt und unnötige (und von Schumann vermutlich nicht gewollte) Verzögerungen den Fluss der Komposition stören lässt. So zerfasert die Komposition und zerfällt in viele kleine Stückchen. Da reicht der wunderbare Klang seines Instrumentes nicht aus.

Insgesamt hat sich Vermeulen, der selbst die (leider nicht in jeder Hinsicht hilfreichen) Bookletnotizen verfasst hat, ein durchaus anspruchsvolles Programm gestellt, ein anspruchsvolleres als sowohl Staier als auch Koch vorgelegt haben. Und so ist Vermeulen in Sachen Klangfarben durchaus mehr als beachtlich in den drei übrigen Kompositionen, den 'Études symphoniques' op. 13 (nebst fünf nachgelassenen Sätzen), der 'Arabeske' op. 18 sowie dem 'Blumenstück' op. 19. Und hier gibt es wunderbare Neuentdeckungen: nahezu harfenartige Klänge in den 'Études symphoniques', eine ‚intime Kraft‘, die nicht aus dem Klangvolumen moderner Flügel zu schöpfen braucht und doch äußerst überzeugend ist. Traumwandlerisch sicher scheint Vermeulen seinen Weg zu finden. Die Steigerung der 'Études symphoniques' fängt er wunderbar ein, ohne dass diese zu äußerlich virtuosem Steinway-Geklingel verkommt (eine Schwierigkeit, die selbst der große Schumann-Interpret Jörg Demus nicht vermeiden konnte). Die Intimität und das Neuartige der 'Papillons' ist geradezu mit Händen zu greifen, auch wenn mir manche seiner Tempoverzögerungen denn doch mehr als einen Hauch zu viel sind, legte Schumann doch großen Wert darauf, dass Tempi gehalten und nicht unnötig verzerrt würden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schumann, Robert: Klavierwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
2
01.04.2011
EAN:

4015023242388


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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