> > > Schumann, Robert: Carnaval op.9
Freitag, 19. April 2019

Schumann, Robert - Carnaval op.9

Ausladende Gestaltungskraft


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Pianistin Lilian Akopova legt mit dieser Aufnahme ein großartiges Debütalbun vor.

Eine vortreffliche Wahl ist die neue CD der Pianistin Lilian Akopova, die bei Genuin Classics Leipzig erschienen ist. Klavierwerke von Schumann, Mendelssohn und Franz Liszt sind darauf zu hören. Dabei besticht die aus der Ukraine stammende Künstlerin vor allem durch ein gepflegtes Klangbild und eine Interpretation, die den Intentionen der Romantiker vollauf gerecht wird. Ihre musikalische Ausbildung begann Lilian Akopova in Kiew an der Lisenko Spezialmusikschule in der Obhut von Prof. Valery Kozlov. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss im Jahr 2000 wechselt sie an die Hochschule für Musik und Theater in München, wo sie bei Prof. Elisso Wirssaladze studierte. Natürlich nahm die Künstlerin auch an verschiedenen Meisterkursen teil, zum Beispiel bei András Schiff, was unweigerlich hörbaren Einfluss auf ihr lichtes, klares Klavierspiel genommen hat. Auch von Paul Badura-Skoda konnte sie Entscheidendes lernen. Ihre künstlerische Reife hat sie mit dieser Aufnahme zweifellos bewiesen.

Bezaubernd ist dabei Akopovas ausladende Gestaltungskraft bei höchst individueller Freiheit: Der 'Valse noble' in Schumanns 'Carnaval. Scènes mignonnes' op. 9 gerät ihr ebenso improvisatorisch wie elegant. Dahingehaucht ist Eusebius‘ Thema: Hier lebt die Pianistin ihren Hang zu melancholischer Sotto-voce-Darstellung aus, ohne gekünstelt zu wirken. Überhaupt erscheint ihr Vortrag äußerst authentisch und werktreu. Florestans Thema im Anschluss kontrastiert musikalisch dazu perfekt. Hochvirtuos geht die junge Künstlerin hier zu Werke, nimmt die dynamischen Bezeichnungen ernst, wenngleich ihr Fortissimo nie ganz hart oder zu laut erscheint. Da imitiert sie den weichen Klang der damaligen Instrumente und führt so lückenlos in die Zeit der Romantik. Die Trackgrenzen sind technisch so sauber gesetzt, dass ein ungestörtes Durchhören problemlos möglich ist. Überhaupt ist die Aufnahme vom März 2010 von Tonmeister Christopher Tarnow sehr zu loben. Der Klang ist plastisch, wohlabgerundet. In den 'Papillons' legt Akopova mit atemberaubendem Tempo los, demonstriert ihre selbstlose Virtuosität, die sie quasi wie aus dem Ärmel schüttelt. 'Chiarina' gelingt ihr leidenschaftlich und mit dem nötigen Quäntchen Wehmut.

'Chopin' ist die Nummer 12 des Zyklus‘ und eine Verneigung Schumanns vor seinem polnischen Kollegen, der im gleichen Jahr wie er selbst (1810) geboren wurde. Es gab übrigens vielfältige Beziehungen zwischen den beiden: So begegneten sie sich mehrfach und widmeten sich gegenseitig Werke. Im September 1835 und September 1836 besuchte Chopin Robert Schumann und Clara Wieck in Leipzig, in ihren Tagebüchern und in Schumanns Neuer Zeitschrift für Musik sind diese Aufenthalte dokumentiert. Dass das Chopin-Portrait unmittelbar in die 'Estrella' mündet, bekommt fast niemand mit, der nicht die Noten vor Augen hat. Auch das beliebte 'Reconnaissance' gebraucht die Notenfolge As-C-H; es ist das böhmische Asch, wo Schumanns damalige Verlobte Ernestine von Fricken wohnte. Schumann mochte solche Anagrammspiele über die Maßen wie vor ihm nur Bach.

Nahtlos in Akopovas Schumann-Bild fügt sich der Einstieg in Felix Mendelssohn-Bartholdys 'Fantasie' op. 28 fis-Moll, die der 19-jährige Komponist 1828 als ‚Sonate écosaisse‘ (Schottische Sonate) entworfen hatte. Das empfindsam- volksliedhafte thematische Material mit der wehmütig absteigenden Linie unterzog der Komponist fünf Jahre später einer gründlichen Revision und widmete es seinem Freund Ignaz Moscheles. Das erklärt den virtuosen Charakter dieser Musik. Vehement steigt die Pianistin hier ins Geschehen ein und nimmt dabei unbedingt für sich ein. Sie versteht die harmonischen Wendungen in den Ablauf zu integrieren und das Ganze quasi wie eine Improvisation ablaufen zu lassen. Glücklich ist dabei die Tatsache, dass ihr exorbitante technische Mittel zur Verfügung stehen. Deutlich hörbar wird hier die Liedstruktur des Werkes, die entfernt das Kinderlied ‚Es klappert die Mühle am rauschenden Bach‘ zitiert. Furios keucht der Schlusssatz. Hier prescht die junge Pianistin nur so durch die Partitur, wobei ihr die Läufe – auch in Oktaven – gespenstisch gut gelingen. Dazu nimmt sie herrlich an Fahrt auf, schaltet und waltet dabei klanglich meisterlich. Die musikgeschichtlichen Erläuterungen zu den Werken im Begleitheft der CD, die Irina Paladi beisteuerte, sind ebenfalls profund und nützlich. Die Bebilderung ist zwar sparsam geraten – es gibt nur das Titelfoto in Farbe und ein weiteres schwarz-weißes Bild –, aber schließlich soll ja die Musik im Zentrum stehen.

Die acht 'Phantasiestücke' op. 12 von Robert Schumann zeichnen in Anlehnung an E.T.A. Hoffmanns ‚Fantasiestücke in Callots Manier‘ ein farbiges Spektrum und beschwören eine fantastisch-träumerische Welt. 1837, als Schumann daran arbeitete, hatte Friedrich Wieck den Kontakt seiner Tochter Clara zu Robert untersagt. Obwohl Schumann das Werk der schottischen Pianistin Anna Robena Laidlaw (1819–1901) widmete, wünschte er sich insgeheim, dass Clara sie spielen möge. Lilian Akopovas Interpretation dieses romantischen Meisterwerks sowie als Gute-Nacht-Hupferl Liszts Transkription von Schumanns ‚Liebeslied‘ (Widmung) runden diese gelungene CD-Produktion ab.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schumann, Robert: Carnaval op.9

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
22.10.2010
EAN:

4260036251920


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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