> > > Bach, Johann Sebastian: Kantaten BWV 131 & 177
Mittwoch, 8. Juli 2020

Bach, Johann Sebastian - Kantaten BWV 131 & 177

Elegant


Label/Verlag: Passacaille
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zweiter Teil der kleinen Bach-Reihe unter der Ägide Marcel Ponseeles: Vor allem die eminenten instrumentalen Qualitäten können überzeugen.

Der belgische Oboist Marcel Ponseele hat natürlich recht, wenn er einleitend zu seiner neuen Platte mit Bach-Kantaten auf die Frage, ob es wirklich einer weiteren Kantaten-Reihe bedarf, mit einer Gegenfrage antwortet: Warum nicht? Schließlich hat Ponseele als Instrumentalist in drei Jahrzehnten in der Zusammenarbeit mit etlichen der großen Bach-Interpreten wertvolle Erfahrungen gesammelt, hat Sichtweisen und Lesarten kennengelernt – und hat mit wachsender Reife gespürt, dass er seinen eigenen Zugang zum interpretatorisch nie wirklich erschöpften Kosmos der Kantaten Johann Sebastian Bachs vorstellen will. Ponseele strebt dabei keine vollständige Einspielung des enormen Werks an, auch keine systematische Auswahl. Er will auf fünf Platten thematisch konzentriert unter bestimmten Schlagworten eine Auswahl präsentieren, jeweils ergänzt um das Werk eines Zeitgenossen Bachs. Schon erschienen ist das Album ‚Desire’, aktuell liegt ‚De profundis’ vor, und folgen sollen noch ‚Lamentatio’ sowie je eine Veröffentlichung zu ‚Trübsal’ und ‚Tod’.

Im Werk Bachs wird man zu diesen Themen genug Anregendes finden, das hat schon die erste Platte der kleinen Reihe gezeigt. Und sie hat zweierlei deutlich gemacht: Ponseele hatte dort zu Bachs Musik im instrumentalen Bereich einen feinen Zugang von erlesener Eleganz gefunden, während das Vokale auch auf Grund nicht restlos überzeugender Solisten in der deutenden Gewichtung abfiel.

Gemischte Bilanz

Und in etwa so ist es auch bei der vorliegenden Platte, die neben den Kantaten 'Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ' BWV 177 und 'Aus der Tiefen rufe ich, Herr zu dir' BWV 131 eine überaus interessante Kantatenkomposition aus der Feder Christoph Graupners präsentiert: 'Aus der Tiefen rufen wir' GWV 1113/23a. Das herausragend besetzte Instrumentalensemble zeigt sich auf der Höhe stilsicheren Musizierens: Neben Marcel Ponseele spielen unter anderem Ann Vanlancker Oboe, Laurent Lechenadec Fagott, Ryo Terakado, François Fernandez und Sophie Gent Violine sowie Shalev Ad-El Orgel und Cembalo. Sie zeichnen feine Linien, spielen agil, präzis, perfekt kontrolliert und doch klangfreudig. In den schmal besetzten Arien sind hochkonzentrierte obligate Beiträge in charmanten Kombinationen zu erleben. Dazu artikuliert der Basso continuo aktiv und angenehm knapp.

Vokal fällt vor allem der Tenor Marcus Ullmann auf: Mit seinem hell timbrierten, beweglichen, auch in der Höhe leicht ansprechenden Organ macht er deutlich am meisten aus den gestalterischen Möglichkeiten, die Bach im Zusammenspiel von Musik und Sprache bietet. Auch der Altus Damien Guillon kann mit seiner leichten, klangschönen und technisch sicheren Stimme für sich einnehmen. Die Sopranistin Caroline Weynants bietet rein klanglich wenig Anlass zur Beanstandung, spricht die deutschen Texte aber doch allzu nachlässig und unidiomatisch. Schließlich der Bariton Lieven Termont: Seine Stimme ist wie schon auf der ersten Platte unbeweglich, der Klang will sich nie wirklich leicht entfalten, etliche Vokale klingen eng. In den Chören agieren die um einige Ripienisten verstärkten Vokalisten dagegen transparent, Sopran und Alt scheinen etwas präsenter als die tiefen Register. Auch das Choralsingen der Formation ist elegant zu nennen, allerdings ohne die große affektive Wucht.

Das Klangbild ist sehr erfreulich: Vor allem in den delikaten Besetzungen ist ein sehr gutes Verhältnis von Raum und Akteuren zu erleben, vielleicht ist das Instrumentalensemble etwas präsenter als es die vokalen Anteile sind. Insgesamt zeigen sich die Register aber plastisch modelliert und in schöner Klangstaffelung. Marcel Ponseele favorisiert ganz offenkundig einen eleganten, vom Instrumentalen her kommenden Zugang zu Bach. Das Bezwingende, das aus intensiver Textausdeutung hervorgehen müsste, findet dagegen weniger Aufmerksamkeit – obwohl die Verbindung gelingen kann, wie das Beispiel Marcus Ullmanns zeigt. Instrumental ist die Einspielung untadelig, vokal ist sie etwas heterogener. Vielleicht zeigen sich hier auch gewisse Reserven in der konzeptionellen Entschlossenheit Ponseeles.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Kantaten BWV 131 & 177

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Passacaille
1
01.03.2011
Medium:
EAN:

CD
5425004849694


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Passacaille

Das belgische Label PASSACAILLE wurde 1995 gegründet und sollte von Anfang an eine Plattform für hochrangige belgische Künstler der historischen Aufführungspraxis sein. Das Barockorchester il Fondamento mit seinem Leiter Paul Dombrecht und der Hammerklavierspezialist Jan Vermeulen gehörten zu den ersten, die für das Label aufnahmen. Später erweiterte sich der Künstlerkreis um weitere prominente Namen wie Wieland Kuijken oder das Ensemble Octophorus. Bald erhielten die Aufnahme internationale Preise, was als zusätzlicher Anreiz gesehen wurde, sich im künstlerischen Bereich auch internationalen Künstlern und Ensembles zu öffnen. Ab 2000 begann die Zusammenarbeit mit Künstlern aus verschiedenen europäischen und transatlantischen Ländern. 2006 übernahm der belgische Traversflötist und Musikwissenschaftler Jan de Winne das Label und erweiterte den Künstlerkreis des Labels erneut um international renommierte Künstler wie zum Beispiel Graham O'Reillys Ensemble Européen William Byrd und Lorenzo Ghielmis Ensemble La Divina armonia, das hier erst kürzlich eine fulminante Aufnahme von Händels Orgelkonzerte Op.4 vorgelegt hat. Als weitere Neuzugänge seien noch der brasilianische Cembalist Nicolau de Figueiredo, der Cellist Sergei Istomin und der Fortepianist Alexei Lubimov zu nennen. Im Rahmen der Neuorganisation des Labels möchte Jan de Winne den bewährten ursprünglichen Schwerpunkt Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beibehalten, aber auch nach und nach Musik späterer Epochen in das Programm integrieren.


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