> > > Händel, Georg Friedrich: Jephtha
Sonntag, 29. März 2020

Händel, Georg Friedrich - Jephtha

Enttäuschende Gesangssolisten


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Einspielung von Händels 'Jephtha' weiß im Orchester zu überzeugen. Leider lässt die sängerische Leistung einiger Solisten zu wünschen übrig.

Die Engländer liebten Happy Ends, zumindest wenn es darum ging, Standhaftigkeit in Glaubensfragen zu belohnen. Diese Lektion hatte Händel mit seinem Oratorium 'Theodora' gelernt, das auch aufgrund seines tragischen Endes kein Erfolg beim Publikum hatte. So entschieden sich Händel und sein Textdichter Thomas Morell für einen positiven Ausgang des alttestamentarischen Jephtha-Stoffs. Dieser Text handelt vom israelischen Heerführer Jephtha, der Gott gelobt, das Erste, was ihm nach einer siegreichen Rückkehr begegnen würde, ihm zu Ehren zu opfern. Zu Jephthas großem Unglück war es sein einziges Kind, seine Tochter, die dem siegreichen Krieger entgegenlief. Worum es sich bei dem ‚Opfer‘ genau handelte, ist umstritten. Es gibt sowohl die Möglichkeit, dass Jephtha seine Tochter nach einem Opferritual umbringen ließ, als auch die Variante, dass seine Tochter ein gottgeweihtes, jungfräuliches Leben in Versagung der Welt zu führen hätte. Morell nahm sich die zweifache Deutungsmöglichkeit, um Jephthas Tochter überleben zu lassen. Anders als in der Bibel gibt er ihr auch einen Namen, Iphis, und stellt ihr noch den Verlobten Hamo und ihre Mutter Storgè zur Seite. Desweiteren treten noch Jephthas Bruder Zebul und ein Engel der Erlösung auf. Kommentiert wird das Geschehen von einem der griechischen Tragödie entlehnten Chor der Israeliten und Priester.

Das Oratorium sollte das letzte sein, das Händel vollendete. Verschiedene Augenleiden veranlassten ihn immer wieder dazu, seine Arbeit an der Musik zu unterbrechen. Einen wichtigen Anteil an der Entstehungsgeschichte von 'Jephtha' hatte ferner der böhmische Komponist Franz Johann Habermann, ein Lehrer Josef Mysliveceks, aus dessen Messkompositionen sich Händel frei bediente.

Fabio Biondi hat das Werk bei einem Konzert im Februar 2008 im norwegischen Stavanger zusammen mit dem Stavanger Sinfonieorchester, dem Collegium Vocale Gent sowie den Solisten James Gilchrist (Jephtha), Mona Julsrud (Iphis), Elisabeth Jansson (Storgè), Havard Stensvold (Zebul), Marianne Kielland (Hamor) und Elisabeth Rapp (Engel) aufgeführt. Der entsprechende Konzertmitschnitt ist nun beim Label BIS erschienen.

Biondi, der einer der beiden künstlerischen Leiter des Stavanger Orchesters ist, hat den Klang des Ensembles ins barocke Fach weiterentwickelt, wovon die CD ein klingendes Zeugnis ablegt. Die Tempi sind meist in frischem Zeitmaß gewählt, und Biondi lässt die Streicher mit tänzerischem Schwung musizieren. Auch das Collegium Vocale Gent präsentiert sich von gewohnt professioneller, klangschöner Seite. Leider ist von den Solisten einzig James Gilchrists Interpretation von durchweg hervorragender sängerischer Qualität. Bei ihm befinden sich Textverständlichkeit, Ausdruck, Timbre und Tonsicherheit in perfekter Harmonie. Sein Gesang ist von klanglicher Schönheit und Expressivität. Wenn er an der Reihe ist, muss man sich keine Sorgen um die Musik machen.

Die anderen Solisten aber zeigen mehr oder weniger deutliche stimmliche Probleme, seien es die Intonationsschwierigkeiten von Mona Julsrud, das blässliche Timbre von Elisabeth Jansson oder der ausdrucksschwache Gesang von Marianne Kielland. Havard Stensvold hat einige Probleme, die höheren Register auszusingen, weshalb diese Töne häufig eng und glanzlos klingen; auch kleichte Intonationsprobleme treten mitunter auf. Ferner wirkt der Engel von Elisabeth Rapp stimmlich angeschlagen. Schade, dass Biondi kein besser disponiertes Solistenensemble zur Verfügung stand. So ist aber zu konstatieren, dass es sich bei dem Konzertmitschnitt nicht um ein musikalisches Highlight handelt. Aufnahmen wie diese wären besser im Archiv geblieben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Händel, Georg Friedrich: Jephtha

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
2
16.02.2011
Medium:
EAN:

CD
7318590018644


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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