> > > Christoph Graupner: : Fagott- und Violinkonzerte
Mittwoch, 1. Dezember 2021

Christoph Graupner: - Fagott- und Violinkonzerte

Graupner-Entdeckungen


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Musiker spielen Graupners Musik mit mitreißendem Schwung und Ausgelassenheit.

Der Fagottist Sergio Azzolini hat mit seinem Entdeckergeist einen wahren musikalischen Schatz gehoben: Konzerte von Christoph Graupner, die dieser für den Hoffagottisten Johann Christian Klotsch seines Darmstädter Dienstherrn Landgraf Ernst Ludwig komponierte (im Booklet wird Graupners Dienstsort fälschlicherweise nach Kassel verlegt). Sie sind nicht nur eine Rarität, weil sie das selten als Soloinstrument zu hörende Fagott in den Vordergrund stellen, sondern weil Graupners Werke trotz guter Quellenlage bisher ihrer Wiederentdeckung harren. Im Gegensatz zu anderen Komponisten-Nachlässen ist der von Graupner dank des energischen Einsatzes seiner Nachkommen fast vollständig erhalten und lagert in der Universitäts- und Landesbibliothek seines alten Wirkungsorts Darmstadt.

Azzolini kann auf seiner neuen CD mit gleich drei Ersteinspielungen aufwarten: mit dem Konzert für Fagott in C-Dur GWV 301, dem Konzert für Violine in A-Dur GWV 337 und dem Konzert für Chalumeau, Fagott und Violoncello in C-Dur GWV 306. Dazu stehen die Konzerte für Fagott in c-Moll GWV 307, das Fagottkonzert in G-Dur GWV 328 und das Fagottkonzert in B-Dur GWV 340 auf dem Programm. Es ist eine sehr abwechslungsreiche Mischung, die der Solist zusammen mit dem Ensemble il capriccio eingespielt hat. Geleitet wird das Ensemble vom Geiger Friedemann Wezel, der auch den Solopart im Violinkonzert übernimmt.

Die Musiker spielen Graupners Musik mit mitreißendem Schwung und Ausgelassenheit. Durch ein reich besetztes Basso continuo, bestehend aus Laute bzw. Gitarre, Cembalo und Orgel sowie Fagott, klingt die Musik sehr rhythmisch und vollmundig. Dabei sind nicht nur die schnellen Sätze tänzerisch gespielt, sondern auch die langsamen Sätze können mit einem belebten Klangbild aufwarten. Graupner fordert ferner hochvirtuose Läufe und Verzierungen von seinen Solisten, wodurch sich Azzolini mit dem für ihn typischen übersprudelnden Temperament zu wilder Brillanz hinreißen lässt. Die langsamen Sätze spielt er voller Inbrunst mit geschickten Dynamik- und Tempowechseln. Er nimmt sich großen Freiraum, um seine Interpretation klangprächtig auszuschmücken. Als Beispiel hierfür sei das 'Largo' aus dem Konzert für Fagott in G-Dur genannt.

Das Violinkonzert stellt eine gelungene Ergänzung des dominierenden Fagottklangs dar, da es eine weitere Facette der Graupnerschen Instrumentalmusik zeigt. Die Sologeige scheint hier die Tuttiinstrumente mit großem Nachdruck übertrumpfen zu wollen, was diese aber lebhaft parieren. Herrlich leicht sind die Geigen-Pizzicato-Einleitungstakte des 'Andante' gelungen, aus denen sich die Violinstimme sanft entwickelt. Das Konzert für Chalumeau, Fagott und Violoncello spielen die schon genannten Solisten Wezel und Azzolini sowie die Cellistin Kristin Dom. Die Chalumeau ist im Konzertbetrieb normalerweise eher selten zu hören, weshalb ihr Klang hier einen ganz besonderen Reiz entfaltet. Ihr tiefer, leicht guttural klingender Ton ergänzt das Fagott sowohl in der Tiefe als auch in der Mittellage um weitere Farbschattierungen. Das Cello tritt eigentlich erst im zweiten Satz als selbstständiger Partner in Erscheinung. Die samtig dunklen Klänge der Solistengruppe bewegen sich in einem klagenden Wiegenrhythmus, der von Akkordrückungen der Violinen und dem Cembalo aufgelockert wird.

Die CD ist äußerst hörenswert, da sie mit ihrem Überschwang und ihrer Lebensfreude jeglichen Winter-Blues vertreibt. Graupners intelligente und gewitzte Kompositionen sind eine perfekte, geistreiche Unterhaltung, die von Azzolini, Wezel und dem Ensemble il capriccio kongenial umgesetzt wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Christoph Graupner: : Fagott- und Violinkonzerte

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
01.01.2011
072:43
2007
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4009350834439
8344300


Cover vergössern

" Christoph Graupner (1683-1760) ist heute vor allem als vielschreibender Kantatenkomponist bekannt. Dass er während seiner langen Amtszeit am Darmstädter Hof auch andere musikalische Gattungen bediente, zeigt die vorliegende CD. Das Ensemble il capriccio, das auf Originalklanginstrumenten musiziert, legt gemeinsam mit Sergio Azzolini und Christian Leitherer alle vier Fagottkonzerte, ein Doppelkonzert für Fagott und Chalumeau und das einzige Violinkonzert Graupners zum Teil als Ersteinspielung vor."


Cover vergössern

Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Carus:

  • Zur Kritik... Prachtwerke: In der Summe eine ungemein gediegen gesungene und gespielte Platte mit Bach-Kantaten – edel im Klang, differenziert im Zugriff, mit üppigen lyrischen Stärken agiert Hans-Christoph Rademann mit seiner Gaechinger Cantorey ohne Zweifel. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Vorstellung einer großen Orgel mit Bach und Duruflé: Der Wiederaufbau der Frauenkirche ging einher mit dem Neubau einer Orgel. Sebastian Kummer stellt sie mit barocken und spätromantischen Werken souverän vor. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Weihnachtliche Zweitverwertung: Das Calmus Ensemble macht diesen Querschnitt seiner sängerischen Qualitäten wegen sicher für Ersthörer attraktiv. Wer systematischer unterwegs und auf dem diskografischen Weg schon länger dabei ist, dem sei abgeraten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Carus...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Christiane Bayer:

  • Zur Kritik... Wo ist das Strahlen?: Die Stücke sind schön eingesungen, wenn auch ohne große interpretatorische Überraschungen. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
  • Zur Kritik... Frühling für die Ohren: Stefen Temmingh und Dorothee Mields spüren mit Neugier den unterschiedlichen Vogelstimmen und deren Bedeutungen in der europäischen Barockmusik nach. Was für ein buntes Gezwitscher, bei dem einem Ohr und Herz aufgehen. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
  • Zur Kritik... Ein würdiger Auftakt: Der Startschuss zu einer Kuhnau-Reihe bei cpo könnte fulminanter gar nicht ausfallen: tadellose Umsetzung großartiger Musik durch das Ensemble Opella Musica mit Unterstützung der Camerata Lipsiensis. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Christiane Bayer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Verbeugung vor den Damen: Ein vergessenes Werk von Ethel Smyth und ein Geschenk zum hundertsten Geburtstag. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Giosquino, der Italiener: Ein weitere hochklassige Würdigung Josquins in seinem 500. Todesjahr: Diese Platte von Odhecaton und Gesualdo Six setzt willkommene Impulse, um das erfreulich reich überlieferte kompositorische Erbe Josquins vor Ohren geführt zu bekommen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Der jüngere Krieger in Vollendung: Tatjana Volobjova spielt 'Sechs Musicalische Partien' und freie Stücke eines unterschätzten Komponisten in vollendeter Interpretation. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

IMMA

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich