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Freitag, 25. Mai 2018

Marx, Joseph - Ausgewählte Lieder

Vertrackt


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Leichte ist oftmals das Schwere. So auch bei vorliegender CD mit Liedern von Joseph Marx. Angelika Kirchschlagers Timbre will zu diesen Kleinoden nicht recht passen.

Angelika Kirchschlager hat Erfolg. Die Karriere der 1965 geborenen Mezzosopranistin läuft wie am Schnürchen. Ihre jüngste Schumann-Lieder-CD für Sony wurde mit ausgezeichnet, auf allen großen Opernbühnen der Welt ist sie zu hören und wird von Kritikern und Publikum gleichermaßen umjubelt. Ihr immenser Fleiß (allein fünf Lied-CDs erschienen 2010) spricht für sich. Sie ist eine intelligente Sängerin, die auch vor zeitgenössischer Musik nicht zurückschreckt. Möchte man Vergleiche anstellen, so mit der großen Edith Mathis – ähnlich kraftvoll und warm ist die Höhe, ähnlich sogar das Timbre (zumindest auf der vorliegenden CD).

Joseph Marx (1882–1964) gilt als essenziell österreichischer Komponist, mit einer gehörigen Portion Wiener Schmäh in seiner Melodiegestaltung. Ein Vorurteil, wie sich schon bei den ersten Takten der vorliegenden Auswahl von 24 Liedern erweist. Wir haben hier einen Komponisten, dessen Klangsprache jener Max Regers oder Hugo Wolfs etwa nicht unähnlich ist, voller Modulationen und Stimmungswechsel, mit Charme, Witz, aber auch Tiefgründigkeit. Da reicht keine intelligente Gestaltung – man braucht die passende Stimme, eine Stimme voller Wärme Sinnlichkeit, Wärme und verhaltener Erotik. Kirchschlagers Stimme kann nicht ganz diese Erfordernisse erfüllen – wie jene von Mathis ist auch ihre einen Hauch kühl, kalkuliert, man hat das Gefühl, sie singe mit Emotion, mit Intellekt, mit Wissen – aber nicht zu hundert Prozent mit dem Herzen. Dies kann gut eine Besonderheit ihres typischen Stimmklangs sein und kein psychologisches Phänomen, aber bei Liedern wie den vorliegenden muss man solche Qualitäten erwarten (kein Wunder, dass solche schwierigen Kleinodien nur selten aufs Programm gesetzt werden – sie sind so unglaublich schwer überzeugend hinzukriegen).

Dreimal habe ich angesetzt, die CD zu hören, und immer wieder hat mich die Stimme Kirchschlagers enttäuscht. So sehr sie sich bemüht, ich blieb unberührt – ob im Wolf’schen 'Die Liebste spricht' oder dem eindrucksvollen, ausdrucksvollen Liederzyklus 'Verklärtes Jahr' (1930-32). Dabei liegt es keineswegs an der Musik – Marx ist ein echter Meister des Liedes und es ist eine Schande, dass es so wenige Aufnahmen gibt. Aber es liegt auch nicht daran, dass Kirchschlagers Timbre unschön wäre, die Stimme nicht säße oder mir vom Timbre her unangenehm wäre. Im richtigen Repertoire, so bin ich überzeugt, kommt sie zur besten Geltung. Auch ist ihre Aussprache exemplarisch, und sie hat in Anthony Spiri einen bewunderungswürdigen Klavierpartner.

Vielleicht fehlt mir hier der ‚Hothouse‘-Effekt, der den Liedern harmonisch immanent ist und auf den man sich als Sänger/in einlassen muss, ein Effekt, der noch stärker etwa in der Musik Kaikhosru Sorabjis offenkundig ist. Ein Effekt, der leicht zu Lasten der Aussprache gehen kann oder die Stimme verbrennt. Ein Effekt, der eine ganz besondere Stimme erfordert. Oder eine ganz besondere Persönlichkeit. Es ist vertrackt – diese kurzen Lieder, mit ihren herrlichen Linien, ihrer reichen Harmonik, erfordern in ihrer Kürze so unendlich viel.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Marx, Joseph: Ausgewählte Lieder

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.08.2010
EAN:

761203746620


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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