> > > Joseph Haydn: Missa Cellensis: Cäcilienmesse C-Dur Hob. XII: 5
Dienstag, 21. Mai 2019

Joseph Haydn: Missa Cellensis - Cäcilienmesse C-Dur Hob. XII: 5

Haydns 'Missa Cellensis' aus der Frauenkirche


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Carus legt eine ingesamt überzeugende Einspielung von Haydns 'Großer Mariazeller' Messe vor - mehr als nur eine 'CD zur Notenedition'.

Ob man das im Blindtest vermuten würde, dass Joseph Haydn der Urheber dieser Messe ist? In der umfangreichsten aller Orchestermessen Haydns – die Spielzeit vorliegender Aufnahme beträgt über 67 Minuten – irrlichtern doch reichlich barocke Konventionen durch die Partitur, die nicht gleich auf den ‚Vater der Wiener Klassik‘ schließen lassen. Haydns 'Missa Cellensis‘ von 1766 steht, jedenfalls im 'Kyrie‘ und 'Gloria‘, ganz in der Tradition der barocken Kantatenmesse und verweist eher zurück zu Vivaldi und Bach als voraus. Während die sechs späten, sinfonischen Messen, ab 1796 beinahe im jährlichen Abstand zum Namenstag der Fürstin Esterházy komponiert, zum eherner Bestand des Repertoires gehören, fristen die meisten der acht frühen Messen ein Schattendasein. Doch der Vergleich mit beispielsweise Mozarts zeitnah entstandener ‚Waisenhausmesse‘ ist durchaus interessant, und Haydns fünfte Messe braucht diesen Vergleich nicht zu scheuen.

Die 'Missa Cellensis‘ C-Dur Hob. XXII:5, schrieb Haydn für die Wallfahrtskirche in Mariazell. Gelegentlich wir sie auch als ‚Große Mariazeller Messe‘ bezeichnet, um Verwechslungen mit der späteren ‚Kleinen Mariazeller‘ (Hob. XXII:8) zu vermeiden. Und auch unter dem nicht authentischen Alias-Titel ‚Cäcilienmesse‘, ist die ‚Große Mariazeller‘ bekannt.

Die Messe besteht aus 17 Sätzen von meist drei bis sechs Minuten Dauer. 'Kyrie‘ und 'Credo‘ sind dreiteilig, das siebensätzige 'Gloria‘ ist am deutlichsten mit der alten Gattung der Kantatenmesse verwandt. Mit wirklich überragenden melodischen Einfällen war Haydn bei der Komposition nicht gerade gesegnet. Dennoch bietet diese ausladende Messe einigen Abwechslungsreichtum. Die von Satz zu Satz wechselnde Besetzung, die Wechsel der Affekte vom Heiteren über das Jubilierende bis zum Erhabenen, die unterschiedlichen Stile der Faktur, all das ist eigentlich eine gute Voraussetzung, dass die 67 Minuten über keine Langeweile aufkommen möge. Leider sind Haydn dann aber doch einige Sätze, vor allem die Chorfugen, recht konventionell und zahm geraten. Das 'Credo' hat schon gewisse Ähnlichkeiten mit den späten Messen des Komponisten und ist daher vielleicht der interessanteste Teil des Werks.

Die vorliegende Veröffentlichung des Labels Carus ist nicht nur eine ‚CD zur Notenedition‘, sie ist ein vorzüglicher Konzertmitschnitt, dem man die Live-Situation nicht anmerkt. Jos van Immerseel und dem von seinem Nachnamen abgeleiteten Orchester- und Chorensemble Anima Eterna gelingt eine beglückende Aufnahme von höchster Homogenität. Chor, Orchester und die Solisten Lydia Teuscher, Marianne Kielland, Markus Schäfer und Harry van der Kamp harmonieren perfekt miteinander und sind ohne Fehl und Tadel. Immerseel lässt auf den historischen Instrumenten transparent und federnd musizieren, ohne sich durch übertrieben gegen den Strich gebürstete Phrasierungen zu produzieren. An manchen Stellen klingen Chor und Orchester besonders samtweich und verschmelzen zu einem wundervollen Klang. Die umstrittene Hausorgel ist an der Aufführung nicht beteiligt gewesen, Immerseel griff auf eine Truhenorgel zurück.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Markus Kuhn Kritik von Markus Kuhn,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Joseph Haydn: Missa Cellensis: Cäcilienmesse C-Dur Hob. XII: 5

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
01.02.2009
67:49
2008
EAN:
BestellNr.:

4009350832473
8324700


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"Wie die meisten Haydn-Messen ist die Missa Cellensis unter ihrem Alias-Titel „Cäcilienmesse“ bekannter als unter ihrer originalen Bezeichnung. Joseph Haydn begann die Arbeit daran 1766, als er die Leitung der Esterházy-Kapelle übernahm. Mit ihrer außergewöhnlich großen Orchesterbesetzung und einer Aufführungsdauer von etwa einer Stunde ist die Komposition die längste und umfangreichste Messe Haydns. Haydn folgt der traditionellen Gliederung der Ordinariumsteile in Einzelsätzen, die in unterschiedlichen, auf Abwechslung und Kontrast zielenden Besetzungen und Satztechniken den Text ausdeuten. Jos van Immerseel und sein Ensemble Anima Eterna haben sich längst einen hervorragenden Ruf als Spezialisten für eine besondere Art der historischen Aufführungspraxis erworben: Für die Vorliegende Einspielung wurden Wiener Blasinstrumente eingesetzt, und die Streichinstrumente orientieren sich ebenfalls an der Bauart der Wiener Klassik. Zusammen mit der einzigartigen Akustik der Dresdner Frauenkirche entstand eine geradezu brillante Einspielung der Missa Cellensis, mit der die geplante Gesamteinspielung aller Haydn-Messen bei Carus eröffnet wird."


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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